Die Ölpreise mussten in der vergangenen Woche kräftig Federn lassen. Die Nordseesorte Brent notiert aktuell bei 50,12 US-Dollar/Barrel. Das entspricht einem Minus um rund 5%. Ursächlich für den Preisrückgang war u.a. die Ankündigung des Irak am vergangenen Wochenende, sich nicht an einer angestrebten OPEC-Einigung auf Förderkürzungen zu beteiligen. Der irakische Ölminister begründete dies mit den dringend benötigten Einnahmen, um den Krieg gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ finanzieren zu können. Damit steht der Irak nicht allein. Auch der Iran, Nigeria und Libyen sind von den Produktionskürzungen ausgenommen. Hinzu kommt, dass auch Venezuela wegen der Krise im eigenen Staatshaushalt nicht besonders stark daran interessiert ist, die eigene Förderung zurückzufahren. Der Grund dafür liegt schlicht bei den dringend benötigten Einnahmen aus der Ölförderung.
Das impliziert, dass Saudi-Arabien größere Einschnitte machen müsste, um die Fördermenge wie geplant in einer Spanne von 32,5 bis 33 Mio. Barrel/Tag einzufrieren, denn viele weitere Länder bleiben nicht mehr übrig, die sich ernsthaft mit einer signifikanten Einschränkung der Fördermenge beschäftigen. Dies würde jedoch die finanzielle Situation des Königreichs weiter anspannen. Der Vorschlag Venezuelas, von Nicht-OPEC-Staaten eine Förderkürzung von bis zu 500 Tsd. Barrel/Tag einzufordern, zeigt das Dilemma innerhalb der OPEC auf. Dies deutet alles auf ein Scheitern des Abkommens hin. Die Offiziellen der OPEC werden jedoch weiterhin versuchen bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Ölpreise mit Kommentaren über der Marke von 50 US-Dollar/Barrel zu halten, um möglichst lange noch von diesem Preisniveau zu profitieren, bis das Scheitern offensichtlich wird. Auch die Beteiligung des Nicht-OPEC Landes Russland halten wir im Grunde für ausgeschlossen, weil sich private russische Förderunternehmen bisher gegen eine Kürzung der Fördermenge wehren. In Russland sollen im kommenden Jahr neue Förderfelder die Produktion aufnehmen, sodass die Fördermenge des Landes von derzeit 11,095 Mio. Barrel/Tag weiter deutlich steigen sollte.
Dagegen wirkten die gestern veröffentlichten offiziellen US-Lagerbestandsdaten der EIA den Preisnachlässen zunächst etwas entgegen. Das US-Energieministerium berichtete für die vergangene Woche überraschend einen erneuten Abbau der gesamten Rohölvorräte um 600 Tsd. Barrel. Betrachtet man die Statistiken der EIA genauer, stellt man aber fest, dass der Abbau vor allem auf die US-Westküste (sog. PAD-Distrikt 5) beschränkt war. Diese Region ist jedoch für US-Gesamtmarkt von nachrangiger Bedeutung, da sie nicht besonders gut an das Verteilungssystem (Piplines & Raffinerien) in den USA angeschlossen ist. Wichtiger ist der Blick auf die Lagerbestände an der US- Golfküste (PADD 3) und im Osten der USA (PADD 1 & 2). Lässt man die Westküste außer Acht, so ist ein Anstieg der Rohölvorräte um 1,7 Mio. Barrel zu beobachten. Dieser ist vor allem durch einen Anstieg der Fördermenge um durchschnittliche 40 Tsd. Barrel/Tag zu erklären sowie durch wieder leicht gestiegene Importe.
Es ist zu erwarten, dass der Druck auf die Rohölpreise in den kommenden Tagen weiter hoch bleiben wird. Vor allem dann, wenn weitere Nachrichten Schlagzeilen über ein Scheitern einer möglichen Vereinbarung über OPEC-Produktionskürzungen die Runde machen. Dies könnte dann der endgültige knock-out der Spekulation über Produktionskürzungen der OPEC bedeuten.
Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.
Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.