02.11.17, 09:01

Fed-Chair-Nominierung: Spatzen, die von Dächern pfeifen

USD: Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: US-Präsident Donald Trump wird wohl Jay Powell als neuen Fed-Chair nominieren. Abgesehen von einer minimalen verbleibenden Restunsicherheit erscheint diese Personalfrage damit weitgehend entschieden. Allzu großes Ungemach dürfte Powell auch nicht vom Senat drohen, der Trumps Kandidaten bestätigen muss. Klar, Powell hat stets die aus Sicht vieler Senats-Abgeordneter falsche Geldpolitik Janet Yellens mitgetragen, aber er war nie ein exponierter Verteidiger dieser Politik. Und auf dem Feld der Regulierung dürfte er akzeptabel sein, denn er steht für eine vorsichtige Lockerung exzessiver Regeln, die in den Panik-Jahren nach der Finanzmarktkrise aufgestellt wurden, ohne dass er zum Laissez Fair der frühen 2000er zurückkehren will. Das kann ein mehrheitsfähiger Mittelweg sein.

So weit so klar. Die Interpretation dieser Personalie bzgl. der Auswirkungen auf die USD-Wechselkurse ist allerdings nicht so leicht. Denn Powell ist in Fragen der Geldpolitik ein unbeschriebenes Blatt. Von Hause aus Jurist, hat er sich fast nie zu Fragen der Geldpolitik aus dem Fenster gelehnt. Ja, er hat stets die Geldpolitik Yellens mitgetragen und ist nie durch Minderheitsvoten aufgefallen. Daraus schließen Viele, Powell würde die derzeitige geldpolitische Strategie fortsetzen. Man kann sein bisheriges Verhalten allerdings auch als Signal dafür werten, dass er schlicht und ergreifend keine eigenen geldpolitischen Ideen hat. Das wiederum würde implizieren, dass wir weiterhin wenig über den zukünftigen Fed-Kurs wissen und dass dieser vor allem davon determiniert wird, wer die freien Stellen im Board of Governors der Fed besetzen wird. Käme z.B. John Taylor, ein ausgewiesener Falke und bislang der andere heiße Kandidat für den Chair-Posten, doch noch zum Zuge (vielleicht sogar als Vize-Chair), könnte die Besetzung der vakanten Fed-Posten insgesamt doch ein USD-positives Signal sein. Freilich ist wenig darüber bekannt, ob Trump die Fed-Vakanzen bald besetzen will. Angesichts der vielen offenen Personalien mag der US-Präsident das als weniger dringlich empfinden, als es aus der Perspektive eines FX-Analysten der Commerzbank erscheint.

Wie auch immer: Zunächst einmal ist die Personalie USD-negativ. Denn wäre Taylor zum Fed-Chair nominiert worden, wäre das so durchschlagend USD-positiv gewesen, dass die Alternative für den Greenback nur belastend sein kann.

Freilich gibt es noch einen andern USD-relevanten Fluss von Nachrichten aus Washington: die Steuerreform. Oder, momentan: die Verzögerung eben dieser. Die Republikaner wollten die Steuerreform im Hauruck-Verfahren durch das Repräsentantenhaus bringen, werden nun aber ihren Fahrplan nicht einhalten können. An sich aus Devisenmarkt-Sicht eine Lappalie, wenn es nicht ein Anzeichen dafür ist, dass es auch schiefgehen kann mit der Steuerreform. Oder zumindest dafür, dass sie so verwässert werden könnte, dass nicht mehr viel USD-positives übrigbleiben könnte. Aus Devisenmarkt-Sicht sind vom Gesamtpaket vor allem diejenigen Aspekte relevant, die die Besteuerung von im Ausland angefallenen Gewinnen betreffen. Denn sie bestimmen, ob Erwartungen bzgl. einer Repatriierung von im Ausland angefallenen Gewinnen aufkommen. Und die wären nach allgemeiner Lesart je nach Umfang u.U. signifikant USD-positiv. Auch hier gilt: Es steht Vieles noch nicht fest. Aber auch dieser Nachrichtenfluss wird uns auf Trab halten.

Andererseits regt sich deutlicher Widerstand im Kongress gegen eine zweite Amtszeit Yellens. Das heißt wohl, dass sie aus dem Rennen ist. Denn warum sollte sich der Prä-sident gerade jetzt über die Frage des Fed-Chair mit dem Kongress anlegen wollen, wo es doch gerade mit der Steuerreform relativ rund läuft? Jetzt dem Kongress mit einem ihm genehmen (das heißt: nicht zu taubenhaften) Chair-Kandidaten entgegen zu kommen, wäre im Hinblick auf die Erfolgsaussichten der Steuerreform sicherlich genau das Richtige.

Im gegenwärtigen Umfeld darf nicht verwundern, dass der Markt zunehmend Fed-Leitzinserhöhungen einpreist (Abbildung 1 in der pdf-Datei) – völlig unabhängig von irgendwelchen US-Datenveröffentlichungen oder von den neuen Zweifeln Yellens an der Re-Inflationierung. Letzteres dürfte Geschichte sein, ersteres muss völlig neu interpretiert werden, wenn es in Zukunft Input in eine neu (oder die alte) geldpolitische Regel à la Taylor wäre.

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GBP: Mehr vielleicht als die Zinsentscheidung der Bank of England (BoE) heute. Denn es erscheint ziemlich klar, dass dort heute eine Zinserhöhung ansteht. Denn auch wenn in den letzten Tagen das Pfund wieder zulegen konnte, sähe die Situation für die britische Währung ganz anders aus, wenn der Markt eben nicht annehmen dürfte, dass die BoE frühzeitig die Zinsen anhebt. Und im Gegensatz zu vielen andern Zentralbanken (insbesondere: zur EZB) kann der BoE nicht an einer GBP-Abwertung gelegen sein. Die Inflation ist schon zu hoch. Und darüber hinaus birgt jede Schwächung des Pfundes – aufgrund der fortbestehenden Brexit-Risiken – die Gefahr in sich, eine Abwertungsspirale auszulösen. Wäre es erst soweit. kämen geldpolitische Instrumente zu spät. Daher muss die BoE früh ran. Und weil nahezu jedermann im Markt einen Zinsschritt erwartet, muss sie heute liefern.

Das Spielchen klappt ganz gut, solange Zinserhöhungen realwirtschaftlich verkraftbar sind. Das wird heute der Fall sein. Sicherlich auch noch ein- / zweimal mehr. Schließlich fielen die letzten Wachstumszahlen recht positiv aus. Mittelfristig wäre freilich eine realwirtschaftliche Abschwächung, die den Zinserhöhungsspielraum der BoE beschränken würde, ein Risiko für das Pfund. Nicht, dass aus heutiger Sicht viele Zinserhöhungen nötig wären. Aber das gilt eben nur, weil sie möglich sind. Andernfalls wäre die Verführung für den Markt zu groß, die Entschlossenheit der BoE anzutesten.

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