Schwächer, schwächer, schwächer. Der USD kennt derzeit eigentlich nur eine Tendenz. Ob gegenüber dem EUR, dem JPY oder dem CNY: Der USD gibt auf breiter Basis nach. Zum EUR kommt langsam die Marke von 1,20 ins Visier. Es wird immer deutlicher, dass der Greenback auch unter der Regierungsschwäche von Präsident Donald Trump leidet – zu chaotisch sind die Verhältnisse im Weißen Haus. Damit haben sich nicht nur die Hoffnungen zerschlagen, die kurz nach der Wahl aufkamen und in sprunghaft gestiegenen Inflationserwartungen abzulesen waren. Mittlerweile wird Trump zu einer Belastung für die eigene Währung.
Dabei sehen die Fundamentaldaten bisher eigentlich gar nicht schlecht aus. So hat der Arbeitsmarkt mehr oder weniger Vollbeschäftigungsniveau erreicht. Das aber könnte nun langsam zu einem Problem werden. Denn zwangsläufig werden bei nahender Vollbeschäftigung die Stellenzuwächse außerhalb der Landwirtschaft (Non Farm Payrolls, NFP) immer geringer ausfallen. Bisher betrugen sie in 2017 durchschnittlich 180 Tsd. pro Monat. Unsere US-Ökonomen erwarten, dass sich der Zuwachs eher in Richtung 100 Tsd. abschwächt. Das wäre zwar ausschließlich dem hohen Auslastungsgrad der Wirtschaft geschuldet. Am Devisenmarkt könnte eine solche Abschwächung aber als willkommene Einladung gesehen werden, den USD zu verkaufen. Für den heute anstehenden Juli-Bericht liegt die Konsensschätzung von Bloomberg bei 180 Tsd. neuen Stellen. Also genau auf dem Niveau der letzten Monate. Wir erwarten, dass die Daten sich langsam abschwächen und rechnen für heute nur mit 170 Tsd. Netto-Einstellungen. Insgesamt gilt für die heutigen Zahlen: Schwache Daten dürften dem USD mehr schaden, als gute Daten in der Lage wären, Rückenwind zu generieren. Wie gesagt: Langsam rückt die Marke von 1,20 in den Fokus. Um diese Marke heute wirklich schon anzugreifen, müsste der Arbeitsmarktbericht aber nicht nur enttäuschen, sondern geradezu katastrophal ausfallen.
Denn auch bei der ausgeprägten USD-Schwäche (wir starteten das Jahr in EUR-USD bei rund 1,05!) sollte nicht vergessen werden: Es werden immer wieder Stimmen aufkommen, die den Greenback als mittlerweile billig bezeichnen oder darauf hinweisen, dass die Luft für noch schwächere USD-Notierungen langsam dünn wird. Und irgendwann wäre dann ja auch noch mit Unterstützung aus Europa zu rechnen. Denn einen schnellen Sprung über die Marke von 1,20 würde die EZB sicherlich mit Argusaugen beobachten. Ihr passt der starke EUR schon aufgrund der dämpfenden Effekte für die Inflationsrate kaum in den Kram. Und für alle, die es bereits vergessen haben: 2014 war es die EZB, die knapp unter 1,40 den EUR zum Thema machte und eine weitere Aufwertung des Euro abrupt stoppte.
GBP: Keine Zinserhöhung, nur zwei Stimmen gegen diese Entscheidung und die Konjunkturprognose leicht gesenkt. Gemessen an den Erwartungen im Markt war das enttäuschend
und Sterling kam gestern spürbar unter Druck. Nicht zuletzt Äußerungen aus der Notenbank hatten in letzter Zeit immer mal wieder für Zinserhöhungsspekulationen gesorgt. Diese haben sich nun weiter ins zweite Halbjahr 2018 verschoben. Was für das Pfund damit bleibt, ist die Aussicht auf einen extrem schwierig verlaufenden Brexit-Prozess. Weiterhin scheint es auf britischer Seite keine klare Strategie zu geben. In Brüsseler Kreisen wird mittlerweile sogar ein Scheitern der Verhandlungen nicht mehr ausgeschlossen. Unter dieser Nachrichtenlage wird das Pfund auch zukünftig leiden. EUR-GBP notiert heute Morgen mit 0,9040 nicht mehr weit entfernt von den Höchstkursen von 2016 unmittelbar nach der überraschenden Brexit-Entscheidung. Höhere Zinsen durch die Bank of England sind aus unserer Sicht derzeit sehr unwahrscheinlich und bleiben doch die einzige Hoffnung für das Pfund.
EUR-CHF bei 1,15 ist einfach eine Erwähnung wert. Vor dem Hintergrund der derzeitigen EUR-Stärke kommt natürlich auch ein Anstieg von EUR-CHF nicht völlig überraschend. Langsam nähern wir uns sogar wieder der 1,20-Marke, dessen Aufgabe durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Devisenmarkt Anfang 2015 durchschüttelte. Es soll an dieser Stelle aber nicht unerwähnt bleiben, dass beim jüngsten Anstieg in EUR-CHF (vor knapp zwei Wochen notierte EUR-CHF noch bei 1,10) auch die SNB ihre Finger im Spiel haben könnte. Darauf zumindest deutet ein von meinen Kollegen neu entwickeltes Modell hin, dass in den nächsten Tagen vorgestellt wird. Allerdings wären Interventionen der SNB noch kein Grund davon auszugehen, dass die höheren Kurse in EUR-CHF nicht nachhaltig sein können.
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