Unsicherheitsfaktor Trump
Die chinesische Wirtschaft geht nicht unbelastet ins neue Jahr. Unverändert droht ein Platzen der Immobilienblase und die Verschuldung maroder Staatsunternehmen ist weiterhin viel zu hoch. Hinzu kommen mögliche Einbußen im Außenhandel, sollte der gewählte US-Präsident Donald Trump seine noch vagen Ankündigungen wahrmachen und Importe aus China mit Restriktionen belegen. In Summe gehen wir allerdings davon aus, dass Chinas Regierung über die notwendigen Instrumente und ausreichende Finanzmittel verfügt, um eine deutliche Wachstumsabschwächung zu verhindern. Der kontrollierte Sinkflug wird sich voraussichtlich fortsetzen – mit Wachstumsraten von voraussichtlich 6,7%, 6,4% und 6,0% für die Jahre 2016 bis 2018. Allerdings fliegt man, um im Bild zu bleiben, nicht gerade unter Schönwetterbedingungen.
Bloß keine Schwäche zum Parteitag
Im Herbst 2017 findet in Peking nach fünf Jahren wieder ein Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas statt. Diese Veranstaltung ist nicht nur ein Schaulaufen. Parteichef Xi Jinping muss auch seine Führungsstärke beweisen bzw. festigen. Innerparteilich scheint er hier bereits auf bestem Wege zu sein: Im Zentralkomitee, das im Oktober 2016 tagte, ist er unangefochten. Die weitgehende Neubesetzung des Politbüros auf dem Parteitag im nächsten Jahr wird wahrscheinlich ebenfalls in seinem Sinne erfolgen. Im Vorfeld des Parteitages wird Xi bzw. seine Regierung dafür Sorge tragen, dass sich das Wirtschaftswachstum nicht soweit abflacht, dass es seinem Image schaden könnte. Zu erwarten ist ferner, dass Xi bestrebt sein wird, gegenüber einem eventuell forsch auftretenden US-Präsidenten Trump keine Schwäche zu zeigen. Gedankenspiele Trumps über Strafzölle auf Einfuhren aus China könnten in einem für beide Seiten schädlichen Handelskrieg enden. Ebenso sind geopolitische Friktionen zu erwarten, sollte Trump tatsächlich den - aus chinesischer Sicht - Tabubruch begehen, von der seit 1979 bestehenden Ein-China-Politik der USA abzurücken und offizielle Kontakte zu Taiwan aufzunehmen.
BIP-Wachstum 2016 leicht höher als erwartet
Das BIP-Wachstum lag in den ersten drei Quartalen 2016 bei 6,7 % (YoY) und für das vierte Quartal deutet sich ein Anhalten dieses robusten Trends an. Der Einkaufsmanagerindex des statistischen Amtes NBS stieg im November überraschend nochmals auf 51,7 an (Oktober: 51,2). Die Zunahme der Industrieproduktion lag im Oktober und November über 6 %. Für das Gesamtjahr 2016 zeichnet sich ein BIP-Wachstum von mindestens 6,7 % ab (vorherige Prognose: 6,5 %). Hervorhebenswert ist die Tatsache, dass eines der zentralen Ziele der Wirtschaftspolitik - der Umbau des chinesischen Wachstumsmodells, weg von Investitionen und hin zum Konsum - Fortschritte macht. Während Investitionen in den ersten neun Monaten d.J. „nur“ 2,5 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum beitrugen (2015: 2,9 Prozentpunkte), war der Konsum für 4,8 Prozentpunkte verantwortlich (2015: 4,1 Prozentpunkte). Und auch im vierten Quartal d.J. zeigt der Konsum keine Schwäche: Sowohl im Oktober (+10,0%, YoY) als auch im November (+10,8%) legten die Einzelhandelsumsätze deutlich zu.
Wachstumsabschwächung in 2017 bleibt moderat
Insgesamt wird die chinesische Wirtschaft mit recht viel Dynamik in das Jahr 2017 hineingehen. Im weiteren Verlauf werden die folgenden Faktoren jedoch voraussichtlich zu einer allmählichen Konjunkturabschwächung führen: Die im Immobilienbereich in einer Vielzahl der Großstädte im September und Oktober getroffenen Maßnahmen zur Dämpfung des rasanten Wachstums werden erst zu Anfang des kommenden Jahres ihre volle Wirkung entfalten. Maßnahmen zum Abbau der hohen Überkapazitäten staatlicher Unternehmen wirken wachstumsmindernd – wenngleich der Fortschritt hier überschaubar ist. Der Nettobeitrag
des Außenhandels wird abnehmen, da die Importe vermutlich stärker zulegen werden als die Exporte. Zudem sind Wachstumseinbußen infolge eines möglichen Handelskrieges mit den USA nicht auszuschließen – wobei hierzu aktuell allerdings noch keine fundierte Einschätzung abgegeben werden kann (siehe dazu das Editorial, Seite 2). Wir gehen davon aus, dass die noch nicht kommunizierte Zielvorgabe für das BIP-Wachstum 2017 bei „rund.“ 6,5 % liegen wird (für 2016 lag sie „zwischen“ 6,5 % und 7,0 %). Auf etwaige Schwächephasen des Wirtschaftswachstums wird die chinesische Regierung in gewohnter Manier mit gesteigerten öffentlichen Ausgaben, insbesondere Investitionen im Infrastrukturbereich, reagieren. Trotz der o.g. wachstumsdämpfenden Faktoren halten wir daher in 2017 ein Wirtschaftswachstum von 6,4 % für wahrscheinlich. Dieser kontrollierte Sinkflug dürfte sich in 2018 mit einem BIP-Wachstum von 6,0% fortsetzen. Nebenprodukt dieser relativ expansiven Fiskalpolitik ist der Anstieg des Budgetdefizits auf wahrscheinlich 4,2 % des BIP in 2017 (2016: -3,8 % des BIP).
Geldpolitik hält die Füße still
Wachstumsfördernde Maßnahmen sind von der Geldpolitik in 2017 kaum zu erwarten. Dagegen spricht u.a. die bereits hohe Liquiditätsversorgung mit der in der Folge starken Zunahme der Kreditvergabe bei bereits hohem Verschuldungsgrad, insbesondere der Unternehmen. Zudem hat sich die Preissteigerung in jüngster Zeit beschleunigt. Insbesondere die Produzentenpreise stiegen im November um 3,3 % (YoY), eine markante Steigerung gegenüber der vorherigen monatelangen Schwächephase, die vor allem durch den Anstieg der Rohstoffpreise zu erklären ist. Vor allem dürfte die chinesische Zentralbank jedoch vor wachstumsstützenden Zinssenkungen zurückschrecken, da diese den jüngst wieder verstärkten Kapitalabzug ausländischer Investoren beschleunigen würde.
Devisenreserven schrumpfen, Yuan wertet ab
Die Devisenreserven Chinas nahmen im November um 69,1 Mrd. US-Dollar auf 3,051 Bio. US-Dollar ab. Es war der fünfte Monat in Folge, in dem eine Abnahme zu verzeichnen war und der stärkste Rückgang seit Anfang des Jahres. Hauptursachen sind die abnehmenden Leistungsbilanzüberschüsse, die Erwartung steigender Zinsen in den USA, das sich abschwächende Wirtschaftswachstum in China bei gleichzeitigen Schieflagen (Immobilienblase, Überschuldung, Überkapazitäten) und die erwartete Abwertung des Renmimbi. Die Devisenreserven Chinas sind sicherlich weiterhin hoch, aber seit ihrem Höchststand 2014 nahmen sie um rd. 1 Bio. US-Dollar ab. Anfang 2017 dürften sie erstmals wieder unter 3 Bio. US-Dollar fallen (u.a. da Chinesen Anfang Januar ihre jährliche Quote von 50.000 US-Dollar für den persönlichen Gebrauch umtauschen). Um den Devisenschwund einzudämmen, greift China neuerdings sogar zu verschärften Restriktionen des Devisentransfers. Die Grenzwerte, ab denen Transfers von Gewinnen und Kredittilgungen einer gesonderten Genehmigung bedürfen, wurden gesenkt und Genehmigungsverfahren scheinen nun längere Zeit in Anspruch zu nehmen. Geplant ist zudem, dass chinesische Investitionen im Ausland, die 10 Mio. US-Dollar übersteigen, einen besonderen Genehmigungsprozess durchlaufen müssen. Zu erwarten ist, dass diese Restriktionen, die der eigentlich angestrebten Marktöffnung entgegenstehen, nur kurzfristig wirken werden.
Postfaktischer „currency manipulator“
Der gewählte US-Präsident Trump beschuldigt China, sich durch die Abwertung der chinesischen Währung gegenüber dem US-Dollar bewusst Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Diese Sichtweise entspricht nicht der Realität. De-facto stützt China seit geraumer Zeit durch US-Dollar-Verkäufe den Renminbi und schwächt den US-Dollar (Ziel ist u.a. die Abwertungserwartungen der Marktteilnehmer zu dämpfen und so den Kapitalabfluss zu begrenzen). Mit anderen Worten: Ohne die Eingriffe Chinas auf dem Devisenmarkt wäre die Abwertung des Renmimbi noch stärker ausgefallen – wobei festzustellen ist, dass die Schwäche des Renminbi gegenüber dem US-Dollar eher eine US-Dollar-Stärke ist. Gegenüber dem von der chinesischen Zentralbank bevorzugten Referenzwert, einem Währungskorb von dreizehn Währungen (u.a.: 26% US-Dollar, 21 % Euro, 15 % Yen) ist der Renminbi seit mehreren Monaten stabil.
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