Die Schwächephase an den Aktienmärkten nahm in dieser Woche kein Ende. Der DAX verlor im Vergleich zum letzten Mittwoch genau wie der S&P 500 etwa 0,6 % und liegt mit einem Niveau von 12.200 Punkten wieder weiter entfernt von seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2015. Der Eurostoxx 50 blieb im Vergleich zur Vorwoche mit einem Plus von 0,2 % nahezu unverändert und liegt derzeit bei 3485 Punkten. Die Nachrichten über geopolitische Spannungen sind seit der letzten Woche nicht weniger, sondern mehr geworden: Mit dem mutmaßlich von der syrischen Regierung aus-gehenden Einsatz von Giftgas und der Reaktion der US-Streitkräfte sowie dem schwelenden Konflikt mit Nordkorea scheinen die globalen Spannungen eine weitere Eskalationsstufe erreicht zu haben. In den vergangenen Tagen führte dies zu einer Reihe von Portfolioumschichtungen, die risikoreiche Werte wie Aktien gegen sichere Anlagen wie Gold oder JPY eintauschten. Mit der nahenden französischen Präsidentschaftswahl am 23. April, steigt auch das Bewusstsein für die politischen Risiken in der Eurozone wieder. Seit den beiden überzeugenden Auftritten bei den TV-Debatten hat der Kommunist Jean-Luc Mélenchon sich in den letzten Wochen laut Umfragen in den Favoritenkreis für den ersten Wahlgang manövriert. So holte er den Rückstand auf den bisher drittplatzierten François Fillon beinahe vollständig auf und rangiert nun wie dieser etwa fünf Prozentpunkte hinter Marine Le Pen und Emmanuel Macron. Die Präsidentschaftswahl ist dadurch noch unberechenbarer geworden. An der Ausgangslage, dass sich wahrscheinlich Macron und Le Pen für den zweiten Wahlgang qualifizieren werden, hat sich aber aus unserer Sicht nichts geändert.
Bei der Betrachtung der Entwicklung der Volatilitätsindizes für den Eurostoxx 50 und den S&P 500 fällt Folgendes auf: Beide Indizes erlebten nach dem Brexit-Votum im Juni letzten Jahres sowie im Zuge der US-Wahl im November einen deutlichen Anstieg der Volatilität. Allerdings ging das Niveau in den Monaten nach der Wahl wieder deutlich zurück. Teilweise waren die Schwankungsniveaus historisch niedrig. In den letzen Wochen jedoch scheint in beiden Indizes die Unsicherheit deutlich anzusteigen. Im Eurostoxx brach die Volatilität im März nach unten aus – seitdem hat sie sich verdoppelt. Nach der Wahlschlappe für Geert Wilders in den Niederlanden und dem Aufstieg Macrons in den Umfragen hellte sich das Bild für die europäischen Märkte auf. Je näher die Frankreich-Wahl rückt, desto größer wird aber auch der Einfluss auf das Marktgeschehen, was die Volatilität erhöht. Im S&P 500 ist erst seit Anfang April das Schwankungsniveau wieder etwas höher. Die jüngsten Anstiege dürften mit den geopolitischen Risiken in Verbindung stehen, sowie mit der Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik Donald Trumps und der Geldpolitik der Fed.
Die Anstiege der Volatilität könnten sich in den nächsten Wochen noch verstärken. Zum Einen sind die derzeit zu beobachtenden Werte – vor allem in den USA – historisch gesehen weiterhin sehr niedrig. Aufgrund der vielen politischen Unsicherheiten warteten viele Analysten bereits auf einen Anstieg. Zum Anderen dürfte die Wahl in Frankreich, die für die Europäer so etwas wie eine Schicksalswahl ist, für viele Inves-toren präsent bleiben und das Marktgeschehen bis nach dem zweiten Wahlgang mit-prägen. Je näher die Wahl rückt, desto schwieriger anstatt einfacher scheint eine Prognose zu werden.
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