Indikatoren zeigen weiteres Wachstum an, politische Risiken sind groß
Seit Mitte Juni gab der Euro 3,5% gegenüber dem US-Dollar nach und notiert aktuell bei 1,100 EUR/USD. Der Brexit-Schock schickte die europäische Gemeinschaftswährung am 24. Juni in der Spitze um 4,5% in die Tiefe. Eine vorübergehende Gegenbewegung fand Anfang Juli ein schnelles Ende, nachdem geldpolitische Aspekte wieder in den Vordergrund rückten. Während man von der EZB weiter einen stark expansiven geldpolitischen Kurs erwartet, wurden Zinsanhebungen der amerikanischen Notenbank gegen Jahresende wieder wahrscheinlicher, was den US-Dollar stützte. Wie erwartet, beschloss der EZB-Rat auf seiner Juli Sitzung keine geldpolitischen Änderungen. Im Juni lag die Inflationsrate in der Eurozone bei 0,1% und damit weiterhin deutlich unter der anvisierten Zielmarke von nahe 2%. Eine wesentliche Ursache bleibt die sich nur langsam reduzierende Arbeitslosigkeit (Mai: 10,1%) innerhalb der Eurozone, der dadurch entstehende Lohndruck und die damit verbundene Nachfrageschwäche. Die Kreditvergabe der Banken stieg im Mai um 1,3% zum Vorjahresmonat und blieb somit weiter kraftlos. Die EZB wird daher ihren expansiven Kurs beibehalten, wenngleich sich ihr Spielraum für weitere Maßnahmen mittlerweile sehr eingeschränkt hat.
Anders in den USA: überraschend gute Jobdaten haben mögliche Zinsanhebungen der Fed zum Jahresende wieder wahrscheinlicher werden lassen. Im Juni wurden 287.000 neue Arbeitsplätze im nichtlandwirtschaftlichen Sektor geschaffen. Zudem fiel der ISM-Index (verarbeitendes Gewerbe) für Juni mit 53,2 Zählern zufriedenstellend aus, was auf einen intakten Wachstumstrend hindeutet. Die nach wie vor schwache Inflationsrate von 1,0% im Juni (yoy) sowie die ängstliche Grundhaltung der Fed-Chefin Yellen lassen uns allerdings zweifeln, dass es noch in diesem Jahr zu einem weiteren Zinsschritt der US-Notenbank kommen wird. Der Dollar konnte von den positiven Konjunktursignalen nicht wesentlich profitieren. Die Wirtschaft der Eurozone wuchs im ersten Quartal um 1,4% im Jahresvergleich. Deutschland konnte um 1,6% zulegen, Frankreich 1,4%, Italien 1,0% und Spanien 3,4%. Der Markit Einkaufsmanagerindex (verarbeitendes Gewerbe) für Juli deutet mit 51,9 Zählern weiterhin leichtes Wachstum an. Auffallend positiv fielen die Werte für Deutschland (53,7 Punkte) und Italien (53,5 Punkte) aus. Ebenso unterstrich der aktuelle ifo-Geschäftsklimaindex mit einem Wert von 108,3 die guten Aussichten der deutschen Volkswirtschaft. Die politischen Unsicherheiten innerhalb der Eurozone jedoch drohen weiter zuzunehmen und den Eurokurs zu belasten.
Im Laufe der nächsten Wochen wird das Verfassungsreferendum in Italien verstärkt in das Bewusstsein der Anleger treten. Bisher ist kein klares Ergebnis abzusehen. Fällt das Abstimmungsergebnis negativ aus, drohen Neuwahlen und damit die Regierungsübernahme der „Fünf-Sterne-Bewegung“. Diese bildet im europäischen Parlament mit der UKIP eine gemeinsame Fraktion und verspricht ein Referendum über den Euro-Verbleib Italiens. Italien aber ist für die Eurozone „systemrelevant“. Zusammen mit den ohnehin großen Problemen im italienischen Bankensektor droht hier erhöhte Gefahr für das Eurosystem und die Wechselkursentwicklung. Inwieweit die amerikanischen Wahlen im Vorfeld den Wert des Währungspaares beeinflussen werden, bleibt abzuwarten. Zumindest wenn sich ein Sieg für Hillary Clinton andeutet, sollte der US-Wahlkampf relativ spurlos an der Wechselkursentwicklung vorbeigehen. Wir erwarten daher weiteren Abwertungsdruck für den Euro in den nächsten Monaten.
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