Der Schweizer Franken notiert aktuell bei 1,068 EUR/CHF und wertete seit dem neuen Jahr um 0,37 % auf. Im Januar dürften Investoren in Anbetracht der Entwicklungen um den Brexit und ersten Amtshandlungen Donald Trumps den Franken verstärkt als Fluchtwährung gesucht haben und somit zu den derzeitigen Aufwertungstendenzen beitragen. Seit der Wahl Trumps im November gilt die lange als inoffiziell gehandelte Kursuntergrenze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 1,08 wohl endgültig als passé. Der tiefste Stand des Franken von 1,064 Ende Januar seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 unterstreicht den anhaltend starken Aufwertungsdruck.
Die jüngste Entwicklung des Franken steht im politischen Kontext der Kritik von Trump-Berater Navarro an Deutschland und dem Euro sowie der Aufkündigung des transpazifischen Freihandelsabkommens TPP. Gleichzeitig sorgt die Ausrichtung eines „harten Brexit“ der britischen Regierung für ein zusätzliches Spannungsfeld, das zu Risk-Off-Bewegungen in die Schweizer Währung führte. Dies dürfte für zukünftig härtere Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU im Rahmen der Personenfreizügigkeit sorgen, da nun Zugeständnisse Brüssels gegenüber der Eidgenossenschaft als Maßstab für die Brexit-Verhandlungen gesehen werden. Für die Schweiz, die 44 % ihrer Exporte in die EU ausführt, sind diese Verhandlungen wirtschaftlich von besonderer Bedeutung.
Die SNB sieht trotz des aus ihrer Sicht stark überbewerteten Franken von einer erneuten Erhöhung ihrer Devisenkäufe ab: Nachdem die SNB im November die Fremdwährungsreserven um 17,6 Milliarden Franken aufstockte, lagen sie im Dezember mit 645 Milliarden Franken um 2,4 Milliarden tiefer. Laut dem Lagebericht des vierten Quartals 2016 bezieht die SNB die „gesamte Währungssituation“ mit einer Gewichtung des Dollar-Franken-Kurses von 30 % in ihre geldpolitischen Entscheidungen mit ein. Daher dürfte ein mittel- bis langfristig stärkerer Dollar durch mögliche Zinsanhebungen der Fed (HSH Prognose: zwei Zinsanhebungen in 2017) eine Aufwertung des Franken zulassen. Auch den negativen Einlagezins von -0,75 % rechtfertigte die SNB in diesem Zusammenhang als „unverzichtbar“, um über notwendige Zinsdifferenzen zum Euro und anderen Währungen eine noch stärkere Aufwertung des Franken zu vermeiden.
Neben den politischen Unsicherheiten im Laufe des Jahres mit Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Frankreich und der Niederlande, werden Entwicklungen des Brexits und der wirtschaftspolitischen Ausgestaltung in den USA die Attraktivität des Franken bestimmen. Bleibt zusätzlich ein Einschreiten der SNB auf ihrer nächsten Zinssitzung Mitte März aus, dürfte das Währungspaar EUR/CHF gemessen an der Kaufkraftparität überbewertet bleiben.
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