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10.02.17, 21:00

EUR/GBP monthly: Positive Wirtschaftsdaten wirken unterstützend

Das Währungspaar EUR/GBP notiert aktuell bei 0,8618, womit sich das Pfund Sterling nach politisch turbulenten Wochen wieder stabilisieren konnte und seit dem neuen Jahr knapp um 1,26 % aufwertete. Die hohe Volatilität der britischen Währung gegenüber dem Euro wurde maßgeblich von der konkreter werdenden Austrittsstrategie eines „harten Brexit“ der britischen Regierung geprägt. Am 16. Januar erreichte das Pfund mit knapp 0,88 EUR/GBP den zwischenzeitlich schwächsten Stand seit Anfang November vergangenen Jahres.

Ursächlich für die starken Verluste des Pfund waren die Äußerungen von Premierministerin Theresa May in ihrer Grundsatzrede am 15. Januar zu den Austrittsplänen und der angestrebten Verhandlungsstrategie gegenüber der EU, welche sie erstmals seit dem Referendum im Juni 2016 offenlegte. In dieser Rede erstickte sie auch die letzten Hoffnungen eines „weichen Brexit“, der einen freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt, im Gegenzug aber Zugeständnisse in der EU-Gesetzgebung und dem Thema Immigration bedeutet hätte. Dieses Modell á la Norwegen schließt May aus und kündigt stattdessen an, in den Verhandlungen die Prioritäten auf der Begrenzung der Zuwanderung bei gleichzeitig freiem Zutritt zum EU-Binnenmarkt zu setzen. Auch Finanzminister Hammond bestätigte den harten Kurs der Regierung anschließend mit der Drohung, zur Not mit Hilfe massiven Steuersenkungen für Unternehmen Druck auf die EU ausüben zu wollen. Nachdem das britische Parlament, dem Gesetzesentwurf zur Aktivierung des 50. Art. der Lissaboner Verträge zum EU-Austritt zustimmte, legte die Regierung nun Anfang Februar ein „White Paper“ zur konkreten Austrittsstrategie vor. Die Vorlage beinhaltete zwar keine wesentlich neuen Inhalte, schärfte jedoch die Entschlossenheit einer harten Verhandlungsstrategie. Der insgesamt unsichere Ausgang zukünftiger Verhandlungen mit der EU verstärkt somit die Sorge eines Zurückhaltens in Pfund nominierten Investitionen internationaler Unternehmen. Künftig könnte der Zugang zum europäischen Binnenmarkt zunehmend nicht mehr über in London ansässige Finanzdienstleister erfolgen.

Davon unbeeindruckt zeigt die britische Wirtschaft bislang keine Anzeichen einer Verlangsamung und entwickelte sich im finalen Quartal 2016 mit 0,5 % Wachstum robuster als erwartet (YoY, Konsens 0,3 %). Der längerfristige Abwertungstrend des Pfunds um 18 % seit 2013 hat zudem positive Effekte auf die Wachstums- und Inflationserwartungen der Bank of England: Nach der Korrektur im November hob die BoE ihre BIP-Wachstumsprognose für 2017 wiederholt von 1,4 % auf 2 % an. Ein Grund liegt laut BoE u.a. in der verzögerten Anpassung der Ausgaben britischer Haushalte an sinkende Realeinkommen. Zusätzlich sind die Inflationserwartungen der BoE für 2017 (Jan. und Feb. 2 %) und 2018 (1. Halbjahr 2,8 %) aufgrund des schwachen Pfunds und höherer Importpreise gestiegen. Mark Carney, Gouvernor der BoE, sieht im Rahmen der Unsicherheit um den Brexit keine Notwendigkeit, trotz der positiven Wirtschaftsentwicklung und einer langfristig höheren Inflationsrate von der expansiven Geldpolitik abzuweichen. Eine restriktivere Geldpolitik entgegen der Inflationsentwicklung dürfe mit höherer Arbeitslosenrate und schwächerem Wirtschaftswachstum einhergehen. Vor dem Hintergrund künftiger EUAustrittsverhandlungen riskiert die BoE daher nicht, einen frühen Zinsschritt einzuleiten, welcher das Pfund stützen könnte.

Dem Zeitplan der May-Regierung, Brüssel Ende März offiziell über die Brexit-Pläne zu informieren, steht aller Wahrscheinlichkeit nach nichts mehr im Weg, da im Parlament in weiteren Lesungen keine großen Hürden mehr erwartet werden. Zudem dürfte auch der nächste Zinsentscheid der BoE ohne entscheidende Änderungen auskommen. Wir gehen davon aus, dass von dieser Seite keine kurzfristigen Impulse für das Pfund ausgehen, wenn auch die Währung im Rahmen des Brexit-Prozesses unter Druck bleibt. Unsere Prognose für Ende März liegt daher weiterhin bei 0,87 EUR/GBP.


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