Zum Jahresende kehrt die Ruhe an den Ölmärkten zurück. Nach Wochen hoher Preisvolatilität haben sich die Preise für Rohöl (Brent) bei 54,6 US-Dollar/Barrel eingependelt. Bis zum Jahresende sollten die Ölpreise ohne weitere Impulse auf dem gegenwärtigen Niveau verharren.
Ursächlich für diese starken Preisschwankungen der vergangenen Wochen war der Aufbau von Netto-Long-Positionen spekulativ orientierter Anleger in Folge der Einigung wichtiger Förderländer (insbesondere OPEC und Russland) die Förderung ab Januar 2017 an zurückzufahren. Laut den Daten der Intercontinental Exchange (ICE) stiegen die spekulativen Kontrakte in der Woche nach der Einigung auf ein neues Rekordniveau von 452 Tsd. Kontrakten. Seit der Einigung der OPEC-Staaten Ende November in Wien ist deren Zahl um rund 90 % gestiegen. Die spekulativ orientierten Finanzanleger scheinen daher davon auszugehen, dass das OPEC-Abkommen eine nachhaltige Wirkung auf die Rohölpreise entfaltet. Diese Ansicht teilen wir nicht. Die vereinbarten koordinierten Fördermaßnahmen des Kartells zielen in erster Linie darauf ab, eine Normalisierung der Rohölvorräte herbeizuführen, aber nicht vorrangig auf einen nachhaltigen Anstieg der Ölpreise. Die Lagerbestände sind in den vergangenen beiden Jahren im Zuge der Angebotsschwemme von Rohöl auf ein überdurchschnittlich hohes Niveau gestiegen. Das führte zu einer extremen Volatilität bei den Preisen, da die Pufferfunktion der Reservehaltung aufgrund der übervollen Lager verloren ging. Aus diesem Grund geht eine Reduzierung der übervollen Ölspeicher mit der Reduzierung der Volatilität der Rohölpreise einher. Dies dürfte insbesondere für die Länder und Unternehmen relevant sein, die in Kürze planen an den Märkten Kapital aufzunehmen. Eine Reduzierung der Preisschwankungen führt nämlich zu einer vorteilhafteren Bewertung von Eigenkapital und Fremdkapital. So lässt sich auch den Strategieschwenk von Saudi-Arabien zumindest teilweise erklären.
Ein weiteres Ziel, welches die OPEC-Staaten mit den Förderkürzungen erreichen möchten, ist die Generierung einer fallenden Terminkurve, um die Absicherung der künftigen Förderung zu erschweren. Erste Anzeichen davon sind bereits bei der Entwicklung der Brent-Terminkurve zu erkennen (Grafik rechts). Die Marktteilnehmer erwarten mittelfristig niedrigere Ölpreise, obwohl oder gerade weil sie kurzfristig deutlich höhere Preise erwarten. Denn durch die höheren Preise in den vergangenen Woche hat sich die Dynamik bei der Bohraktivität verstärkt, was mittelfristig ein höheres Ölangebot bedeutet. Abzulesen ist dies an der hohen Investitionstätigkeit im US-Schieferölsektor. Laut Baker Hughes stieg die Zahl der aktiven Ölbohrungen seit Ende September (der vorläufigen Einigung der OPEC) um 85 Bohrköpfe an. Mittlerweile hat die Bohraktivität wieder das Niveau von Jahresbeginn erreicht.
Derweil hat der scheidende US-Präsident Obama die Deregulierungsvorhaben im Energiesektor seines Nachfolgers Donald Trump erschwert. Obama hat am Dienstag (20.12.16) ein Gesetz erlassen, wonach das Bohren nach Öl und Gas vor der Küste Alaskas und Neuenglands verboten ist. In zwei der drei betroffenen Gebiete wollte die Trump-Administration eigentlich nach Öl und Gas bohren lassen. Das ist nun nicht mehr ohne Weiteres möglich. Wir erwarten allerdings keine signifikanten Auswirkungen auf das amerikanische Ölangebot, da das Wachstum der lokalen Ölindustrie vor allem in den Schieferölregionen zu beobachten sein wird.
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