
GBP: Eines braucht man als FX-Analyst nicht erklären: Warum das Pfund schwächer geht. Erklären muss man hingegen jeden Tag, an dem die britische Währung nicht nachgibt. Denn die Brexit-Verhandlungen laufen ganz und gar nicht rund. Premierministerin Theresa May verteidigte gestern im Unterhaus ihre Politik. Mir fiel wieder einmal auf, wie schwammig ihre Aussagen waren. Die Phrase von der „einzigartigen und ambitionierten wirtschaftlichen Partnerschaft“ haben wir schon oft – zu oft! – gehört. Es wäre für die Regierungschefin höchste Zeit, sich der konkreten Ausgestaltung zu widmen. Der Devisenmarkt (und das britische Wahlvolk) würden so langsam gerne wissen, was wir uns unter dieser Phrase vorstellen sollen. Zumindest genauer, als das, was in den widersprüchlichen Arbeitspapieren der Regierung bislang zum Ausdruck kam. Klar, eine Premierministerin braucht sich vielleicht nicht zu jedem Detail zu äußern. Der Umzug der Galileo-Bodenstation mag Thema für ihre Fachminister sein. Aber solche Fragen wie die Freizügigkeit an der Grenze zur Republik Irland – das wären schon „Chefsache“-Themen. Dass sie stattdessen Phrasen drischt, verstärkt das Vorurteil vieler Beobachter: Die britische Regierung scheint heillos von der Brexit-Aufgabe überfordert zu sein. Für den Devisenmarkt ist das relevant, weil damit der Verhandlungsprozess mehr als erschwert wird und das „Verunfallungs-Risiko“ steigt, das Risiko, dass das Endergebnis so ausfällt, wie es niemand will – und damit GBP-negativ.
Und ja: Auch im Vergleich zum Euro ist das Pfund in einem solchen Szenario der Verlierer. Das versteht die britische Regierung nicht und auch nicht etliche meiner britischen Gesprächspartner: Für die EU-Kommission ist eine Einigung in den Verhandlungen keine Frage von Leben und Tod. Im Gegenteil, sie können nur Sympathie hier auf dem Kontinent gewinnen, wenn sie hart bleiben. Warum also dann nicht graduelle GBP-Schwäche bei jeder neuen negativen Nachricht von der Insel? Weil es eigentlich gar nicht um die direkten wirtschaftlichen Folgen des Brexit geht. Die sind in den derzeitigen GBP-Wechselkursen vielleicht schon eingepreist. Es geht darum, ob eine sich selbst verstärkende GBP-Abwertungsspirale einsetzt. Die ist aber naturgemäß nicht prognostizierbar. Sie kann bei einem kleinen Auslöser einsetzen oder noch lange ausbleiben – vielleicht immer. Dass sie bislang ausgeblieben ist, darf aber nicht als Signal dafür missverstanden werden, dass sie unmöglich wäre.

USD: In letzter Zeit habe ich die Krise der Ökonomik erwähnt. Sie kann nicht erklären, warum die expansive Geldpolitik nicht inflationär wirkt. Mittlerweile geben mehr und mehr Zentralbanken – zuletzt die Fed – dieses Unvermögen offen zu. Es passt in diese Zeit, dass die Schwedische Riksbank den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften dieses Jahr an einen Gegner des ökonomischen Ansatzes der Wirtschaftsforschung vergibt. Kein ernsthafter Ökonom glaubt, dass Konsumenten im Supermarkt ihre Lagrange-Funktion ableiten. Die Idee, menschliches Verhalten als rational ökonomisch zu beschreiben, resultiert aus der Flexibilität dieses Ansatzes. Wir können damit alles Verhalten modellieren, wenn es sehr grundlegenden Konsistenzanforderungen genügt. Richard Thaler will dennoch diesen Ansatz über Bord werfen. Mit dem Schlagwort „Psychologie“ kann man alles erklären und endet folglich in Beliebigkeit. Ich hoffe daher, dass konventionelle Ökonomen, die hart daran arbeiten, innerhalb des ökonomischen Ansatzes eine Erklärung für die fehlende Inflation zu finden (so auch unsere Makroökonomen im Commerzbank Research) Erfolg haben werden.
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