Möglicher Trump-Sieg hinterlässt bislang keine Spuren an den Finanzmärkten und in der Konjunktur
In den USA rücken die Präsidentschaftswahlen, die am 8. November stattfinden, immer stärker in den Fokus der internationalen Anleger. Die jüngsten Umfragen zeigen an, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump auf nationaler Ebene in Führung gegangen ist. Das Brexit-Votum Großbritanniens hat den Marktbeobachtern vor Augen geführt, dass nicht rationale Überlegungen, sondern Emotionen entscheidend sein können. Diese versteht Trump anzusprechen. In den Rententrends vom Juni hatten wir festgestellt, dass Trump als Präsident zwar ein Problem, aber vermutlich keine Katastrophe darstellen würde, weil die US-Institutionen ausreichend gefestigt und erprobt sind. An den Finanzmärkten würde die Wahl von Trump dennoch kurzzeitig Spuren hinterlassen, u.a. weil Trump die Zahlungswilligkeit der USA in Frage stellt und gegen die Unabhängigkeit der US-Notenbank protestiert.
Dessen ungeachtet entwickelt sich die US-Konjunktur wieder etwas freundlicher, so dass der Einbruch, der in den Monaten Oktober 2015 bis März 2016 zu beobachten war, überwunden scheint. Vor diesem Hintergrund haben sich die Spekulationen über eine Zinsanhebung in diesem Jahr wieder belebt, liegen aber noch unter 50%. Nachdem die US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen mehrmals einen Rückzieher beim zweiten Zinsschritt gemacht hat, wird die nächste Zinsanhebung wahrscheinlich erst im vierten Quartal 2017 stattfinden. Denn es gibt viele mögliche Ereignisse, die von Seiten der Fed als Störfeuer gewertet werden und die Notenbank zum Stillhalten bewegen dürften. Für die langfristigen Renditen sehen wir nur geringes Aufwärtspotential, da die EZB weiterhin Anleihen kauft und die Bank of Japan trotz jüngster Dementis mit so genanntem Helikoptergeld kokettiert.
Konjunktur wieder auf Kurs
Konjunkturoptimisten haben allen Grund zur Freude, denn im Juni und Juli stehen fast alle Signale auf grün. Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe ist im Juni auf 53,2 Punkte gestiegen und der ähnlich konstruierte PMI hat im Juli erneut zugelegt und liegt auf einem ähnlich soliden Niveau. Im Dienstleistungsbereich ist die Stimmung noch besser (ISM Juni: 56,5 Punkte). Bestätigt wird diese Einschätzung durch die freundliche Entwicklung am Arbeitsmarkt, der per Saldo im Juni 287.000 neue Beschäftigte absorbiert hat. Zwar wurde der Vormonatswert kräftig nach unten revidiert, aber der Blick auf die gesunkenen wöchentlichen Erstanmeldungen zur Arbeitslosigkeit im Juli zeigt, dass es leichter wird, einen Job zu finden. In diesem Umfeld wundert es nicht, wenn die nominalen Einzelhandelsumsätze bereits seit drei Monaten durchgehend expandieren. Rechnet man die volatilen Autoverkäufe heraus, liegen die Zuwächse sogar seit Februar dieses Jahres im positiven Bereich.
Vom positiven Grundton bei den Konsumenten profitieren auch die Unternehmen aus dem Bausektor. Darauf deutet zumindest der NAHB-Index hin, der mit 59 Punkten auf ein sehr robustes Wachstum im Wohnungsbausektor hinweist. Bei alledem ist dennoch festzustellen, dass sich die USA auf einem eher moderaten Wachstumspfad befindet, vergleicht man die Entwicklung mit der von vor der 2008er Krise. So dürfte das BIP im zweiten Quartal zwar um 2,7% gewachsen sein, im Gesamtjahr wird die Expansionsrate jedoch vermutlich nicht höher als 1,8% ausfallen. Das ist ein etwas langsameres Expansionstempo als im Jahr 2015 (2,4%). Im kommenden Jahr zeichnet sich ein Wirtschaftswachstum von 2,0% ab. Vermutlich liegt das Wachstumspotenzial der USA nur unwesentlich über diesem Wert.
Natürlich gäbe es noch Raum für produktivitätserhöhende Reformen. Im Bereich der Infrastruktur ist Nachholbedarf (Straßen, Brücken, Schienen, Nahverkehr, Schulen). Bildungsinvestitionen gerade im voruniversitären Bereich könnten das Wachstumspotenzial ebenfalls deutlich anheben. Unabhängig vom Wahlausgang am 8. November ist nicht mit einer staatlichen Investitionsoffensive zu rechnen, so dass wir an der Hypothese eines langfristigen Wachstumstempos von etwa 2% bis 2,5% festhalten.
Zögerliche US-Notenbank
Die US-Notenbank hat auf ihrer Sitzung Mitte Juni nicht gewagt, im Vorfeld des Brexit-Referendums an der Zinsschraube zu drehen. Nach dem Brexit-Votum vom 23. Juni ging die aus den Marktdaten abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung in diesem Jahr auf fast 0% zurück. Mittlerweile ist dieser Wert aber wieder auf etwa 50% gestiegen. Der Grund ist in den überraschend guten Arbeitsmarktdaten und anderen freundlichen Konjunkturindikatoren zu suchen. Wichtig ist für die Fed außerdem, dass sich die Finanzmärkte beruhigt haben. Damit ist aber auch klar, dass die Erwartung einer zeitnahen Leitzinserhöhung auf tönernen Füßen steht. Zwar unterstützt das freundliche konjunkturelle Umfeld die relative Ruhe an den Finanzmärkten.
Gleichzeitig ist der Höchststand bei den Aktien des S&P 500 sowie der extrem niedrige Stand des Volatilitätsindex VIX jedoch ein Hinweis auf das Rückschlagspotential. Angesichts der unruhigen geopolitischen Lage, dem ungewissen Ausgang der amerikanischen Wahlen, den Unruheherden in der Eurozone (Bankenprobleme in Italien, Wahlen in mehreren Euro-Ländern mit Chancen für eurokritische Populisten, Gefahr von neuen Terroranschlägen) und möglichen Nachwehen des Brexit-Votums ist mit immer wieder aufflackernder Nervosität und im Zweifel auch mit schweren Turbulenzen an den Finanzmärkten zu rechnen. Die in den vergangenen Monaten äußerst vorsichtig bzw. ängstlich agierende Fed müsste von ihrem bisherigen Verhaltensschema abrücken, wenn sie dennoch den Leitzins anheben wollte.
Oder es tritt der unwahrscheinliche Fall ein, dass die derzeitige Ruhe an den Finanzmärkten über mehrere Monate anhält. Die langfristigen T-Notes-Renditen sollten über die nächsten Monate zunächst noch weiter sinken. Das hat mit dem zu erwartenden eher unruhigerem Finanzmarktumfeld sowie der fortgesetzten Anleiheankaufpolitik durch die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan zu tun. So werden die Bund-Renditen in den kommenden Monaten ebenfalls zurückgehen, da beispielsweise die EZB mit ihren Anleiheankäufen von 80 Mrd. Euro pro Monat mit derartiger Wucht im Markt präsent ist, dass die Bund-Renditen kaum noch steigen können. Anleger weichen daher zunehmend auf US-Dollar-Titel aus, da hier zumindest noch eine positive Renditen zu erreichen ist, wenngleich Euro-Investoren hier das Wechselkursrisiko managen müssen. Wir erwarten, dass die zehnjährigen T-Notes Ende 2017 ungefähr auf dem derzeitigen Niveau von 1,55% rentieren werden.
Ein Trump-Sieg würde die Märkte nervös machen
Die Republikaner haben auf ihrem Delegiertentag den Immobilienunternehmer Donald Trump zum Präsidentschaftskandidat gewählt. Obwohl die Nominierung relativ turbulent verlief und der Republikaner Ted Cruz, Widersacher von Trump in den Vorwahlen, die Delegierten dazu aufrief, Trump nicht zu unterstützen, konnte Trump in den jüngsten Umfragen deutlich zulegen. Mittlerweile liegt Trump bei nationalen Umfragen vor seiner Konkurrentin Hillary Clinton, die zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten gewählt wurde.
An den Märkten macht sich angesichts der zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines Trump-Sieges bislang keine Nervosität bemerkbar. Im Gegenteil: Der S&P500 hat ein neues Allzeithoch erreicht. Wir deuten dies jedoch nicht als eine Reaktion auf die Nominierung Trumps, sondern als Antwort auf die weltweite Liquiditätsschwemme in Kombination mit einer Berichtssaison, bei denen die US-Unternehmensgewinne gemäß der bisherigen Auswertung weniger stark gefallen sind, als man das erwartet hatte. Dennoch: Ein Trump-Sieg würde zumindest kurzfristig die Märkte bewegen. Immerhin hat der Präsidentschaftskandidat die Zahlungsbereitschaft Amerikas in Frage gestellt. Wörtlich sagte er in einem CNBC Interview im Mai 2016 auf die Frage, ob die USA ihre Schulden vollständig zahlen müssten oder ob eine Umschuldung verhandelt werden könnte: „Ich würde [mir das Geld] leihen, wohl wissend, dass wenn die Wirtschaft zusammenbricht, man einen Deal machen könnte“. Darüber hinaus ist die Unabhängigkeit der US-Notenbank Trump offensichtlich ein Dorn im Auge. Zwar kritisierte er die Politik der Fed-Präsidentin Yellen nicht, würde sie aber „feuern“, weil sie nicht Republikanerin sei.
Darüber hinaus stellte Trump die Handelspolitik der USA in Frage und sorgte mit seinen Worten, unter bestimmten Umständen sogar die Welthandelsorganisation zu verlassen, für Unruhe. Es bleibt unklar, wie ernst man diese Äußerungen nehmen muss. Mit einer Wahl Trumps dürfte die Verunsicherung deutlich zunehmen, was eigentlich zu niedrigeren US-Staatsanleiherenditen führen sollte. Die oben genannten Äußerungen zur Zahlungswilligkeit der USA könnten jedoch auch einige Investoren von der Anlage in US-Titel abhalten. Unsere Erwartung ist, dass zunächst der Flucht-in-Sicherheit-Reflex für niedrigere Renditen sorgt. Nach der Wahl dürfte sich die Lage relativ rasch wieder beruhigen und die Konjunkturdaten und die Geldpolitik werden dann das Zinsbild wieder bestimmen. In unserem Basisszenario gehen wir derzeit noch von einem Wahlsieg Clintons aus, bei dem es in unmittelbarer Reaktion zu einer Erleichterung an den Märkten kommen könnte, sprich: höhere Staatsanleiherenditen.Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.
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