Vor zwei Wochen einigten sich die OPEC-Staaten mit ihrem verbündeten Russland die Produktionskürzungen von 1,8 Mio. Barrel/Tag, welche zu Jahresbeginn in Kraft traten, bis Frühjahr 2018 zu verlängern. Seither stehen die Ölpreise unter Druck. Statt zu steigen oder zumindest auf dem am Tag zuvor gehandelten Niveau zu verharren, fielen diese unerwartet stark. Die Anleger hatten sich wohl mehr erhofft: Längere und tiefere Kürzungen. Allerdings war die Kommunikation zwischen Saudi-Arabien und Russland deutlich genug, um sagen zu können, dass das eigentliche Treffen zur Formsache wird. Seither haben die Preise für Brent um 5 auf 48,5 US-Dollar/Barrel nachgegeben.
Dies steht somit in einem starken Kontrast zur Marktreaktion auf die OPEC-Sitzung Ende November in Wien. Damals als das Ölkartell die Förderkürzungen beschloss, stiegen die Preise in den Tagen danach um bis zu 10 US-Dollar/Barrel an, in der Erwartung, dass die von der OPEC initiierten Kürzungen den Markt in ein neues Gleichgewicht führen. Nach der letzten OPEC-Sitzung fielen die Preise. Die Investoren dürften aus der Erfahrung gelernt haben, dass ein verfrühter Jubel zu allererst der US-Schieferölindustrie in die Hände spielt. Dennoch sind wir der Ansicht, dass der faire Preis für Rohöl eigentlich höher liegen sollte, als dies aktuell durch die Marktpreise widergespiegelt wird.
Zu dem Preisrücksetzer haben nicht zuletzt (überraschend) schlechte US-Lager-bestandsdaten beigetragen. Wie das US-Energieministerium (EIA) gestern (7.6.) berichtete, stiegen die Rohölvorräte – erstmals seit zwei Monaten – um 3,3 Mio. Barrel ggü. der Vorwoche. Die Benzinvorräte stiegen ebenfalls um 3,3 Mio. Barrel an. Am Vortag berichtete das American Petroleum Institute dagegen einen Lagerabbau bei Rohöl für die vergangene Woche um 4,6 Mio. Barrel. Der Einbruch der Preise um 5 % in der Folge der Veröffentlichung der EIA-Daten war mehr als übertrieben. Der Lageraufbau in den USA ist zum Teil auf gestiegene Importe und rückläufige Exporte zurückzuführen, bei einer weniger stark rückläufigen Kapazitätsauslastung der Raffinerien. Folglich lässt sich argumentieren, dass das gestiegene Angebot in den USA die Knappheit anderswo vergrößerte. Insgesamt sind wir optimistisch, dass der Abbau der Lagerbestände global weiter anhält. So zeigen aggregierte Daten für die USA, Europa und Asien einen Abbau der Vorräte im Mai um 33 Mio. Barrel, den stärksten Rückgang in zehn Jahren.
Die seit Montag andauernde diplomatische Krise in Katar konnte dem Ölpreis nicht nachhaltig Auftrieb verleihen. Saudi-Arabien, die VAE, Ägypten, Jordanien, Bahrain sowie die international nicht anerkannte Regierung in Libyens Osten brachen vollkommen überraschend ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Katar wird beschuldigt, den Terrorismus zu finanzieren und zu unterstützen. Zudem wird dem Golf-Emirat eine Nähe zum Iran zur Last gelegt. Statt, wie gewöhnlich bei geopolitischen Spannungen in der Region, steigende Ölpreise zu beobachten, gaben diese nach einem kurzen Anstieg im weiteren Handelsverlauf nach. Dies dürfte einerseits darauf zurückzuführen sein, dass die Märkte nicht daran glauben, dass sich die diplomatischen Verstimmungen auf das Tagesgeschäft auswirken und somit Öl- und Gaslieferungen beeinträchtigen könnten. Andererseits dürfte bei einigen Investoren die Furcht aufkommen, dass ein Riss durch die OPEC, wo Katar Mitglied ist, gehen könnte und die Umsetzung der Produktionskürzungen insgesamt auf eine harte Probe stellen könnte.
Für die kommende Woche rechnen wir mit einer Erholung der Preise auf 50 US-Dollar/Barrel. Viel wird davon abhängen wie sich die spekulativ orientieren Anleger positionieren werden.
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