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24.03.17, 13:00

Meinung monthly: Zyklische Erholung unbeeindruckt von politischen Risiken

Die weltwirtschaftliche Erholung ist fürwahr beeindruckend. So offenbaren die jüngsten PMI-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe, dass in der überwältigenden Mehrheit der hier erfassten Länder die Stimmung bei den befragten Unternehmen gut bis hervorragend ist. Das überrascht, denn Populisten scheinen auf dem Vormarsch zu sein, wie die rechtsstehende Karte zeigt. In was für einer Welt leben wir also? Ist es eine Welt, in der die politischen Entwicklungen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen keine Rolle mehr spielt? Oder sehen wir nur ein kurzes Aufblühen der Weltkonjunktur, bevor die politischen Keulen des Protektionismus und der willkürlichen Staatseingriffe zuschlagen? Wird das Problem des Populismus übertrieben und es ist alles halb so dramatisch? Die Antwort ist: Ein zyklische Erholung findet statt und derzeit überdeckt sie politische Gefahren. In Bezug auf diese Risiken kann auch nach dem Wahlausgang in der Niederlanden, mit dem der Rechtspopulist Geert Wilders keine Chance auf eine Regierungsbeteiligung hat, noch keine Entwarnung gegeben werden. Es gibt allerdings mehr oder weniger vage Anhaltspunkte, dass zum einen in der Eurozone die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Währungsunion wieder zurückgeht – die Frankreich-Wahlumfragen stimmen hier optimistisch – und dass zum anderen in den USA die protektionistische Suppe nicht ganz so heiß gegessen wird, wie sich das in den vergangenen Monaten andeutete.

Die Erholung geht in das achte Jahr und verbreitert sich
Vergleicht man die Weltwirtschaft mit einem Airbus 380, bei dem jede der vier Triebwerke die wichtigsten Wirtschaftsregionen darstellt, sieht es recht gut aus. Die Triebwerke USA und die Eurozone laufen besonders rund, ungeachtet der politischen Risiken. Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe ist in den USA auf dem höchsten Stand seit 2014. In der Eurozone sind die entsprechenden PMI-Indizes seit sechs Monaten gestiegen, was auf eine Beschleunigung des Wachstums hindeutet. Chinas Wachstum hat sich stabilisiert, wenngleich die Nachhaltigkeit der Expansion in Frage gestellt werden muss. Das vierte Triebwerk, das die weiteren Schwellenländer und einige Industrieländer auf sich vereinigt, läuft noch etwas stockend. Mexiko leidet unter der wirtschaftspolitischen Rhetorik des großen Nachbarn im Norden, Südkorea erlebt eine der schwersten politischen Krisen der letzten Jahrzehnte und die Türkei kämpft mit dem massiven Einbruch im Tourismus-Sektor, bedingt durch die politisch angespannte Lage im Land.

Ein guter Indikator für die Erholung der Weltwirtschaft ist die Entwicklung der Rohstoffpreise. Seit dem Tiefpunkt zu Beginn des letzten Jahres sind die Ölpreise um etwa 70 % gestiegen, die Eisenerzpreise liegen mehr als 100 % höher als vor einem Jahr und der S&P-Rohstoffindex, der auch Agrargüter umfasst, legte im gleichen Zeitraum um knapp 40 % zu .

Im Zuge dieser Entwicklung ist auch die Inflation gestiegen. Auch wenn die Kernraten in den meisten Industrieländern (Teuerungsrate ohne Berücksichtigung von Energie- und Lebensmittelpreisen) noch unter 2 % liegen, rechnen wir aufgrund der sich schließenden Outputlücken in den USA und der Eurozone mit einer gegenüber Dezember 2016 leicht erhöhten Inflationsrate per Jahresende.

Passend zu diesen freundlichen Konjunkturdaten hat sich auch beim Welthandel in den letzten Monaten eine deutliche Beschleunigung eingestellt. Nach einer längeren Durststrecke – insbesondere in den USA und China sind die Ausfuhren über knapp zwei Jahre geschrumpft – steigen die nominalen Exporte wieder. So haben die Unternehmen der Eurozone in den Monaten November bis Januar kräftige 8 % mehr exportiert als im Vorjahr. Die USA und Deutschland zeigen eine ähnliche Performance.

Trotz dieser erfreulichen Konjunkturdaten sollte man nicht auf einen Boom setzen. So gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Produktivitätswachstum in den Wachstumszentren dieser Welt sonderlich stark von dem derzeitigen Pfad abweichen wird. In den USA liegt das Produktivitätswachstum der Arbeitskräfte seit dem Jahr 2012 bei durchschnittlich 0,6 % und ist im vierten Quartal 2016 auf 1 % gestiegen. Bei einem Bevölkerungswachstum von knapp 1 % dürfte es der Wirtschaft schwer fallen, nachhaltig mit einer deutliche höheren Rate  als 2 % zu expandieren. Die Eurozone hat mit noch niedrigeren Produktivitätszuwächsen zu kämpfen. Chinas Produktivitätswachstum ist zwar mit über 6 % im internationalen Vergleich sehr hoch, der Trend geht jedoch eindeutig nach unten.

Insgesamt ist ein globaler Wirtschaftsboom eher unwahrscheinlich. Dies gilt umso mehr, als es keine konkreten Anzeichen gibt, dass die Regierung Trump kurzfristig das im Wahlkampf angekündigte Infrastrukturprogramm oder die vollmundig versprochenen Steuersenkungen zeitnah wird durchsetzen können. Das politische Sperrfeuer in der Eurozone dürfte abnehmen, wenn – wie von uns erwartet – die europafeindliche Präsidentschaftskandatin Marine Le Pen in Frankreich nicht an die Macht kommen sollte.

Global dürfte das Wirtschaftswachstum 3,5 % erreichen (bisherige Prognose: 3,4 %). Die größten Abwärtsrisiken sind eine kritische Entwicklung in China angesichts des nicht nachhaltigen Investitionspfades, ein unerwarteter Sieg Marine Le Pens in Frankreich sowie die Implementierung protektionistischer Maßnahmen durch die USA. Aufwärtsrisiken sehen wir, falls es Trump gelingt, vernünftige Steuerpläne rascher als erwartet umzusetzen, das US-Infrastrukturpro-gramm doch umfassend umgesetzt wird und ein Wahlsieg Emmanuel Macrons in Frankreich den Unternehmen in der EU neue Zuversicht verleiht.


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