Nach dem starken ersten Quartal deutet sich für die deutsche Konjunktur im laufenden zweiten Quartal erneut ein kräftiges Wachstum an. Zwar können die Impulse von Seiten der Investitionen und des Konsums im zweiten Quartal nicht mehr ganz gehalten werden, mit Wachstumsraten von 0,9% bzw. 0,3% im Vergleich zum Vorquartal bewegen sie sich aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Wachstumsbeitrag vom Außenhandel dürfte im zweiten Quartal mit -0,02% weniger stark negativ sein als im Ersten (-0,1%), sodass wir im Vergleich zum Vorquartal insgesamt für das Bruttoinlandsprodukt mit einer Wachstumsrate von 0,4% rechnen. Vom Konsum und den Investitionen erwarten wir jeweils einen Wachstumsbeitrag von etwa 0,2%.
Das sehr hohe Tempo zu Jahresbeginn kann aus mehreren Gründen im zweiten Quartal nicht mehr ganz gehalten werden. Zum Einen war der starke Zuwachs bei den Investitionen teilweise durch die milde Witterung im Winter bedingt, sodass einige Baumaßnahmen vorgezogen wurden. Zum anderen laufen auch die hohen Effekte durch den Zustrom der Flüchtlinge im letzten Jahr langsam aus. Da erwartet wird, dass die Zuwanderung in diesem Jahr stark zurückgeht ist, fallen die dadurch verursachten Niveauanstiege sowohl beim Konsum als auch bei den Investitionen geringer aus. Dennoch dürfte insbesondere der Konsum begünstigt durch ein gutes Konsumklima (Grafik rechts) auch im zweiten Quartal eine Stütze für die Konjunktur bleiben.
Im Laufe des Jahres rechnen wir allerdings mit einer Verlangsamung des Wachstums. Die ersten Konjunkturindikatoren, die nach dem Brexit-Votum veröffentlicht wurden, deuten bereits jetzt mehrheitlich auf eine weniger euphorische Stimmung bei den Unternehmen hin. Der ZEW-Konjunkturindex für Juli etwa ist mit einem Wert von -6,8 auf seinem niedrigsten Wert seit mehreren Jahren angekommen. Auch die IFO-Indizes entwickeln sich im Juli deutlich weniger dynamisch als zu Beginn des Jahres. Mit einem Rückgang um knapp 0,9% enttäuschten in diesem Monat insbesondere die für die Investitionen wichtigen Geschäftserwartungen. Weitere frühe Indikatoren deuten insbesondere in der Industrie auf eine Verlangsamung hin: die Stahlproduktion ist im Vergleich zum Vorjahr im Juni wieder rückläufig gewesen und die Entwicklung der Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe war im Mai ebenfalls negativ. Die Bauaufträge und Baugenehmigungen hingegen entwickeln sich mit zweistelligen Wachstumsraten weiterhin sehr dynamisch, was auf volle Auftragsbücher zu Jahresende schließen lässt.
Daher gehen wir für das dritte Quartal davon aus, dass die Investitionen um etwa 0,6% sinken werden, was einem Wachstumsbeitrag von -0,12% entspricht. Dieser Negativtrend dürfte sich bis zum Anfang des nächsten Jahres fortsetzen. Vom Konsum hingegen erwarten wir weiterhin eine stabile Entwicklung. Die Umsätze im Einzelhandel sowie die Neuzulassungen von PKWs entwickelten sich im zweiten Quartal weiter positiv und die Stimmung bei den Konsumenten ist sehr gut. Auch vom Außenhandel erwarten wir eher positive Impulse: zwar ergeben sich für die deutschen Exporte durch das Brexit-Votum und die möglicherweise bevorstehende Rezession in Großbritannien einige Risiken. Andererseits hat der Euro gegenüber den größten Handelspartnern erneut abgewertet, was sowohl die Exporte im Zeitverlauf weiter stützen dürfte als auch die Importe tendenziell niedrig hält. Hinzu kommt, dass die Ölpreise noch immer sehr tief sind, was das Importwachstum zusätzlich schwächt. Angesichts der Wahlen in Frankreich und den Niederlanden, wo populistische und eurokritische Parteien im Aufwind sind, dürfte die Verunsicherung zunächst noch zunehmen und bei den Unternehmen zu Investitionszurückhaltung führen.
Erst zum Ende des nächsten Jahres rechnen wir mit einer Wiederbelebung der Investitionstätigkeit. Alles in allem gehen wir für das Jahr 2016 aktuell von einer Wachstumsrate von knapp 1,6% aus. Im kommenden Jahr wird die deutsche Wirtschaft das hohe Tempo von 2016, nicht halten können und wir rechnen nun mit einem Wachstum von 1,1%.
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