Die Volatilität bei den Rohölpreisen bleibt ungebrochen hoch. Nachdem die Rohölpreise zu Beginn der Berichtswoche ihren Höhenflug zunächst fortsetzten und zwischenzeitlich die höchsten Notierungen seit 16 Monaten (Brent: 55,3 US-Dollar/Barrel) erreicht wurden, mussten diese gegen Ende der Berichtswoche wieder kräftig Federn lassen. Aktuell notiert die Nordseesorte Brent bei 53,3 US-Dollar/Barrel. Profitiert haben die Preise zunächst von der Einigung der OPEC-Staaten die Fördermenge um 1,2 Mio. Barrel/Tag zu kürzen. Die Ziele der Kürzungsmaßnahmen sind der Abbau des derzeit herrschenden Überangebots an Rohöl von rund 200 Tsd. Barrel/Tag sowie eine Reduzierung der Volatilität bei den Preisen. Dass Letzteres bisher nicht sonderlich gut gelungen ist, liegt vor allem daran, dass das Förderkartell es im November verpasst hat Entschlossenheit am Kürzungswillen zu zeigen. Statt die Förderung zu kürzen, wurde die OPEC-Förderung in diesem Monat laut Bloomberg auf 34,16 Mio. Barrel/Tag ausgeweitet, was 1,66 Mio. Barrel/Tag über der ab Januar geltenden Förderobergrenze liegt und einen neuen Rekordwert darstellt. Dies kann man zwar nicht als Zeichen mangelnder Einigkeit werten, da die Förderung hauptsächlich in den Ländern ausgeweitet wurde, die ohnehin vom Abkommen ausgenommen sind (Nigeria: +80.000; Libyen: +60.000 Barrel/Tag). Es stellt sich allerdings die Frage, welches Land die zusätzlichen Barrel vom Markt nimmt.
Es ist zweifelhaft, ob die OPEC-Einigung lange Bestand haben wird. Zwar sind die Rohölpreise in der Folge des Abkommens kräftig angestiegen, jedoch sehen wir die meisten OPEC-Staaten nicht als die großen Profiteure dieses Preissprungs an. Vielmehr sind die US-Schieferölindustrie sowie Russland die Hauptprofiteure der OPEC-Maßnahmen. Obwohl sich Russland nach offizieller Sprachregelung an dem Abkommen der OPEC-Staaten beteiligen wird und sich bereit erklärt hat, die Fördermenge um 300 Tsd. Barrel/Tag zu kürzen, könnte sich die Zusage eher als außenpolitisches Lippenbekenntnis erweisen als eine ökonomisch sinnvolle Entscheidung. Russland möchte wahrscheinlich seine Beziehungen zum Iran und Saudi-Arabien nicht weiter vergiften. Es ist aber nicht zu erwarten, dass Russland sich hundertprozentig an das Abkommen hält, zumal die russischen Ölkonzerne auch bei deutlich niedrigeren Preisen profitabel sind. Die OPEC-Staaten könnten mit ihren Förderkürzungen mittelfristig mehr verlieren als sie kurzfristig gewinnen werden. Wieso haben dann einige Förderländer, trotz Bedenken, am Ende doch zugestimmt? In Saudi Arabien – die OPEC-Einigung passt eigentlich nicht zu dem langfristigen Strategiewechsel des Landes – dürfte vor allem die in Erwägung gezogene Teilprivatisierung des staatlichen Ölkonzerns Saudi-Aramco eine wichtige Rolle gespielt haben. Folgt man diesem Argument, soll durch die jetzigen Kürzungsmaßnahmen eine möglichst hohe Bewertung des Unternehmenswerts (~ 1 Bio. US-Dollar) erzielt werden. Der Iran dagegen dürfte an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen sein und der Irak hat sich von dem Preissprung unmittelbar vor dem OPEC-Treffen beeindrucken lassen. Für den Iran gilt es nun, Investoren für den Ausbau der Kapazitäten zu gewinnen.
In den kommenden Wochen dürften die Rohölpreise, aufgrund des hohen spekulativen Interesses, weiter oberhalb von 50 US-Dollar/Barrel notieren. Spätestens wenn höhere Ölproduktionszahlen aus den USA kommen, wird der Preis für Brent wahrscheinlich wieder in Richtung 45 US-Dollar/ Barrel marschieren. Dies dürfte auch vor dem Hintergrund passieren, dass Donald Trump mit der Ernennung Scott Pruetts - ein Freund der „Frackingindustrie“ – wohl Ernst macht mit der Deregulierung des Energiesektors, was die Produktion von Schieferöl fördert.
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