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28.07.16, 21:14

Konjunktur monthly: China

BIP-Wachstum in Q2-16  

Das BIP-Wachstum Chinas lag im zweiten Quartal dieses Jahres mit 6,7% im Jahresvergleich weiterhin auf hohem Niveau. Getragen wurde es von robusten privaten Konsumausgaben und öffentlichen Investitionen in Infrastrukturprojekte. Private Investitionen schwächeln, sodass wir im zweiten Halbjahr mit leicht geringeren BIP-Zuwächsen rechnen. In Summe erwarten wir für das Gesamtjahr 2016 unverändert ein Wirtschaftswachstum von 6,5% und damit einen Wert am unteren Ende der staatlichen Zielsetzung eines Wachstums zwischen 6,5% und 7,0%.  

Wirtschaftswachstum bleibt auf Kurs

Nach einem BIP-Wachstum von 6,7% (yoy) im ersten Quartal zeichnete sich, u.a. aufgrund der insgesamt schwächeren Einkaufsmanagerindizes, für das zweite Quartal eine leichte Abschwächung ab – die dann aber nicht eintrat: Mit einem Plus von 6,7% lag das Wachstum im zweiten Quartal auf demselben Niveau wie im Vorquartal. Im saisonbereinigten Vorquartalsvergleich stieg das Wachstum in Q2 sogar auf 1,8%, nach einem schwachen Wert von 1,2% in Q1. Neben dem sich weiter gut entwickelnden Dienstleistungssektor legte auch die Industrieproduktion in Q2 mit 6,1% (yoy) stärker zu als im Vorquartal (5,8%). Auf sie entfielen damit auf der Entstehungsseite im ersten Halbjahr 2016 36% des BIP.  

Investitionen mit gemischtem Bild  

Die Wachstumsrate der Investitionen nahm in allen drei Monaten des zweiten Quartals ab. Im Vorjahresvergleich lag sie im Juni bei 7,7%, nach einem Anstieg von 11,1% im März. Angesichts des drückenden Problems der Überkapazitäten (vor allem in der Schwerindustrie) ist dies im Prinzip eine zu begrüßende Entwicklung. Ein näherer Blick macht allerdings deutlich, dass vor allem private Investitionen weniger wuchsen (Jan-Juni: 2,8%, yoy), während die Investitionen staatlicher Unternehmen weiter stark zulegten (Jan-Juni: +23,5%, yoy). Es ist daher davon auszugehen, dass der Abbau der Überkapazitäten im ersten Halbjahr kaum Fortschritte gemacht hat. Wir gehen allerdings davon aus, dass im zweiten Halbjahr größere Anstrengungen unternommen werden. Die Wachstumsrate staatlicher Investitionen dürfte abnehmen. Private Investoren werden wahrscheinlich weiterhin verhalten agieren. Das insgesamt von uns schwächer erwartete Investitionswachstum ist die Hauptursache unseres leicht zurückhaltenden Wachstumsausblicks für das zweite Halbjahr. Nach einem BIP-Anstieg von 6,7% im ersten Halbjahr, erwarten wir für das Gesamtjahr unverändert ein Wachstum von 6,5%.   

Dienstleistungssektor legt deutlich zu

Der Zuwachs im Dienstleistungssektor fiel mit 7,5% im zweiten Quartal (yoy) erneut höher aus als in den übrigen Wirtschaftssektoren. Im ersten Halbjahr 2016 wurden 61% des BIP im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. China kommt damit Stück für Stück dem erklärten Ziel näher, das Wirtschaftswachstum stärker auf Dienstleistungen (sowie den privaten Konsum) und weniger auf das produzierende Gewerbe zu basieren. Da die verfügbaren Haushaltseinkommen im ersten Halbjahr um 6,5% über dem Vorjahresniveau lagen und im selben Zeitraum 7,2 Mio. neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, ist davon auszugehen, dass der private Konsum auch im zweiten Halbjahr 2016 die Konjunktur stützen wird. Hierfür spricht auch das hohe Wachstum im Einzelhandel, dessen Umsätze im ersten Halbjahr knapp 10% über dem Vorjahresniveau lagen.

Erneut hohe Kreditvergabe  

Nachdem die Kreditvergabe der Banken im April und Mai dieses Jahres verhalten war, fiel der Anstieg im Juni mit 8,6% (yoy) bzw. 40,0% (mom) überraschend hoch aus. Dies ließ Zweifel aufkommen, wie ernst es die Regierung mit dem von ihr propagierten Schuldenabbau meint. In den vergangenen Jahren ist die gesamtwirtschaftliche Verschuldung in China rasant angestiegen. Nach Schätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich erreichten die Verbindlichkeiten der Unternehmen, des Staates und der Haushalte Ende 2015 den Gegenwert von 254,8% des BIP. Die chinesische Regierung reagiert auf den weiteren Anstieg der Verschuldung allerdings nicht mit allgemeinen Restriktionen der Kreditvergabe, da dies vermutlich das Wirtschaftswachstum zu sehr beeinträchtigen würde. So wurde das Wachstumsziel des „total social funding“ (Kredite von Geschäfts- und Schattenbanken und Anleihefinanzierungen) für 2016 auf 13% festgelegt, was angesichts eines absehbaren Anstiegs des nominalen BIP um rund 8,5% einen weiteren Verschuldungsanstieg im Verhältnis zum BIP impliziert. Von offizieller Seite wird darauf verwiesen, dass die Kreditvergabe an jene Unternehmen, die erhebliche Produktionsüberkapazitäten aufweisen, in jüngster Zeit stark eingeschränkt wurde. Ferner hätten Geschäftsbanken in den vergangen drei Jahren Abschreibungen in Höhe von 303 Mrd. US-Dollar bzw. 1,8% des gesamten Kreditvolumens vorgenommen. Die chinesische Bankenaufsicht beziffert den Anteil der notleidenden Kredite an den Gesamtausleihungen der Geschäftsbanken per Ende Juni 2016 auf 1,81% (März: 1,75%). Der IWF hingegen sieht sogar rund 15% der Kredite als potentiell ausfallgefährdet an.    

Außenhandel schrumpft weiter

Im Juni dieses Jahres lagen die chinesischen Exporte 4,8% und die Importe 8,4% unter Vorjahresniveau. Diese nunmehr seit knapp zwanzig Monaten zu beobachtende Schrumpfung wird in der zweiten Jahreshälfte vermutlich anhalten, allerdings in verminderter Form. Die Ausfuhren dürften u.a. von der Abwertung des Renminbi profitieren, die im ersten Halbjahr ein für China beachtliches Ausmaß erreichte: Gegenüber dem von der chinesischen Zentralbank präferierten Referenzwert des CFETS-Index (Korb von 13 handelsgewichteten Währungen, u.a. 26,4% US-Dollar, 21,4% EUR und 14,7 JPY) wertete der RMB seit Jahresbeginn um knapp 8% ab - gegenüber dem US-Dollar verlor er rund 4,5%. Auch die Schrumpfungsraten der Einfuhren werden im zweiten Halbjahr vermutlich geringer ausfallen, da wir mit einer leichten Erholung der Rohstoffpreise rechnen und Basiseffekte abnehmen. Für das erste Halbjahr 2016 ist mit Blick auf die Einfuhren festzuhalten, dass der deutliche Rückgang des Gesamtimportwertes (-10,2%, yoy) maßgeblich auf gesunkene Importpreise zurückzuführen war, während das Volumen wichtiger Rohstoffimporte zunahm (Eisenerz: 9,1%, Erdöl: 14,2%, Kupfer: 22%). Für das Gesamtjahr erwarten wir eine Abnahme des Importwertes um gut 5% und des Exportwertes um 2,5%, womit der Handelsbilanzüberschuss um US$ 27 Mrd. auf US$ 593 Mrd. ansteigen sollte.  

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