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12.12.16, 08:41

Kapitalmarkt-News – EZB: der erste Schritt zu einer geldpolitischen Wende?

9. Dezember 2016

EZB: der erste Schritt zu einer geldpolitischen Wende?

Im Vorfeld der heutigen EZB-Sitzung dominierte die Einschätzung, dass das Aufkaufprogramm um wenigstens sechs Monate verlängert wird. Diese Erwartungen wurden durch die EZB mit ihrer Programmverlängerung bis mindestens Dezember 2017 bestätigt bzw. sogar leicht übertroffen. Was jedoch nicht unbedingt erwartet worden war, ist die Reduzierung des Aufkaufvolumens von 80 Mrd. € auf 60 Mrd. € pro Monat. Allgemein war eher von einer Veränderung der Rahmenbedingungen des Programms ausgegangen worden. Um ein ausreichendes Aufkaufvolumen sicherzustellen, hält sich die EZB erstmals die Option offen, Anleihen mit einer Rendite unter dem Einlagenzinssatz von -0,4 % zu kaufen. Außerdem werden nun auch Anleihen mit einer verbleibenden Laufzeit von mindestens einem Jahr (vorher mindestens zwei Jahre) berücksichtigt.
 
Draghi betonte, dass die EZB zunächst zwei Optionen geprüft hat, nämlich eine Verlängerung des Programms um sechs Monate bei unverändertem Volumen und eine Verlängerung um neun Monate bei reduziertem Volumen. Zwar beinhaltet eine Verlängerung von neun Monaten bei einem Aufkaufvolumen von 60 Mrd. € pro Monat ein höheres Aufkaufvolumen als eine Verlängerung von sechs Monaten mit einem monatlichen Volumen von 80 Mrd. €, doch das ist nicht unbedingt entscheidend, da ein Aufkaufprogramm nicht einfach ohne eine gleichzeitige Straffung der Geldpolitik beendet werden kann. Deshalb konnte auch von einer Verlängerung des Programms ausgegangen werden. Die EZB betonte darüber hinaus, dass es keinen festen Termin für die Beendigung des Programms gibt. Doch die Entwicklung in Italien und die Sorgen angesichts des bevorstehenden Brexit haben die EZB nicht davon abgehalten, aktuell eine mögliche geldpolitischen Wende anzudeuten. Die Notenbank betonte jedoch gleichzeitig, dass die heutige Ankündigung kein Tapering, und damit keine Wende in der geldpolitischen Ausrichtung bedeutet, denn laut Draghi verfolgt sie einen pragmatischen Ansatz. Das bedeutet, dass sie das Aufkaufvolumen bei sich entwickelnden Risiken auch wieder anheben kann. Weiter kündigte Draghi an, dass die EZB noch auf lange Sicht auf dem Anleihemarkt aktiv sein werde und trat damit Befürchtungen entgegen, das Programm könnte womöglich frühzeitig reduziert werden. Gemäß Draghi ist man von solchen Gedanken noch weit entfernt. So deutet die EZB zwar eine mögliche Kurswende an, rudert jedoch gleichzeitig zurück, um zu verhindern, dass Erwartungen und damit Renditen deutlich korrigieren.
 
Draghi gab in der Pressekonferenz die neuen volkswirtschaftlichen Prognosen der EZB bekannt. So geht die EZB nun für das nächste Jahr von einem Wachstum in der Euro-Zone von 1,7 % (vorher 1,6%) aus und im Jahr 2018 von 1,6 % (unverändert). Die Wachstumsrisiken sind weiterhin nach unten gerichtet. Die Inflationsprognose liegt nun bei 1,3 % (vorher 1,2 %) für 2017 und 1,5 % (vorher 1,6 %) für 2018. Auch wenn die Inflationsrate in den kommenden Monaten aufgrund von Basiseffekten ansteigen sollte, zeichnet sich laut Draghi noch kein überzeugender Trend einer nachhaltig steigenden Kerninflationsrate ab. Draghi betonte jedoch, dass deflationäre Risiken größtenteils verpufft sind, was sicherlich auch ein Grund für die Entscheidung für ein reduziertes Aufkaufvolumen ist. Trotz stabiler Prognosen sieht Draghi ein erhöhtes politisches Risiko in Europa sowie große konjunkturelle Unsicherheiten in den Schwellenländern. Andererseits erwähnte er, dass sich die Märkte und Volkswirtschaften bisher als relativ resistent gegenüber Risiken wie dem Brexit gezeigt haben. Grundsätzlich ist die Euro-Zone in deutlich besserer Verfassung als dies noch vor ein paar Jahren der Fall war. Draghi unterstrich, dass die Geldpolitik außerordentlich unterstützend wirkt und hob erneut die Notwendigkeit von Strukturreformen in der Euro-Zone hervor.
 
Fazit: Die heutige Ankündigung von EZB-Präsident Draghi, das Volumen bei gleichzeitiger Verlängerung des Aufkaufprogramms bis Dezember 2017 zu reduzieren, kann als erster Schritt einer sich sicherlich lang hinziehenden geldpolitischen Wende angesehen werden. Laut Draghi sind entsprechende konkrete Erwartungen aber verfrüht, da dass Aufkaufvolumen bei unerwarteten konjunkturellen Entwicklungen auch wieder angehoben werden könne. Dennoch stützen die EZB-Ankündigungen den aktuellen Trend weiter steigender Renditen, der bei einer anziehenden Inflation in den kommenden Monaten weiteren Auftrieb erfahren sollte. Italien dürfte diese Entwicklung angesichts seines hohen Refinanzierungsvolumens im nächsten Jahr mit Sorge betrachten.
 

 

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