Die Briten hatten im Juni die Wahl, sich aus der Europäischen Union zu verabschieden. Mit ihrer Entscheidung für den Brexit kam zunächst die Qual: Unsicherheit und drohende wirtschaftliche Lähmung. Doch die Finanzmärkte erholten sich unerwartet rasch, und die konjunkturellen Bremswirkungen sind wohl geringer als befürchtet. Indes wird in der zweiten Jahreshälfte noch fleißig weiter gewählt und abgestimmt (Präsidentschaftswahl in Österreich, Verfassungsreferendum in Italien, US-Präsidentschaftswahlen). Und im nächsten Jahr geht es weiter, unter anderem in Deutschland. Dieser Wahlmarathon zieht sich wie ein Schleier der Unsicherheit über Konjunktur und Kapitalmärkte.
Man würde es sich freilich zu einfach machen, erklärte man die derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen allein mit den Wahlen und deren Ausgängen. Vielmehr lenken sie sogar von grundsätzlichen, durchaus positiven Tendenzen ab. Denn die Weltwirtschaft expandiert weiter, mit Wachstumsraten um die 3 %. Das reicht zum Überleben, bedeutet allerdings leider keinen mitreißenden Aufschwung. Die Emerging Markets wachsen solide, jedoch ohne im Rest der Welt größere Nachfragephantasien auszulösen. Vor diesem Hintergrund bleibt vor allem die Investitionstätigkeit in den Industrieländern hinter den Erwartungen für einen Aufschwung zurück. Offenkundig scheuen sich die meisten Regierungen davor, mit Strukturreformen eine wachstumsfreundliche und produktivitätsstiftende Wirtschaftspolitik einzuleiten. Dabei hätten die Wirtschaftspolitiker die Wahl.
Dagegen vermitteln die Notenbanken uns und den Finanzmärkten den Eindruck, als ob sie nicht wirklich eine Wahl hätten. Die amerikanische Fed hat sich mit ihrer "datenabhängigen" Geldpolitik in unsicheres Fahrwasser begeben. Hat sie wirklich geglaubt, dass die US-Konjunkturindikatoren über Monate hinweg nur Stärke zeigen und positiv überraschen würden, sodass sie frei von Zweifeln die Zinstreppe nach oben steigen kann? Vielmehr sind es weiter gemischte Daten, die wohl erst im Dezember zur nächsten Zinserhöhung in den USA führen werden. Die Europäische Zentralbank dagegen sieht sich von der Politik allein gelassen. Entsprechend hat sie in ihrer Wahrnehmung keine andere Wahl, als weiter im Lockerungsmodus zu bleiben. Mit dem üppigen Wertpapierankaufprogramm dominiert die EZB den Rentenmarkt und zementiert die Welt ohne Zinsen für hiesige Anleger.
Hat der deutsche Anleger trotzdem eine Wahl? Ja, wenngleich nur zwischen renditelosen, sicheren Zinsanlagen und schwankungsanfälligen, risikobehafteten Anlageklassen. Zu letzteren gehören Hochzinsanleihen und Emerging Markets-Anleihen sowie Aktien, die im Moment allein schon durch die im Vergleich zu Anleihen relativ günstige Bewertung attraktiv sind. Wie schön wäre es, wenn die von den Wahlurnen ausgehende Unsicherheit nachlassen würde, die Regierungen ihre Wahlmöglichkeit zu Strukturreformen nutzen würden und eine neue Gewinnphantasie die Unternehmensbeteiligungen erfassen würde. Ein schöner Traum von Wahlen ohne Qualen.
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