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17.11.16, 16:50

Meinung weekly: Postfaktische Finanzmärkte

Postfaktisch geht so: Ihre Kfz-Werkstatt teilt Ihnen mit, dass die Bremsen ihres Autos defekt sind und sie schnappen sich das Auto und fahren mit Vollgas über eine kurvige Landstraße und genießen das Leben. Etwas Ähnliches scheint an den Finanzmärkten zu passieren. Der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, der im Wahlkampf eine größtenteils wachstumsfeindliche Agenda ausgebreitet und sich als vollkommen unberechenbar gezeigt hat, gewinnt die Wahl und was machen die Märkte? Sie jubeln und verfallen geradezu in Euphorie. Die Aktienmärkte erklimmen neue Hochs und die Staatsanleiherenditen schießen in die Höhe, typische Zeichen für die Erwartung einer kräftigen Konjunkturbelebung und steigender Unternehmensgewinne. Offensichtlich lassen sich die Anleger ganz im Sinne des Postfaktischen von einem positiven Bauchgefühl leiten.

Basieren tut dieser Stimmungsumschwung im Wesentlichen auf zwei Dinge: Erstens, eine kurze Ansprache von Trump nach dem Wahlsieg, bei der er sich versöhnlich zeigte und von Einigkeit sprach. Zweitens, die vage Mutmaßung - u.a. abgeleitet aus seiner Ansprache - der künftige Präsident könne ein 1000 Mrd. USD-Ausgabenprogramm starten, bestehend aus Steuererleichterungen und Infrastrukturausgaben.

Bedenken werden beiseite gewischt. Der Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan ist, zusammen mit vielen anderen Republikanern, ein fiskalischer Falke und wird sich niemals auf das schuldenfinanzierte Steuererleichterungs- und Infrastrukturprogramm einlassen? Kein Problem, da muss Paul Ryan eben seine Meinung ändern. Trump hat mit dem Ausstieg aus der Freihandelszone NAFTA gedroht? Ach, das meinte er schon nicht so. Es könnte zu einem Handelskrieg mit China kommen, wenn er die Einfuhrtarife auf bis zu 45% anhebt? Nein, dafür ist China doch viel zu wichtig. Die Ablehnung der Beistandsklausel in der NATO könnte die militärische Sicherheit Europas gefährden? Na ja, wird ja auch Zeit, dass die Europäer sich mal um ihre eigene Sicherheit kümmern. Die Abschiebung von 11,4 Millionen Hispanics könnte die Spaltung der Gesellschaft eskalieren lassen? Na, so schlimm wird es schon nicht kommen.

Gerne wird auch darauf verwiesen, dass Trump die Entscheidungen ja nicht alleine treffen wird, sondern von Beratern umgeben ist, die mehr Erfahrung haben und den größten Fettnäpfchen ausweichen werden. Schaut man sich diese Berater an, schwindet jedoch die Zuversicht. Zum Beispiel Wahlkampfmanager Stephen Bannon:  Er ist gerade zum Chefstrategen ernannt worden. Bannon ist Leiter des rechtspopulistischen Meinungsportals Breitbart News gewesen, das man als Sprachrohr wütender weißer Männer ansehen kann. Und dann ist da noch Sarah Palin. Sie ist ähnlich wie Bannon dem rechten Rand der Republikaner zuzurechnen, der so genannten Tea Party Bewegung, und wird als künftige Innenministerin gehandelt. Gott schütze Amerika.

Fakt ist: Derzeit ist alles Spekulation, Hoffnung und Angst. Dass viele Marktteilnehmer nun darauf setzen, dass Amerika unter Trump "Great Again" wird, hat mit Fakten nichts zu tun. Zwar sind auch wir nicht der Meinung, dass Amerika unter Trump auf den Abgrund zusteuert. Dafür sind die Jahrhunderte alte amerikanische Demokratie und die Institutionen zu sehr gefestigt. Aber so zu tun, als ob den USA nichts Besseres als Trump passieren konnte, hat eine besondere Qualität. Nun gut, von Trump haben wir ja Eines gelernt: Gewinnen kann man auch ohne Fakten oder sogar mit den falschen.


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