Die Renditen der Staatsanleihen haben zuletzt auf beiden Seiten des Atlantiks nachgegeben. Für die Bund-Renditen scheint es trotz der höheren Konjunkturdynamik – in Q1 ist das BIP laut einer ersten Schnellschätzung mit einem Zuwachs von 0,6% gegenüber dem Vorquartal überraschend stark gewachsen – kaum Aufwärtspotenzial zu geben. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass die EZB seit März das Volumen ihrer Anleihekäufe um 20 Mrd. Euro auf rund 80 Mrd. Euro erhöht hat. Da darunter erst ab Juni auch Käufe von Unternehmensanleihen fallen, bezieht sich der größte Teil der Steigerung auf Euro-Staatsanleihen. Zudem hat die EZB nach aktuellen Zahlen nicht 80, sondern 85 Mrd. Euro mehr gekauft, wovon die längerfristigen Bundesanleihen profitiert haben sollten. Entsprechend ist ihre Rendite in den vergangenen Tagen von einem Niveau von 20 bis 30 bp auf zwischenzeitlich 10 bp gerutscht. In den USA macht sich die Unsicherheit über den weiteren Leitzinsanhebungspfad der Fed bemerkbar. Der Arbeitsmarktbericht für April hat einen Stellenaufbau von 160 Tsd. ausgewiesen – das lag deutlich unter den Markterwartungen. Zwar ergibt sich im Durchschnitt seit der zweiten Jahreshälfte 2015 immer noch ein Beschäftigungszuwachs von über 200 Tsd., was die Fed beruhigen und an ihren Zinsanhebungen festhalten lassen sollte. Darüber hinaus konnte mit einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 2,5% eine höhere Lohndynamik erzielt werden – ein positives Zeichen dafür, dass sich die PCE-Kernrate längerfristig dem Preisziel der Notenbank von 2% annähert. Nichtsdestotrotz dürfte die Fed nun die nächsten Datenveröffentlichungen sehr genau beobachten – insbesondere den Arbeitsmarktbericht für Mai – und der von uns erwartete Termin für die nächste Leitzinserhöhung im Juni ist etwas weniger wahrscheinlich geworden, zumal die Fed diesen nicht auf ihrer Zinssitzung im April vorbereitet hat. Allerdings ist die Tür für eine Zinserhöhung im Juni unseres Erachtens noch nicht geschlossen.
Am 13. Mai veröffentlicht Eurostat erste BIP-Zahlen für Q1 auf Länderebene. Auch das Wachstum der Eurozone wird in einer zweiten Schätzung bekannt gegeben. Nachdem die Industrieproduktion im März recht deutlich rückläufig war – für die Eurozone insgesamt wurde ein Minus von 0,8% verbucht, für Deutschland lag dieses sogar bei 1,3% – ist davon auszugehen, dass die Wachstumsrate etwas nach unten korrigiert wird. Nichtsdestotrotz sollte sie unverändert eine hohe Dynamik aufweisen. Auch in Deutschland dürfte das BIP ordentlich zugelegt haben. Weitere wichtige Datenveröffentlichungen in den nächsten Tagen sind die Zahlen zur Industrieproduktion und Preisentwicklung sowie zum Bausektor in den USA. In diesem Zusammenhang ist genau auf die Äußerungen der zahlreichen US-Notenbanker zu achten. Wird eine Zinsanhebung im Juni vorbereitet oder kommt diese erst später im Jahr? In der aktuellen Gemengelage dürfte noch kein Platz für größere Zinsanstiege sein, d.h. die Staatsanleihen bleiben in einer Seitwärtsbewegung gefangen.
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