Investoren erwarten unternehmensfreundlichen Präsidenten
Nach dem „Trump-Effekt“ unmittelbar nach der Wahl am 8. November, der die Aktienmärkte in die Höhe schnellen ließ, legten die Indizes noch einmal zu. Die Zinserhöhung der Fed hinterließ bislang keine Spuren: Es dominieren Optimismus bezüglich der starken Konjunktur, die Hoffnung auf eine unternehmensfreundliche Steuerpolitik seitens der neu gewählten Regierung sowie ein milliardenschweres Ausgabenprogramm, das die Auftragslage der Unternehmen verbessern würde.
Trump beflügelt Aktienmärkte
Von vielen Marktbeobachtern wurde die Präsidentenwahl im Vorfeld als einschneidendes Ereignis erwartet. Jedoch rechneten die meisten damit, dass der Sieg Donald Trumps eher negative Folgen für die Aktienmärkte haben würde. Dass Trumps Wahl also im Nachhinein als positiv gewertet wurde – anders sind die deutlichen Zuwächse seit dem 8.11. nicht zu erklären – verwundert. Andererseits ist Trump mit einem offensiv-wirtschaftsfreundlichem Programm in den Wahlkampf gezogen. Seine programmatische Ausrichtung wurde in den Medien – und wohl auch an den Finanzmärkten – lange Zeit durch seine schrille Rhetorik überlagert. Während der S&P 500 seit dem 11.11. 4,9 % zulegte, machte der DAX einen Sprung von 7,5 % und liegt derzeit bei 11403 Punkten. Am stärksten legte der Eurostoxx 50 mit 8 % zu. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, das Anleihekaufprogramm bis mindestens Ende nächsten Jahres zu verlängern, hat die europäischen Märkte gestärkt. Die Abwertung des Euro im Zuge der divergierenden Geldpolitik (der Kurs fiel auf ein historisch niedriges Niveau) hat die Kurse ebenfalls beflügelt.
Seit dem Wahltag (8.11.) gewannen in den USA vor allem jene Sektoren, die von politischen Wahlversprechen des neuen Präsidenten betroffen sind. Die Grafik unten zeigt die Kursentwicklung einiger Sektoren im S&P 500 im Vergleich zum 8.11.: Mit einem Zuwachs von fast 17 % ist der Finanzsektor eindeutig der Sektor mit den größten Kursgewinnen. Zwar stilisierte sich Trump als Gegner der „Wall Street“, in seinem Programm hatte er aber deutliche Deregulierungselemente auch im Bankenbereich versprochen. Viele Mitglieder seines engsten Beraterkreises und seiner neuen Regierung stammen aus dem Finanzsektor – so auch der designierte Finanzminister Steven Mnuchin. Die Kursgewinne im Verteidigungssektor sowie im Sektor Baumaschinen (ein Untersektor des Industriesektors) hängen direkt mit dem Versprechen höherer Ausgaben für Verteidigung und Infrastrukturprojekte zusammen. Im gleichen Zeitraum hat der Energiesektor stark profitiert, was allerdings zu großen Teilen am stark gestiegenen Ölpreis liegt. Die Auswahl Rick Perrys zum neuen Energieminister, der seit dem letzten Jahr im Energiesektor beschäftigt war, dürfte den Öl- und Gassektor ebenfalls freuen. Das Gegenstück zu dieser Bewegung ist der Rückgang im Sektor der Energieversorger. Diese hatten in den letzten Jahren Schritte in Richtung erneuerbarer Energien unternommen, was sich mit Trumps Fokus auf fossile Energieträger als Fehler erwiesen haben könnte.
Trump hat in vielen Sektoren Hoffnungen geweckt. Die bisherige Auswahl seines Personals (siehe Fokusthema „Das Trump-Kabinett“) spricht tatsächlich dafür, dass Trump einen Schwerpunkt auf eine unternehmensfreundliche Regulierungs- und Steuerpolitik legen wird. Allerdings wurde damit auch die Fallhöhe für diese Sektoren erhöht: Alles andere als eine kompromisslose Deregulierungsoffensive und milliardenschwere Steuersenkungs- und Ausgabenprogramme wären eine Enttäuschung. Teilweise müsste dafür der republikanisch dominierte Kongress seine Prinzipien aufs Spiel setzen.
Risiken durch den Zinsschritt?
Im Vorfeld der Zinsanhebung der Fed in diesem Jahr sind die Anleger im S&P 500 optimistischer gewesen als im letzten Jahr. Der Zinsanstieg wurde als Teil des positiven konjunkturellen Ausblickes gesehen. Dennoch stellen die drei von der Fed in Aussicht gestellten Leitzinserhöhungen im kommenden Jahr ein Risiko für die Aktienmärkte dar. Die Grafik unten zeigt die Entwicklung des S&P 500 in den 20 Handelstagen vor und den 40 Tagen nach den Zinserhöhungen 1993, 2004 und 2015. In keinem der Fälle lag der Kursindex zwei Monate nach der Zinserhöhung auf einem höheren Niveau als zuvor. Hinzu kommt: Fed-Chefin Yellen hält ein fiskalisches Expansionsprogramm gegenwärtig für unangemessen. Diese Aussage ist durchaus so zu verstehen, dass der Zinsanhebungszyklus deutlich schneller von statten gehen könnte, wenn ein solches Programm in die Wege geleitet wird. Die aktuell sehr hohe Bewertung des S&P 500 macht ihn gegenüber den geplanten Zinsanhebungen anfällig. Es besteht die Gefahr, dass die derzeit vorherrschende Hoffnung aufgrund der geplanten expansiven Fiskalpolitik von der Fed konterkariert wird. Die europäischen Märkte sind derzeit deutlich weniger hoch bewertet und die Risiken aufgrund der geldpolitischen Wende in den USA sind limitiert: Im Zweifelsfall wird man von einer stärkeren Divergenz der Geldpolitik sogar profitieren, weil dies einen noch schwächeren Euro und damit eine bessere Wettbewerbssituation gegenüber den USA impliziert. Die europäischen Finanzmärkte dürfte die Geldpolitik daher eher beflügeln. Auf dem Kontinent lauern die Risiken woanders.
Ungebrochener Aufwärtstrend durch politische Risiken unwahrscheinlich
In der Europäischen Union werden die wichtigsten politischen Entscheidungen auch über die ökonomische Zukunft entscheiden. Bei den Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und der vermutlich anstehenden Neuwahl in Italien könnten populistische und europafeindliche Parteien nicht nur Wahlerfolge erringen, sondern haben sogar Chancen, Mehrheiten zu erreichen. Weiterhin schwelen auch die Konflikte mit EU-kritischen Regierungen in Osteuropa, die das Potential haben, die Arbeitsfähigkeit der Union zu beeinträchtigen. Im kommenden Jahr steht der Beginn der Verhandlungen über den Brexit mit Großbritannien an. In allen Fällen lauern zu Beginn des nächsten Jahres Gefahren, die die Finanzmärkte beeinträchtigen könnten, die bislang eher ausgeblendet wurden. Wir rechnen damit, dass diese Ereignisse zu Beginn des Jahres Turbulenzen auslösen werden und die Märkte erst in der zweiten Jahreshälfte wieder aufwärts gerichtet sind. Per Ende nächsten Jahres sehen wir daher den S&P 500 bei 2300, Eurostoxx 50 bei 3300 und den DAX bei 11750 Punkten.
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