Nach der Veröffentlichung des enttäuschenden US-Arbeitsmarktberichts für den Monat Mai geht es für die Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks wieder abwärts. Die Renditen auf 10-jährige US-Anleihen nahmen im Vorwochenvergleich von 1,85% auf 1,67% ab, während die Renditen auf 10-jährige Bunds mit aktuell 0,04% nur noch knapp über 0% liegen. Der Hauptgrund für die Abwärtsbewegung in den USA liegt in der Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen am Freitag. Mit nur 38.000 neu geschaffenen Stellen außerhalb des Agrarsektors enttäuschte der Mai-Wert stark (erwartet wurden 160.000 Stellen nach einem revidierten Vormonatswert von 123.000). Zwar sank die Arbeitslosenquote von 5,0% auf 4,7%, allerdings ist ein Großteil der Bewegung darin begründet, dass 458.000 Amerikaner aufhörten nach einem Job zu suchen. Hinzu kam, dass Fed-Chefin Yellen in einer Rede auf den Arbeitsmarktbericht reagierte, in der sich die noch vor einigen Wochen gebrauchte Formulierung, dass sie einen weiteren Zinsschritt in den kommenden Monaten erwartet, nicht mehr findet. Sie betonte nun auch die Risiken, die sich aus den derzeit inkonsistenten Datenveröffentlichungen und dem bevorstehenden Brexit-Votum ergäben. Seit der Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen sank die aus den Fed Funds Futures abgeleitete Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im Juni von 22% auf 0%, was die US-Renditen stark unter Druck setzte. Für die US-Konjunktur ergibt sich aktuell ein gemischtes Bild. Während der am letzten Mittwoch veröffentlichte ISM-Index für die Industrie positiv überraschte, musste der ISM im Dienstleistungssektor in dieser Woche einen Dämpfer einstecken und sank von 55,7 auf 52,9. Zwar erscheinen in der nächsten Woche auch wieder wichtige Konjunkturmeldungen (Industrieproduktion und die CPI-Kernrate), wirklich Licht ins Dunkle bringen aber wohl erst Ende des Monats der Juni-Arbeitsmarktbericht und Ende Juli die erste BIP-Schätzung für das zweite Quartal. Mit großen Schwankungen der US-Renditen rechnen wir in der kommenden Woche daher nicht.
Um die Eurozone steht es konjunkturell derzeit nicht schlecht. Erfreulich waren die Veröffentlichungen der europäischen PMIs (53,3 Punkte – erwartet wurden 52,9 Punkte) und der deutschen Industrieproduktion (0,8% mom, erwartet wurden 0,7%). Das weitere Vorgehen der EZB wird aber eher von der Entwicklung der Inflationsrate abhängen, die aufgrund des Ölpreises – trotz des jüngsten Anstiegs liegt dieser noch unter dem Vorjahresniveau – weiterhin negativ ist. Ob der Druck auf die EZB-Führung abnimmt hängt davon ab, wie sehr sich die jüngsten Ölpreissteigerungen auf die Inflationsrate auswirken und ob sich die positiven konjunkturellen Signale für das zweite Quartal bestätigen. In der nächsten Woche wird der April-Wert der Industrieproduktion für die Eurozone veröffentlicht. Dass aber selbst ein sehr guter Wert dem Abwärtstrend der Bund-Renditen etwas entgegensetzen kann, ist nicht ausgemacht. Zu stark wirken die Ausweitung des EZB-Ankaufprogramms und die Enttäuschung über den US-Arbeitsmarkt. So erreichten die 10-jährigen Renditen am Mittwoch (Tag der Implementierung des Kaufprogramms für Unternehmensanleihen) ein neues Rekordtief von 0,033% und es stellt sich die Frage, ob nicht auch hier die Nulllinie bald getestet wird.
Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.
Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.