Für acht Handelstage in Folge ging es für die Ölpreise nach oben, die längste Aufwärtsbewegung in diesem Jahr. Wir sehen das als eine technische Gegenbewegung, nachdem zuvor das Preisniveau in der Folge der OPEC-Sitzung vom Mai kräftig gefallen war. Der Ölpreis erreichte jedoch nicht die psychologisch wichtige Marke von 50 US-Dollar/Barrel (Brent), sondern sackte am Mittwoch erneut ab. Auslöser waren Kommentare aus Russland, dass man weitere Produktionskürzungen, wie sie bereits im Rahmen des OPEC-Deals beschlossen wurden, nicht unterstützen würde. Aus unserer Sicht ist die Position Russlands nachvollziehbar, allerdings brachte die Äußerung unnötige Unruhe in den Markt. An den Märkten war bislang eine Ausweitung des Abkommens praktisch gar nicht diskutiert worden. Belastet werden die Preise zudem von einer höheren Fördermenge aus Libyen und Nigeria. Der Brent-Ölpreis notiert gegenwärtig bei 48,4 US‑Dollar/Barrel.
Doch die sich seit Mitte März wiederholenden Ausverkäufe an den Ölmärkten sind in einen breiteren Rahmen einzuordnen: Sie sind eine eindeutige Demonstration dafür, dass Rohstoffe keine antizipatorischen Asset-Klassen sind. D.h. Rohstoffe werden nicht nach Erwartungen gehandelt, sondern vielmehr nach den unmittelbaren Fundamentaldaten. Das physische Angebot und die physische Nachfrage sind also entscheidend für die Herstellung des Marktgleichgewichts. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu Aktien, die als antizipatorische Asset-Klassen gelten. D.h. Aktienkurse steigen dann, wenn die Erwartungen an künftige Cash-Flows oder den Gewinn je Aktie höher eingeschätzt werden. Diese Einsicht scheint sich aber erst jetzt durchzusetzen. Denn nach der OPEC-Sitzung Ende vergangenen Jahres handelten viele Investoren noch Erwartungen: Die Ölpreise hatten nach der Ankündigung Ende 2016, die Fördermenge um 1,8 Mio. Barrel/Tag zu kürzen, kräftig zugelegt, in der Erwartung, dass möglicherweise ein halbes Jahr später ein Defizit an den Ölmärkten eintreten könnte. Dies gab der US-Schieferölindustrie genügend Zeit, um auf die gestiegenen Preise zu antworten. Die Schieferölindustrie hat seither die Fördermenge um mehr als 530 Tsd. Barrel/Tag ausgeweitet (zum Vergleich: unsere Prognose aus dem Dezember 2016 lag bei 600-700 Tsd. Barrel/Tag für das Gesamtjahr 2017). Jetzt zeigt sich, das die fundamentalen Angebots- und Nachfragekonstellationen der physischen Marktteilnehmer die Preise an den Ölmärkten bestimmen, und dass spekulative Preisbewegung wegen der kurzen Reaktionszeit der US-Fracking-Industrie (sowohl in Bezug auf Produktionssteigerungen als auch in Bezug auf Produktionskürzungen) sich nur über einen kurzen Zeitraum halten können.
Konkret bedeutet dies, dass die Ölpreise gemessen an den Fundamentaldaten zu niedrig sind, während sie nach der OPEC-Sitzung zu hoch waren. Entsprechend optimistisch blicken wir nun in die allmählich an Fahrt aufnehmende Sommerfahrsaison in den USA. Wir erwarten daher über die nächsten Monate zunächst höhere Ölpreise.
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