Nach rechts weisender Zeigefinger (Handrücken) Jetzt zum volkswirtschaftlichen und fundamentalen Quartalsupdate mit UniCredit sowie zum technischen Quartalsupdate mit HSBC anmelden!
03.02.17, 09:10

Welche Auswirkungen hätte ein Handelskrieg mit den USA? Gewinner sind US-Unternehmen, Verlierer der US-Verbraucher

Nehmen wir an, die USA betreiben unter ihrem neuen Präsidenten Protektionismus, erheben also Zölle oder Steuern auf ausländische Waren, um die Marktchancen einheimischer Unternehmen zu verbessern. Welche Folgen ergäben sich kurz- und mittelfristig für Unternehmensanleihen in Europa und den USA?

Dazu ein Blick auf einige Fakten: Von Januar bis Ende November 2016 importierten die USA den Gegenwert von 2.005 Mrd. USD, sie exportierten 1.328 Mrd. USD. In der EU ist das Verhältnis umgekehrt: 14 Prozent der Importe kommen aus den USA, 21 Prozent der Exporte gehen in die USA.

Auch die Einkommensverteilung ist unterschiedlich: Laut OECD ist der Unterschied zwischen arm und reich in den USA am dritthöchsten in der Welt: Das Durchschnittseinkommen der unteren 10 Prozent ist über neunzehnmal so niedrig wie das der oberen 10 Prozent. In Deutschland liegt dieser Faktor etwa bei sechs. Nach einer Analyse der „Tax Foundation“ zu den Steuerplänen der Trump-Administration verschärft sich die Ungleichheit noch: Für alle Steuerpflichtigen soll das Einkommen um wenigstens 0,8 Prozent steigen, für die Topverdiener (das oberste 1 Prozent) dagegen zwischen 10,2 und 16,0 Prozent.

Insgesamt folgt daraus im Falle eines „Handelskrieges“ zunächst ein kurzfristiger Effekt. Höhere Inflations- und Zinserwartungen könnten zunächst zu einer Aufwertung des USD gegenüber dem EUR führen. Mittelfristig steigt die US-Inflation tatsächlich, denn ausländische Waren werden teurer, die USA belasten den Haushalt durch  Steuererleichterungen und Infrastrukturprogramme. Auf den Devisenmärkten sorgt die Kaufkraftparität dafür, dass der USD bei höherer Inflation abwertet. In einem Handelskriegsszenario kann auch die Fed das kaum verhindern. Geht der USD auf Talfahrt, steigt wiederum das Handelsdefizit: C.p. verteuern sich für die USA für jedes Prozent USD-Abwertung die Importe um mehr als 20 Billionen USD (siehe Grafik unten). Positiv für US-Unternehmen: Durch geringere Steuern und „billigen“ USD steigt international ihre Wettbewerbsfähigkeit. Schlecht für Unternehmen außerhalb der USA: Intensiverer Wettbewerb und Absatzrückgänge in den USA. Letzeres um so mehr, je weniger  Alleinstellungsmerkmale im Wettbewerb bestehen, je höher also die Preiselastizität ist.

Kurzfristig spricht im Bereich der Unternehmensanleihen dann einiges für Long-Short-Strategien mit US-Unternehmen long und EU-Wettbewerbern short. Mittelfristig wird ein höheres US-Zinsniveau US-Anleihekursen zu schaffen machen. China und die EU können sich als Netto-Exporteure in Bezug auf die USA „Gegenprotektionismus“ leisten, ohne dass eine Inflations- und Abwertungsspirale in Gang kommt. Langfristig haben sie den längeren Atem – bei allen Nachteilen, die ein Handelskrieg für alle Parteien hätte.

Wer zahlt die Rechnung? Auf jeden Fall der durchschnittliche US-Verbraucher, dem Inflation, Zinsen und teurere Importe weit mehr nehmen als ihm Steuererleichterungen geben. Die Schere zwischen Arm und Reich in den USA öffnet sich weiter, mit Auswirkungen, die noch bedrohlicher sind – “sad!“

Hier können Sie das "Wochenbarometer" mit aktuellen News zu den Kapitalmärkten und weitere Research-Publikationen herunterladen.
 

Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.

Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.