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28.07.16, 17:19

Aktien monthly: Brexit und Berichtssaison - Aktien in ruhigem Fahrwasser

Brexit und Berichtssaison: die Aktienmärkte sind wieder in ruhigem Fahrwasser unterwegs. Beinahe alle Sektoren wieder auf dem Niveau vor dem Brexit-Votum, auch dank guter Quartalszahlen.

Nach dem Brexit-Votum ist an den Aktienmärkten wieder Ruhe eingekehrt. Die Berichtsperiode (08.06. bis 27.07.) war ein Auf und Ab. Der DAX etwa erreichte am 27.06. (zwei Handelstage nach dem Referendum) seinen niedrigsten Wert seit Februar. Die großen Aktienmärkte der Welt verloren 6-7% und mehr an nur einem Handelstag. Ähnlich wie in Europa musste man auch in den USA schwere Einbrüche verarbeiten. Dow Jones und S&P 500 benötigten allerdings gerade einmal zwei Wochen, um wieder auf die Niveaus zurückzukehren, die sie vor dem Referendum auswiesen. Der DAX hingegen kehrte erst in dieser Woche auf das Vor-Referendums-Niveau zurück, während der Eurostoxx 50 immer noch unter diesem Wert liegt.

Besonders schwer getroffen wurden die Finanzwerte. So ist im DAX der Financials-Sektor (Banken, Versicherer, Finanzdienstleister) der einzige, der sich seit dem Brexit-Schock noch nicht wieder erholen konnte (Grafik unten). Hier spielen Sorgen um den italienischen Bankensektor und der anstehende Veröffentlichungstermin der Stresstestergebnisse am 29. Juli eine Rolle. Am dynamischsten haben sich im Vergleich zum Vormonat (Tiefstwerte nach dem Brexit-Votum) die Energieversorger RWE und EON entwickelt, die – gewichtet – knapp 19% zulegten. Zulegen konnte insbesondere RWE nach einigen positiven Nachrichten in Fragen der Strategie, wie mit dem Atomausstieg umgegangen werden soll.  Auch der IT-Sektor konnte Kursgewinne verzeichnen. Zwar enttäuschten die Gewinnzahlen von Software-Hersteller SAP, allerdings ließen sich die Anleger vom starken Umsatzwachstum des Konzerns überzeugen. Dabei löste SAP in diesem Monat erstmals Bayer als – nach Marktkapitalisierung – größtes Unternehmen im DAX ab.

Positive Überraschungen gab es auch bei den Quartalszahlen von Daimler und Bayer: zwar lagen bei beiden Unternehmen die Umsatzzahlen unter den Erwartungen, die Gewinne fielen aber jeweils höher aus. Damit eröffneten drei der fünf größten Unternehmen im DAX in diesem Monat die Berichtssaison mit erfreulichen Zahlen, was dem DAX merklichen Auftrieb gab.  Die erste Hiobsbotschaft in Verbindung mit dem bevorstehenden Brexit vermeldete hingegen die Deutsche Bank. Der Gewinn lag im zweiten Quartal beinahe 75% unter den Analystenschätzungen. Besonders ausgeprägt war der Einnahmerückgang im Handel, erstreckte sich aber auch auf das Investmentbanking. Die Aktie der Bank verlor daher am 27.07. über 3% ihres Wertes. Insgesamt legte der DAX im Vergleich zum Vormonat über 10,5% zu und performte in diesem Zeitraum sogar stärker als der S&P 500 (+10,4%) und der Eurostoxx 50 (+8,4%).

Beim S&P 500 sind bisher 205 Berichte veröffentlicht worden. Bei den Umsätzen überraschten 118 Unternehmen positiv und 87 negativ, bei den Gewinnen 165 positiv und 39 negativ. Damit war auch in den USA die Berichtssaison bisher eher ein Erfolg. Beim Eurostoxx 50 ergibt sich in der Berichtssaison bisher ein geteiltes Bild mit leicht enttäuschenden Umsätzen, dafür aber positiven Überraschungen bei den Gewinnen, es sind allerdings erst 13 der 50 Berichte veröffentlicht.  

Zu Beginn der Berichtssaison ergibt sich auf der Fundamentalwert-Seite im Vergleich der Indizes kein einheitliches Bild: mit einer Dividenden-Rendite von 4,1% ist der Eurostoxx 50 unter den drei abgebildeten Indizes aktuell der profitabelste. Der DAX hat zwar mit 22,2 das höchste Kurs-Gewinn-Verhältnis, mit 0,8 aber das niedrigste Kurs-Erlös-Verhältnis. Auf die Frage ob sich damit für den DAX eine Über- oder Unterbewertung ergibt, liefert die Grafik (unten) einen Hinweis: dieser Index, der verschiedene Fundamentalwerte über die Zeit abbildet, bewegt sich derzeit mit einem Wert von knapp über 1 auf einem Niveau, das man im historischen Vergleich eher mit einer Normalbewertung verbinden würde.  Im Laufe des Monats werden auch die verbleibenden 24 DAX-Unternehmen ihre Quartalszahlen veröffentlichen. Wie sehr weitere Unternehmen vom Brexit betroffen sein werden bleibt abzuwarten.

Neben dem Aufbau politischer Spannungen – etwa durch ein Wiederaufflackern der Krise Banken- und Staatsschuldenkrise in der Eurozone – sehen wir aktuell die größte Gefahr für die Aktienmärkte in den kurz- bis mittelfristigen Auswirkungen des Brexits auf die europäische Wirtschaft und die Unternehmen. Zwar ist die Situation aktuell an den Aktienmärkten sehr stabil und das von den Märkten eingeschätzte Risiko sehr gering – eine deutliche Abkühlung der Konjunktur oder größere Einbrüche bei den börsennotierten Unternehmen könnten diese Ruhe aber stören.  Wenn die Berichtssaison im nächsten Monat abgeschlossen ist, kann diese als erster Härtetest für die deutschen Konzerne gesehen werden.

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