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08.07.16, 08:30

Zinsen weekly: Unsicherheit in Europa setzt Renditen wieder unter Druck. Bunds und T-Bills erreichen Rekordtief. Kein Spielraum für steigende Zinsen.

In Woche zwei nach dem Referendum ist die Unsicherheit in der Eurozone weiterhin groß. Mit dem vermehrten Kapitalabfluss von der Insel (das Schließen fünf großer Immobilienfonds ist nur eines der Symptome für diese Entwicklung) passiert aktuell das, was die Mehrheit der Ökonomen erwartet hat. Großbritanniens Wirtschaftsmodell der letzten Jahre ist mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit auf ausländische Kapitalzuflüsse angewiesen und wird durch den Kapitalabzug stark getroffen – die Anzeichen für eine anstehende Rezession verdichten sich. Diese Aussicht trifft den europäischen Kontinent deutlich härter als die USA, da Ansteckungseffekte in der Eurozone wahrscheinlicher sind. Begleitet von der Angst um das italienische Bankensystem setzte sich in dieser Woche die Umschichtung von risikoreicheren Anlageformen in sichere Häfen fort. Stark betroffen sind die Aktien von europäischen Finanzdienstleistern, deren Kurse in dieser Woche auf das niedrigste Niveau seit Ausbruch der Eurokrise im Jahr 2011 fielen. Der Volatilitätsindex (VIX) stieg in der letzten Woche wieder an, nachdem sich die Volatilität in der ersten Woche nach dem Brexit legte. Dies setzt wieder die Renditen auf zehnjährige Bunds unter Druck, die mit -0,2% ein erneutes Allzeittief erreichten. Das Gleiche gilt mit 1,33% für die zehnjährigen Anleihen in den USA. Dass gleichzeitig der S&P 500 beinahe wieder zurück auf das Niveau vor der Abstimmung kletterte belegt, dass die vom Brexit ausgehenden Risiken in Übersee deutlich niedriger eingeschätzt werden.

Am Mittwoch wurden die Minutes der letzten Fed-Sitzung vor der Abstimmung Brexit veröffentlicht. Große Überraschungen lassen sich in dem Bericht nicht finden. Auffällig ist vor allem die Enttäuschung über den Mai-Arbeitsmarktbericht und die damit verbundenen Bedenken über die Nachhaltigkeit des Aufschwungs. Am Freitag wird der nächste Arbeitsmarktbericht veröffentlicht, es wird für Juni im Vergleich zu Mai (38.000 neue Beschäftigte) mit einem deutlichen Anstieg gerechnet (179.000). Dies dürfte allerdings wenig daran ändern, dass die Fed nach dem Brexit noch einmal vorsichtiger vorgehen wird. Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet den nächsten Zinsschritt inzwischen nicht mehr vor Ende 2017.

Mit dem Sentix Index, der das Investorenvertrauen in der Eurozone abbildet, wurde in dieser Woche der erste Post-Referendums-Indikator veröffentlicht. Der Wert fiel von 9,9 auf 1,7, was einen herben Stimmungsdämpfer bedeutet. In der Eurozone erhöht sich damit der Druck auf die EZB. Die Diskussion um die Finanzierung der Rekapitalisierung italienischer Banken zeigt, wie angespannt die Lage ist. Alleine aufgrund der Handelsbeziehungen wird die in Großbritannien erwarte Rezession auch auf die Eurozone abfärben. Die EZB als einzige handlungsfähige Institution wird vorausschauend agieren. Dass sie dies schon bei der nächsten Sitzung am 21. Juli tut, ist eher unwahrscheinlich, da die Datenlage bis dahin nicht deutlich klarer wird. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone bleibt der Spielraum für höhere Renditen auch in den nächsten Wochen gering.


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