Der Verlauf des Wechselkurspaar EUR/GBP wird im kommenden Jahr vor allem politisch geprägt sein. Dabei stehen zum einen die weiteren Entwicklungen zum Austrittsprozess Großbritanniens aus der EU im Fokus. Ein gespaltenes Kabinett und ein Kräfteringen zwischen Parlament und Regierung destabilisieren das politische Umfeld im Vereinigten Königreich. Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Eurozone bergen das Potential neuer politischer Krisen auf dem Kontinent.
Im vergangenen Jahr wertete der Euro gegenüber dem Pfund um 14 % ab. Das Währungspaar EUR/GBP notiert damit aktuell bei 0,84. Die Fundamentaldaten zur Britischen Wirtschaft stützten den Kurs des Pfunds. Der befürchtete Fall in eine Rezession nach dem Brexit-Votum ist bislang ausgeblieben. Die Bank of England (BoE) geht mittlerweile von einem Wirtschaftswachstum von 1,4 % im Jahr 2017 aus und korrigiert damit ihre vorige Schätzung von 0,8 % deutlich. Überraschenderweise zeigen sich auch die Investitionen stabil. Nichtsdestotrotz sieht die BoE die zukünftigen Risiken auf der konjunkturellen Seite und lässt den Leitzins weiterhin auf dem niedrigen Niveau von 0,25 %. BoE-Chef Mark Carney erläuterte, dass die Notenbank vorübergehend auch Inflationsraten über dem Ziel von 2 % tolerieren würde.
Im kommenden Jahr werden die politischen Entwicklungen rund um den Austrittsprozess aus der Europäischen Union und politische Ereignisse in der Eurozone den Verlauf des Wechselkurspaares prägen. So stehen im März Parlamentswahlen in den Niederlanden und im April bzw. Mai die Präsidentschaftswahlen in Frankreich an. In Frankreich kann sich die europakritische Präsidentschaftsbewerberin Marine LePen große Hoffnungen machen die Stichwahl im Mai zu erreichen. Geert Wilders und seine europaskeptische Partei für die Freiheit führen derzeit sogar die Umfragen in den Niederlanden an. Im Herbst wird in Deutschland ebenfalls das Parlament gewählt, vorgezogene Parlamentswahlen in Italien gelten ebenfalls als wahrscheinlich. Im Falle eines Erstarkens europakritischer Kräfte würde der Euro unter Druck geraten und gegenüber dem Pfund abwerten.
Auf britischer Seite steht vor allem das weitere Vorgehen im britischen EU-Austrittsprozess im Fokus. Im Januar wird eine richtungsweisende Entscheidung des Supreme Court erwartet, welche bestimmt, ob die britische Regierung dem Parlament umfassende Mitbestimmungsrechte im Austrittsprozess einräumen muss. Sollte das Gericht zugunsten des Parlaments entscheiden, hat die oppositionelle Labour-Partei bereits angekündigt, dem Austritt nur zuzustimmen, wenn ein Verbleib Großbritanniens im EU-Binnenmarkt garantiert wird. Europafreundliche Abgeordnete der Konservativen könnten sich dieser Forderung anschließen. Auf Druck der Parlamentarier beugte sich Premierministerin Theresa May der Forderung nach mehr Transparenz und kündigte an, im Februar die Leitlinien zum EU-Austritt zu veröffentlichen. Derweil zeigt sich die Regierung tief gespalten. Finanzminister Hammond erklärte, dass Großbritannien auch nach dem Brexit in den EU-Topf einzahlen würde, um sich den Zugang zum EU-Binnenmarkt zu sichern. Die Kabinettsmitglieder Davis, Johnson und Fox sprachen sich hingegen für einen harten Schnitt mit der EU aus und würden das Ausscheiden aus dem EU-Binnenmarkt in Kauf nehmen.
Wir gehen davon aus, dass die politischen Unsicherheiten rund um den Brexit weiter auf dem Pfund lasten, sodass wir für EUR/GBP zur Jahresmitte einen Wert von 0,90 prognostizieren, der sich zum Jahresende wieder bei 0,85 einpendeln sollte, wenn sich der weitere Verlauf des Austrittsprozess konkretisiert und sich auch die politische Lage in Großbritannien wieder beruhigt.
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