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04.10.17, 12:11

Yellen-Nachfolge: Der Mann ohne Eigenschaften

USD: Normalerweise würde ich Ihnen heute erläutern, welche Daten unsere Volkswirte vom US-Arbeitsmarkt erwarten. Denn diese Woche steht (am Freitag) der US-Arbeitsmarkt¬bericht für September zur Veröffentlichung an, und heute erlaubt der ADP-Bericht schon erste sinnvolle Spekulationen über sein Ergebnis. Diesmal ist allerdings einiges anders. Denn (1) dürfte dieser Arbeitsmarktbericht (noch) weniger informativ sein, als er es üblich ist. Die Zahlen könnten durch die jüngsten Unwetter in Teilen der USA erheblich verzerrt sein. Selbst ein ausgesprochen schlechter Bericht könnte als Sondereffekt beiseitegeschoben werden, ohne Wirkungen auf die USD-Wechselkurse zu entfalten. Und (2) wird das Wohl und Wehe des Greenback derzeit von einem viel gewichtigeren Thema bestimmt: Der Nachfolge Janet Yellens als Fed Chair.
Gerüchte besagen, dass Berater dem US-Präsidenten eine Short List für Yellens Nachfolge vorgelegt haben, die neben ihrem eigenen Namen die von Gary Cohn, Kevin Warsh und Jerome Powell umfassen soll. Wer von den Vieren (oder wer sonst) das Rennen macht, dürfte für die Bewertung des Dollars erheblich sein, denn der Markt dürfte von ihnen völlig unterschiedliche Geldpolitiken erwarten. Insbesondere ist Warsh (der von etlichen Beobachtern in letzter Zeit als Yellen-Nachfolger gehandelt wurde) als Gegner ultra-expansiver Geldpolitik bekannt. Je besser seine Aussichten sind, desto mehr glaubt der Markt an schnelle Zinserhöhungen und schnelle Reduktion der Fed-Bilanz. Dass er momentan aus Mehrheitssicht nicht mehr aussichtsreichster Kandidat ist, dürfte dafür verantwortlich sein, dass der Dollar jüngst nicht weiter zulegen kann.

Am anderen Ende des Spektrums rangieren die Amtsinhaberin und Powell. Letzterer (den etliche momentan vorne sehen) ist insbesondere dadurch aufgefallen, dass er zu geldpolitischen Themen rein gar nichts zu sagen hat und bislang stets brav die Linie Yellens unterstützt hat. Allerdings – so befürchte ich – geschah das eher aus Ermangelung einer eigenen Meinung als aus vollem Herzen.
Ja, die geldpolitischen Entscheidungen des FOMC der Fed trifft der / die Chair nicht nach eigenem Gutdünken. Aber machen wir uns nichts vor. Die Chairs haben in den letzten Jahrzehnten stets ganz erheblich die US-Geldpolitik beeinflusst. Paul Volcker, der die hohe Inflation beendet hat, aber dafür die Doppelrezession 1980/82 auslöste; Alan Greenspan, der konjunkturelle Schwankungen dämpfte, aber die Immobilienblase kreierte; Ben Bernanke, der mit unkonventionellen Maßnahmen die Finanzmarktkrise und die Große Rezession beendete; und schließlich Yellen, die sehr, sehr langsam aus dieser Politik aussteigt und mit dem Problem fehlender Inflation kämpft: Es sind immer die Chairs gewesen, die die große Linie der Geldpolitik geprägt haben. Powell könnte diesbezüglich allerdings eine Ausnahme werden. Er scheint keine starken Vorurteile zur richtigen Strategie der Geldpolitik mitzubringen. Auf der angeblichen Short List ist er der Mann ohne (geldpolitische) Eigenschaften. Die geldpolitische Linie wäre unter seinem Vorsitz somit vom FOMC in seiner Gesamtheit zu prägen. Sie wäre abhängig davon, wer die weiteren Vakanzen im Board of Governors besetzen wird. Momentan verbindet der Markt mit Powell die USD-negative Sicht, die sehr graduelle Normalisierungspolitik von Yellen würde unter seiner Ägide fortgesetzt. Je nach-dem, wie das Board in Zukunft aussieht, könnte das ein Fehlurteil sein.

Wir werden – da können wir sicher sein – in den nächsten Tagen und Wochen immer wieder USD-relevante Gerüchte zur Yellen-Nachfolge hören. Statt eines Tipps, wer es denn wird, möchte ich lieber eine Warnung vor allzu einfachen Tipps aussprechen. Ja, der US-Präsident ist ganz offensichtlich nicht an einer restriktiven Geldpolitik interessiert. Daraus aber eine Wette auf den eher taubenhaften und USD-negativen Powell abzuleiten, könnte zu einfach sein. Noch mehr dürfte Donald Trump daran interessiert sein, von seinen Steuerplänen wenigstens die wichtigsten Punkte durch den Kongress zu bekommen. Schließlich muss er so langsam mal zeigen, dass er irgendein nennenswertes politisches Projekt verwirklichen kann. Würde der Fall eintreten, dass er sich die Zustimmung geld- und fiskalpolitisch konservativer Kongressabgeordneter zu seinen Steuerplänen mit einem falkenhaften Fed Chair erkaufen könnte, würde er diesen Deal – so glaube ich – eingehen. Fazit: Das Rennen um den Chefposten der US-Notenbank ist völlig offen – und damit auch ein gutes Stück der Zukunft des Greenback am Devisenmarkt.

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