In den vergangenen Tagen sind die Staatsanleiherenditen erneut kräftig gestiegen. Die zehnjährigen T-Notes rentieren derzeit bei 1,70%, nach 1,56% in der Vorwoche. Die Bundrenditen bewegten sich ebenfalls nach oben, liegen aber mit -0,03% immer noch im negativen Bereich. Neben den freundlichen Konjunkturdaten aus den USA (u.a. ist der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe wieder über den Schwellenwert von 50 Punkten gestiegen) ist ein Bloomberg-Bericht, die EZB befasse sich mit einer Reduzierung ihrer Anleiheankäufe, verantwortlich für diese Entwicklung. Diese Meldung dürfte durchaus stimmen, man sollte daraus jedoch nicht schließen, dass schon im kommenden Jahr mit einem so genannten „Tapering“ begonnen wird. So hat in den USA der damalige Notenbankchef Ben Bernanke bereits im Februar 2010 über eine Exit-Strategie philosophiert. Danach folgten jedoch noch mehrere QE-Programme und das Tapering begann dann erst vier Jahre später. Bernanke hatte den Marktbeobachtern lediglich klar machen wollen, dass man sich in der Fed durchaus Gedanken darüber macht, welche Instrumente verwendet werden können, um irgendwann in der Zukunft die Geldpolitik wieder zu normalisieren. In dieser Weise interpretieren wir auch die Diskussionen innerhalb der EZB. Am Samstag wird die EZB anlässlich des Treffens des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington eine Pressekonferenz abhalten, bei der sicherlich auch dieses Thema zur Sprache kommt.
Apropos IWF: Der Fonds hatte bei der Vorstellung seines halbjährlichen Finanzmarktstabilitätsreports eine gute Nachricht im Gepäck. Die Kurzfristrisiken seien gesunken. Das betreffe unter anderem die Folgen des Brexit und die Probleme in den Schwellenländern. Die schlechte Nachricht folgte jedoch unmittelbar: Die Mittelfristrisiken seien gestiegen: Niedriges Wachstums, populistische Bewegungen, politische Unsicherheit und die Abhängigkeit von der ultraexpansiven Geldpolitik führten dazu, dass die Finanzmärkte in Japan und der Eurozone bis zum Ende des Jahrzehnts keine nachhaltigen Zinsanstiege erwarten. In Europa bleibe ein Drittel des Bankenmarktes schwach und sei nicht in der Lage, nachhaltige Gewinne zu generieren. Zu Beginn der Woche hatten Zeitungsberichte zur Deutschen Bank, das Department of Justice in den USA hätte seine Strafzahlungen im Zusammenhang mit Immobilienverbriefungen von 14 Mrd. USD auf 5,4 Mrd. USD reduziert, für Beruhigung gesorgt und die Aktienkurse steigen lassen, was wiederum zu höheren Staatsanleiherenditen beitrug. Die Sorgen des IWF um die Stabilität des Finanzsektors könnten jedoch in den nächsten Tagen Thema bleiben, so dass wir nicht von einem weiteren Anstieg der Bund- und US-Treasury-Renditen ausgehen.
Viel hängt jedoch auch von den US-Beschäftigungsdaten für September ab, die heute (7.10.) veröffentlicht werden. Die privaten ADP-Daten deuten auf eine leichte Enttäuschung hin, was die Spekulationen über eine Leitzinsanhebung im Dezember erneut dämpfen könnte. Schließlich sollte man auf die jährliche IWF-Tagung in Washington achten, wo sich üblicherweise hochrangige Wirtschaftspolitiker äußern und die Märkte bewegen können.
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