Nach rechts weisender Zeigefinger (Handrücken) Jetzt zum volkswirtschaftlichen und fundamentalen Quartalsupdate mit UniCredit sowie zum technischen Quartalsupdate mit HSBC anmelden!
16.12.16, 14:45

Öl weekly: Historische OPEC-Einigung auf dem Prüfstand

Ausweitung der US-Ölproduktion und US-Dollar-Anstieg wirken historischer OPEC-Einigung entgegen.

Die Rohölmärkte haben eine ereignisreiche Woche hinter sich. Zunächst verständigte sich am vergangenen Wochenende eine Allianz aus elf OPEC-Staaten und elf Nicht-OPEC-Staaten darauf die Ölförderung um insgesamt 1,76 Mio. Barrel/Tag (OPEC: 1,2 Mio. Barrel/Tag; Nicht-OPEC: 0.56 Mio. Barrel/Tag) für sechs Monate zu kürzen. Die Ölpreise stiegen in der Folge um 6,6 % auf 57,9 US-Dollar/Barrel (Brent). Die Euphorie an den Märkten war allerdings nur von kurzer Dauer: zum Ende der Berichtswoche mussten die Ölpreise ihre Zugewinne von Anfang der Woche wieder vollständig abgeben. Aktuell notiert die Nordseesorte Brent bei 54 US-Dollar/Barrel. Ursächlich für den Preisrückgang war eine Meldung des US-Energieministeriums, dass die US-Rohölproduktion in der vergangenen Woche um durchschnittlich 100 Tsd. Barrel/Tag zulegte, auf nunmehr 8,8 Mio. Barrel/Tag. Die Zunahme der US-Förderung kam früher als von uns erwartet. Nichtsdestotrotz sehen wir uns in unserer Prognose bestätigt, dass die Fracking-Unternehmen in den USA bei gegenwärtigen Preisen im kommenden Jahr mehr als eine halbe Million Barrel/Tag zusätzliches Angebot an Rohöl an die Märkte bringt.

Der Druck auf die Preise wurde zudem durch einen Lageraufbau um 1,2 Mio. Barrel in den Oklahoma Cushing-Lagerstätten verstärkt. Cushing-Oklahoma gilt als zentraler Lieferpunkt der amerikanischen Sorte WTI. Aufgrund dieser Eigenschaft wurde der Aufbau an den Märkten als deutliches Signal wahrgenommen, dass die US-Fracker die Gunst der relativ hohen Preise genutzt haben und ihre gegenwärtige und künftige Produktion an den Kapitalmärkten abgesichert haben. Insgesamt waren die Lagerbestände in den USA allerdings in der vergangenen Woche stark rückläufig.

Für zusätzlichen Druck auf die Preise dürfte zudem die Leitzinsanhebung (+25 Basispunkte) in den USA gesorgt haben. Der daraufhin stärkere US-Dollar hat tendenziell negativen Einfluss auf die Ölpreise. Zwar ist die Lage der Weltwirtschaft gut und deutlich besser, als noch vor einigen Monaten, als in großen Teilen der Welt Schrumpfungstendenzen festzustellen waren, allerdings dürfte die Reaktion an den Devisenmärkten (Aufwertung des US-Dollars ggü. allen anderen Währungen) temporär die Nachfrage, vor allem in Emerging Asien, leicht abgeschwächt werden. Die Kombination aus einem Anstieg der Ölpreise und einer Abwertung der indischen Rupie ggü. dem US-Dollar hat Indien, das Land mit der am stärksten wachsenden Nachfrage nach Öl- & Ölprodukten, eine Verdoppelung der Ölimportrechnung seit Jahresbeginn beschert.

Die Volatilität an den Rohölmärkten sollte in den kommenden Wochen – die Ferienzeit wohl ausgenommen – hoch bleiben. Das OPEC-Abkommen steht weiterhin im Mittelpunkt der Ölmärkte. Unterstützung bekam die OPEC unterdessen von der Internationalen Energieagentur (IEA). Diese unterstreicht in ihrem aktuellen Monatesbericht die Notwendigkeit einer OPEC-Produktionskürzung, um ein Überangebot in der ersten Jahreshälfte zu verhindern. Werden die angekündigten Kürzungen vollständig umgesetzt, sollte der derzeitige Angebotsüberschuss einem Nachfrageüberhang weichen. Der globale Ölmarkt wäre laut IEA im ersten Halbjahr 2017 mit 600 Tsd. Barrel/Tag unterversorgt. Dies ist unserer Ansicht nach eher unwahrscheinlich. Denn Donald Trump macht mit der Ernennung Scott Pruetts – ein Freund der „Frackingindustrie“ –  als Umweltminister und ExxonMobil-CEO Tillerson als Außenminister ernst mit der Ankündigung, die Energiemärkte zu deregulieren. Dies fördert vor allem die Produktion  von Schieferöl. Eine stärker steigende US-Ölproduktion würde das Überangebot auf dem Ölmarkt verfestigen, die Ölpreise belasten und dem OPEC-Abkommen den Wind aus den Segeln nehmen.

Hier können Sie das "Wochenbarometer" mit aktuellen News zu den Kapitalmärkten und weitere Research-Publikationen herunterladen.
 

Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.

Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.