Die Ölpreise sind in der vergangenen Woche kräftig unter Druck geraten. Die Nordseesorte Brent gab um 5% nach auf derzeit 47,5 US-Dollar je Barrel. Ursächlich für den jüngsten Rückgang war die Nachricht, dass das iranische Ölministerium anstrebe, die Ölförderung bis zum Jahresende auf 4 Mio. Barrel am Tag auszuweiten. Derzeit fördert der Iran 3,6 Mio. Barrel am Tag. Allerdings scheint das Vorhaben etwas ambitioniert, denn die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt die Förderkapazitäten des Iran auf 3,65 Mio. Barrel am Tag. Das Land scheint somit nahe am Limit der Kapazitäten zu fördern. Gleichzeitig macht das Ansinnen des Irans ein mögliches Abkommen der OPEC bei einem Treffen im September zu schließen unwahrscheinlich. Aufgrund dieser Ankündigung des Iran dürfte den Marktteilnehmern klar geworden sein, dass ein Abkommen der OPEC-Staaten unrealistisch ist. Folglich sollte das spekulative Interesse in den kommen-den Wochen wieder deutlich abnehmen. In der vergangenen Woche jedoch stiegen die spekulativen Wetten auf steigende Ölpreise bei Brent in der Woche zum 23. August um 36,3 Tsd. auf 393,3 Tsd. Kontrakte. Somit sind in den vergangenen drei Wochen die sog. Netto-Long-Positionen um 133 Tsd. Kontrakte gestiegen. Vom Ende April verzeichneten Rekordniveau also zu einem Zeitpunkt, als ein kräftiger Anstieg der Ölpreise zu verzeichnen war, sind sie damit nur noch 15 Tsd. Kontrakte entfernt. Allerdings macht dieser kräftige Aufbau spekulativer Wetten die Rohölpreise anfällig für kräftige Rücksetzer.
Gegenwind erhielten die Rohölpreise zudem von den gestern veröffentlichten offiziellen US-Lagerbestandsdaten der EIA. Diese ergaben einen kräftigen Aufbau der Rohölreserven um 2,3 Mio. Barrel. Überraschend kam der Aufbau der Rohölreserve angesichts weiter gestiegener Importe und einer weiter gesunkenen Raffinerieauslastung nicht. Doch zeigt dieser, dass sich Angebot und Nachfrage weiterhin nicht im Gleichgewicht befinden. Das Ungleichgewicht dürfte in den kommenden Wochen tendenziell zunehmen, wenn sich der Anstieg der US-Bohraktivität in den Produktionszahlen niederschlägt.
Desweiteren erwarten wir in den kommenden Monaten zusätzliches Angebot aus Russland. Trotz Preiseinbruch und Sanktionen konnte die russische Ölwirtschaft ihre Förderung stetig ausweiten. Im Jahr 2015 stieg diese um 1,5%. Für das Jahr 2016 erwartet die OPEC in ihrem Juli-Bericht ein Wachstum von 1,3% und für 2017 0,4%. Das impliziert einen Anstieg der Förderung bis 2018 auf rund 11 Mio. Barrel am Tag. Dieser Anstieg ist vorwiegend durch die stärkere Auslastung der Kapazitäten in den Regionen Severenergia und Rospan sowie der Start der kommerziellen Förderung mehrerer Gebiete in Ostsibirien bedingt. Der Anstieg der russischen Förderung ist deshalb möglich, weil die russischen Ölgesellschaften von einer sehr niedrigen Kostenbasis, einer lokalisierten Serviceindustrie (d.h. es besteht hier kein Währungsrisiko) und einer progressiven Besteuerung profitieren, was die Last der fallenden Ölpreise ausgleichen kann. Wie die jüngsten Geschäftszahlen der russischen Ölgesellschaften zeigten, sind diese in der Lage bei einem Wechselkurs von 65 RUB/USD zu durchschnittlichen Kosten i.H.v. von 11 US-Dollar/Barrel zu fördern. Damit sollte Russland in den kommenden Monaten weiter kräftig zum Überangebot der Ölmärkte beitragen. Wir sehen unsere Prognose, dass ein Abkommen der OPEC zur Begrenzung der Fördermenge unrealistisch ist, damit weiter untermauert.
Sollte das spekulative Interesse in der kommenden Wochen bereits in den Daten sichtbar werden, ist ein weiterer Rückgang der Rohölpreise zu erwarten.
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