Nach rechts weisender Zeigefinger (Handrücken) Jetzt zum volkswirtschaftlichen und fundamentalen Quartalsupdate mit UniCredit sowie zum technischen Quartalsupdate mit HSBC anmelden!
03.01.17, 15:00

Ölmärkte: Ausblick 2017

Die starke Erholung der Rohölpreise ist Angebotsfaktoren geschuldet. Am Ölmarkt steht in 2017 zunächst das OPEC-Abkommen im Vordergrund. Kurzfristig dürfte dieses die Rohölpreise stützen. Mittel- bis langfristig wird die wiedererstarkende US-Schieferölindustrie mit einer Ausweitung der Förderung für niedrigere Preise sorgen.

Rückblick 2016

Ein turbulentes Jahr an den Ölmärkten geht zu Ende. Ein Jahr, das ganz im Zeichen der OPEC stand. Denn diese versuchte die Rolle als Preisgestalterin an den Märkten zurückzugewinnen. Das Ölkartell hatte diese Rolle im November 2014 aufgegeben und der sich immer mehr am Markt etablierenden US-Schieferöl-industrie gebeugt –  von nun an galt es, den eigenen Marktanteil zu verteidigen. In der Folge rutschten die Ölpreise sogar zu Beginn des Jahres bis unter 30 US-Dollar/Barrel. Daraufhin kamen erste Gerüchte auf, die großen Ölproduzenten könnten in einer koordinierten Aktion die Produktion einfrieren. Nach der jüngsten Sitzung der OPEC-Staaten Ende November in Wien, als die Ölpreise erneut unter die psychologisch wichtige Marke von 40 US-Dollar/Barrel zu fallen drohten, schaffte es das Ölkartell nach langem Ringen, sich auf eine Produktionskürzung von 1,2 Mio. Barrel/Tag (+ ~600 Tsd. von Nicht-OPEC) für sechs Monate von Januar 2017 an zu einigen. In der Folge konnten sich die Ölpreise oberhalb von 50 US-Dollar/Barrel festigen. Zwischenzeitlich wurde gar ein neues Jahreshoch bei den Rohölpreisen von 57,7 US-Dollar/Barrel erreicht, nachdem sich elf Nicht-OPEC-Staaten an den koordinierten Förderkürzungen der OPEC-Staaten angeschlossen haben. Aktuell notiert die Nordseesorte Brent bei 54,3 US-Dollar/Barrel.

Ausblick auf das Jahr 2017: Umsetzung der Förderkürzungen für weitere Preisentwicklung entscheidend

Die wichtigste Frage für 2017 ist aus der Sicht der Ölmärkte, ob das OPEC-Abkommen vollumfänglich angewendet oder sich als Bluff herausstellen wird. Auch wenn jetzt die Rede von einem historischen Schulterschluss der Förderländer ist, bleiben wir skeptisch, ob es tatsächlich zu den vereinbarten Einschnitten kommen wird. Eine Umsetzung der koordinierten Kürzungen wäre notwendig, um das herrschende Überangebot von den Märkten zu nehmen. Das dürfte aus unserer Sicht auch das primäre Ziel der Vereinbarung sein. Mit einer Kürzung der Fördermenge um 1,6 Mio. Barrel/Tag bei konstanter Nachfrage würde das derzeitige Überangebot in einen Nachfrageüberhang übergehen.

Saudi-Aramco IPO erklärt Strategieschwenk

Um keine Versorgungsengpässe zu generieren, werden sich die Ölförderer und Raffinerien ihrer Lagerbestände bedienen. Dies führt mittelfristig zu einer Normalisierung der Reserven. Diese sind in den vergangenen beiden Jahren im Zuge der Angebotsschwemme von Rohöl auf ein überdurchschnittlich hohes Niveau gestiegen, was zu einer extremen Volatilität bei den Rohölpreisen führte, da die Pufferfunktion der Reservehaltung aufgrund der übervollen Lager verloren ging. Eine Reduzierung der übervollen Ölspeicher geht daher mit der Reduzierung der Volatilität der Rohölpreise einher. Dies dürfte insbesondere für die Länder und Unternehmen relevant sein, die planen, in Kürze an den Kapitalmärkten Liquidität aufzunehmen. Eine Reduzierung der Preisschwankungen führt nämlich zu einer vorteilhafteren Bewertung von Eigenkapital und Fremdkapital. Dies dürfte für das saudische Staatsunternehmen Saudi-Aramco ein wichtiger Punkt sein, da geplant ist, einen Teil des Unternehmens an die Börse zu bringen.

Dieses Argument spricht auf den ersten Blick für eine erfolgreiche Umsetzung der Kürzungsmaßnahmen im ersten Halbjahr des kommenden Jahres.

Gegen eine erfolgreiche Umsetzung der vereinbarten Förderkürzungen spricht jedoch in erster Linie die Vergangenheit: Bei früheren Abkommen des Ölkartells (sowie mit anderen Staaten, z.B. Russland), war die Einhaltung der Förderquoten außerhalb des Golfkooperationsrats meist nur mangelhaft. Die Förderstaaten schafften es, trotz länderspezifischer Förderquoten, die Vorgaben um durchschnittlich 600-700 Tsd. Barrel/Tag zu überbieten. Daher ist fraglich, wie lange die Disziplin der beteiligten Staaten währt. Das dürfte im Wesentlichen vom Verhalten der am Abkommen beteiligten Nicht-OPEC-Staaten abhängen.

Beitrag Russlands ist der Schlüssel

Entscheidend sollte hier allen voran Russland sein. Die Produktionserfolge der jüngsten Vergangenheit lassen aber an der Bereitschaft des mittlerweile weltgrößten Ölproduzenten Zweifel aufkommen: Die russische Ölproduktion klettert derzeit von Rekord zu Rekord und erreichte im November  einen neuen Höchstand von 11,21 Mio. Barrel pro Tag. Die Produktionserfolge sind zudem vor allem den privaten Ölunternehmen zu verdanken, die bereits weitere Outputsteigerungen angekündigt haben. Im nächsten Jahr ist eigentlich eine weitere Steigerung auf 11,7 Mio. Barrel/Tag geplant. Russlands Zusage, die eigene Föderung um 300 Tsd. Barrel/Tag zurückzufahren, entpuppt sich bei näherer Betrachtung allerdings als gesichtswahrendes Zugeständnis, ohne größere Entlastungswirkungen: So sollen die zugesagten Fördermengeneinschränkungen Russlands erst schrittweise vollumfänglich in die Tat umgesetzt werden. Dies liegt vor allem daran, dass derzeit neue Förderfelder ihre kommerzielle Förderung starten und somit die Förderkürzungen zu einem technisch ungelegenen Zeitpunkt kommen. Rechnerisch reduziert sich der Betrag Russlands über die Dauer von sechs Monaten auf eine Kürzung um durchschnittlich nur etwa 200 Tsd. Barrel/Tag. Der Umfang der Kürzungen aus Russlands basiert zudem auf der Annahme, dass sich alle russischen Ölkonzerne an den koordinierten Förderkürzungen beteiligen werden, also auf der Annahme einer vollständiger Kooperation auch der privaten Ölgesellschaften. Dies halten wir, nach Treffen mit mehreren russischen Ölkonzernen, für unwahrscheinlich.

Finden die Ölmärkte den Weg zurück in die Balance?

Außerhalb des neuen Bündnisses „droht“ zusätzliches Öl vor allem aus Nordamerika. In den USA zeichnet sich bereits eine Trendwende ab. Ausgehend von der derzeitigen Bohraktivität und den gegenwärtigen Preisen rechnen wir in 2017 mit einer Ausweitung der US-Schieferölfördermenge um 600 Tsd. Barrel/Tag YoY. Bei Preisen oberhalb von 50 US-Dollar/Barrel können ohne weiteres 5000 derzeit inaktive oder noch nicht fertiggestellte Bohrköpfe angezapft werden, was ein Upside-Risiko bei der amerikanischen Fördermenge darstellt.

Die Lücke, die die OPEC in der ersten Jahreshälfte ins Angebot reißen könnte, dürfte durch die US-Schieferölindustrie zumindest teilweise verkleinert werden. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Öl weiterhin sehr robust. Die IEA rechnet für das Gesamtjahr mit einem Wachstum der globalen Ölnachfrage um 1,2 Mio. Barrel pro Tag. Ein Nachfrageüberhang an den Ölmärkte dürfte aus unserer Sicht allerdings nur von kurzer Dauer sein.

Ölpreisprognose

Wir erwarten keinen nachhaltigen Effekt der OPEC-Kürzungsmaßnahmen auf die Ölpreise. Einen starken Rücksetzer bei den Rohölpreisen sehen wir schon während des ersten Quartals. Ein Tiefpunkt sollte dann Ende des ersten Halbjahres bei 40 US-Dollar/Barrel erreicht werden. Zum Jahresende erholen sich die Preise wieder auf 45 US-Dollar/Barrel.


Hier können Sie unserere monatlich erscheinenden "Rententrends" mit aktuellen News zu den Kapitalmärkten und weitere Research-Publikationen herunterladen.
 

Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.

Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.