Die Konjunkturindikatoren zeigten sich im Oktober weiterhin robust. Zum dritten Mal in Folge lag das Quartalswachstum yoy bei 6,7% und damit sehr stabil.
China begrüßt den US-Wahlausgang
Die chinesische Führung begrüßte offiziell den Sieg Donald Trumps in der US-Präsidentschaftswahl. Dabei könnte dieser die Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Reich der Mitte und den USA erheblich beeinträchtigen. Trump kündigte im Wahlkampf u.a. Zölle in Höhe von bis zu 45% auf chinesische Importe an. Sollte der frisch gewählte US-Präsident diese Drohung wahr machen, würde das die chinesische Konjunktur mittelfristig belasten. Inwieweit diese Drohung wahr gemacht wird, ist schwer zu beurteilen. Sicherlich wird der Zollsatz nicht 45% betragen. Mit gewissen protektionistischen Maßnahmen ist jedoch zu rechnen, wenngleich dies auch die US-Wirtschaft belasten würde: die amerikanischen Preise dürften steigen und China würde vermutlich seinerseits US-Importe beschränken. Ob unter dem Strich mehr Jobs in den USA entstehen, ist daher sehr fraglich. Zwar ist der Renminbi nach der US-Wahl stabil geblieben. Offensichtlich war die Währung aber schon seit einigen Wochen unter Abwertungsdruck, den die Zentralbank nur durch massive Interventionen am Devisenmarkt auffangen könnte. Langfristig ist die sicherheitspolitische Komponente relevant: Sollten die USA sich als Schutzmacht aus dem asiatischen Raum zurückziehen, könnte sich das Machtgefüge im asiatischen Raum noch stärker in Richtung China verlagern. Die Spannungen zwischen den dortigen Ländern dürften zunächst zunehmen.
Parteichef Xi Jinping festigt seine Machtposition
Ende Oktober tagte das knapp 400 Mitglieder zählende Zentralkomitee der chinesischen Kommunistischen Partei (KP) hinter verschlossenen Türen. Besondere Bedeutung kam dieser Plenarsitzung insofern zu, als sie als Weichenstellung für wichtige Personalentscheidungen angesehen wird, die im nächsten Jahr anstehen. Im Herbst 2017 findet nach fünf Jahren der 19. Parteitag der KP statt. Fünf der sieben Mitglieder des mächtigsten Gremiums der Partei, dem Politbüro, werden dann neu bestimmt. Lediglich Xi Jinping selbst und Ministerpräsident Li Keqiang werden ihre Posten im Politbüro behalten.
Verlautbarungen aus dem Umfeld der aktuellen Sitzung des Zentralkomittees legen nahe, das Xi Jinping seine bereits weitreichende Machtposition ausbauen konnte. Im Abschlusskomminiqué wurde Xi in den Rang eines sogenannten „Kern“-Parteichef erhoben – eine Auszeichnung die z.B. seinem Vorgänger, Hu Jintao, nicht zuteil wurde. Damit dürfte die Xi unterstellte Strategie aufgegangen sein, die von ihm vor rund drei Jahren angestoßene Korruptionsbekämpfung auch zur Bekämpfung seiner parteiinternen Gegner zu nutzen. So ist davon auszugehen, dass das nächste Politbüro klar hinter Xi stehen wird und die Staats- bzw. Parteiführung bis auf weiteres eine relativ homogene Gruppe bilden wird. Für die Bewältigung der anstehenden großen wirtschaftlichen Herausforderungen (hohe Verschuldung, Immobilienblase, Überkapazitäten) kann dies von Vorteil sein. Der Einhaltung von Menschenrechten und stärker demokratischeren Strukturen dürfte diese Konstellation vermutlich nicht zuträglich sein.
Wachstum pendelt sich im dritten Quartal ein
Das chinesische BIP-Wachstum lag im letzten Quartal zum dritten Mal in Folge bei 6,7% und bringt damit dem Abwärtstrend der letzten Jahre vorerst eine Pause. Der Caixin Einkaufsmanagerindex, welcher kleinere und mittlere Unternehmen stärker gewichtet, kletterte auf ein 27-Monats-Hoch. Dies deutet darauf hin, dass die jüngsten wirtschaftspolitischen Bemühungen der Regierung positive Effekte hatten.
Die Industrieproduktion stieg im September mit 6,1% etwas geringer als im August. Grund dafür sind der Abbau von Überkapazitäten in der Stahlproduktion sowie die zurückgegangene Auslandsnachfrage. Das Wachstum der Investitionen legte im September wieder zu. Wichtigster Treiber dafür sind die Infrastrukturinvestitionen (+17,8% yoy), die Investitionen des privaten Sektors legten dagegen nur leicht zu. Ein Indiz für die andauernde Transformation zu einem konsumbasierten Wachstum sind die wiederholt gestiegenen Einzelhandelsumsätze, welche im September um 10,7% zulegten. Die stärksten Treiber waren hier der Verkauf von Baumaterial sowie der Autohandel, welcher immer noch von bald auslaufenden Steuervorteilen profitiert.
Für 2016 wird ein BIP-Wachstum von 6,5% mit Aufwärtsrisiken erwartet, mit stabilem Ausblick auf 2017. Die Wachstumsvorgaben der Regierung für das laufende Jahr (6,5 bis 7%), werden somit höchstwahrscheinlich erfüllt. Sorgen bereiten weiterhin die zunehmenden Schulden der Unternehmen, Haushalte und des öffentlichen Sektors.
Produzentenpreisindex steigt zum ersten Mal seit 4 Jahren
Aufgrund steigender Rohstoffpreise und der gestiegenen Inlandsnachfrage ist der Produzentenpreisindex im September zum ersten Mal seit Anfang 2012 wieder leicht gestiegen (0,1% yoy, Oktober: 1,2%). Auch die Konsumentenpreise stiegen im Oktober mit 2,1% yoy wieder etwas stärker, was u.a. auf den Anstieg der Lebensmittelpreise zurückzuführen ist. Angesichts des stabilisierten Wachstums und des Ziels der Eindämmung des Kreditwachstums wird die PBoC daher vermutlich in den kommenden Quartalen keine expansiven Schritte unternehmen, was die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent halten wird.
Importe fallen wieder leicht, Exporte brechen ein
Nachdem sich die Importe im August wieder etwas erholt hatten, sanken sie September wieder leicht um 1,9% (yoy; Oktober: -1,4%). Die schwächelnde Auslandsnachfrage scheint nicht durch den abwertenden Renminbi aufgefangen zu werden, was sich in weiterhin sinkenden Exporten niederschlägt. Diese sanken im Oktober wiederholt um 7,3% yoy, nachdem sie im September schon überraschend um 10 % yoy eingebrochen waren. Dies zwingt die chinesische Führung zusätzlich, sich auf die Inlandsnachfrage in Form von Investitionen in Infrastruktur und Immobilien zu konzentrieren.
Vermögens- und Immobilienpreise sollen gedämpft werden
Die Immobilienpreise sind in den vergangenen Monaten mit einem teilweise atemberaubenden Tempo gestiegen. Während im Landesdurchschnitt der Zuwachs von Wohnimmobilienpreisen bei ca. 10% yoy lag, werden in Peking, Shanghai und Hefei Preiszuwächse von bis zu 50% verzeichnet. Die chinesischen Behörden versuchen verstärkt, diese Dynamik zu bremsen, um Blasenbildungen zu verhindern. Die Zentralbank hat die Laufzeit von Reverse-Repo-Offenmarktgeschäften seit September verlängert, was kurzfristige Finanzierungen unattraktiver werden lässt. Außerdem wurden in mehreren Städten Anfang Oktober die Vorschriften für den Immobiliensektor verschärft. Unklar ist, ob die Preiszuwächse rein spekulativ oder durch tatsächliche Wohnungsknappheit getrieben werden. In Städten wie Shanghai besteht durchaus die Möglichkeit, dass die stark gestiegenen Preise ein Gleichgewicht von knappem Angebot und hoher Nachfrage darstellen.
Schulden nehmen weiter zu
Die Aufrechterhaltung des angestrebten Wachstumstempos wurde in den letzten Jahren mit deutlich steigenden Schulden seitens des Staates, der Haushalte und der Unternehmen erkauft. Die im September vergebenen Kredite, welche zur Hälfte nur aus Hypotheken bestanden, fielen mit 1,2 Billionen Yuan deutlich höher aus als erwartet. Das Finanzministerium setzte derweil das Budgetdefizitziel für dieses Jahr mit 3,0% des BIP um 0,5% höher als letztes Jahr. Das zunehmende Risiko durch hoch verschuldete Unternehmen will die Regierung mit sog. debt-to-equity swaps angehen. Banken können auf diese Weise Schulden eines notleidenden Gläubigers gegen Eigenkapitalanteile tauschen. Zwar wurde dieses Instrument schon Ende der 90er erfolgreich verwendet, als viele Unternehmen ebenfalls überschuldet waren. Ob in der heutigen Zeit Banken dieses Instrument als attraktiv ansehen, ist vor dem Hintergrund des Aktienmarktabsturzes vom letzten Jahr fraglich.
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