In den vergangenen Tagen sind die zehnjährigen Renditen dies- und jenseits des Atlantiks um rund 5 bp gesunken. Auslöser waren enttäuschende US-Konjunkturdaten in Form schwacher Arbeitsmarktdaten, eines Falls des ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe unter 50 Punkte und eines Rückgangs des Dienstleistungs-ISM auf den tiefsten Stand seit 2010. Ergänzt wurde dieser Datenreigen unter anderem von einem kräftigen Rückgang der Industrieproduktion (-1,5% M/M) in Deutschland. Die Spekulation über eine Leitzinsanhebung bei der Fed-Sitzung am 21.9. ist vor dem Hintergrund der US-Daten praktisch vom Tisch, auch wenn Fed-Mitglied John Williams (nicht stimmberechtigt) sich jüngst erneut für eine Straffung der Geldpolitik ausgesprochen hat.
Das Highlight der Berichtswoche war ansonsten die EZB-Sitzung am heutigen Donnerstag (8.9.). Die Erwartungshaltung an Maßnahmen war nicht groß, aber Notenbankchef Draghi gelang es auch diese Erwartungen noch zu enttäuschen. So konnte sich die EZB nicht zu einer offiziellen Verlängerung des QE-Programms über März 2017 hinaus durchringen, wenngleich zwischen den Zeilen eine derartige Verlängerung kommuniziert wurde. Die Inflations- und BIP-Prognosen wurden nur geringfügig angepasst. So rechnet man in 2017 und 2018 mit jeweils 1,6% Wachstum statt wie bisher mit 1,7%. Die Inflation soll in 2017 nur noch 1,2% betragen (vorher: 1,3%), aber für 2018 bleibt die Einschätzung mit 1,6% unverändert. Insgesamt begründete Draghi damit, dass man keine weiteren Maßnahmen ergriffen hätte. Ein Schwerpunkt der Sitzung war die Verantwortung der Fiskalpolitik. So zitierte der Notenbankchef aus dem G20-Statement vom vergangenen Wochenende, wonach sich die Regierungen zu einer aktiven produktivitäts- und konjunkturstützenden Politik verpflichtet haben. Interessant war noch die ausweichende Antwort auf die Frage, ob die EZB in Zukunft auf die Bankschuldverschreibungen und Aktien kaufen werde und wenn nein, warum nicht. Draghi dazu: Die bisherigen Maßnahmen seien effektiv und damit werde man weiter machen. Kein Wort zu möglichen Interessenskonflikten angesichts der Aufsichtsfunktion der EZB oder des Problems von größeren Wertschwankungen in der Bilanz, wenn Aktien im Portfolio sind. Draghi vermied es auch auszuschließen, dass man Staatsanleihen in Zukunft nach dem Schuldenschlüssel statt– wie bisher – des EZB-Kapitalschlüssels anzukaufen. Auf die politische Brisanz dieses Vorhabens wollte Draghi nicht eingehen. Denn bei einer Umstellung auf den Schuldenschlüssel würde die EZB in erster Linie italienische Schuldtitel auf die Bilanz nehmen, weil dieses Land absolut gesehen die höchste Verschuldung hat.
In der kommenden Berichtswoche sollte man auf die Zinsentscheidung der Bank of England achten (keine Zinssenkung erwartet) sowie auf die Inflationsdaten und die Industrieproduktion in den USA. Die Renditen dürften durch diese Daten kaum Aufwärtsimpulse erhalten.
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