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10.05.16, 09:18

Trends monthly: China - Verschuldung steigt weiter

Das Wirtschaftswachstum fiel mit 6,7% (yoy) im ersten Quartal d.J. zufriedenstellend aus. Anlass zur Sorge gibt allerdings, dass dies maßgeblich durch verstärkte Kreditaufnahme ermöglicht wurde. Die hohe gesamtwirtschaftliche Verschuldung (2015: rd. 225% des BIP) wurde damit weiter in die Höhe getrieben.

Solides BIP-Wachstum im ersten Quartal

Nach einem eher schwachen Start in das Jahr legte das Wirtschaftswachstum in der zweiten Hälfte des ersten Quartals spürbar zu. Die Industrieproduktion stieg im März um 6,8% (yoy) an – der stärkste Wert der letzten 9 Monate. Der Einkaufmangerindex überschritt im März mit 50,2, erstmals seit Juli 2015 wieder den Wert von 50, ab dem eine Expansionsphase angezeigt wird. Auch das Wachstum des Einzelhandels legte im März zu (10,5%). Es lag allerdings bereits in den ersten beiden Monaten des Jahres mit jeweils 10,2% auf hohem Niveau, wodurch erneut deutlich wurde, dass die angestrebte Forcierung des Konsums auf einem guten Weg ist. Das BIP-Wachstum des ersten Quartals von 6,7% lag im Rahmen unserer Erwartungen, so dass wir unverändert für das Gesamtjahr von einem Wirtschaftswachstum von 6,5% ausgehen (2015: 6,9%)

Erneut deutliche Ausweitung der Kreditaufnahme

Das im Rahmen der Planungen und Erwartungen liegende Wirtschaftswachstum des ersten Quartals ist allerdings nur die eine Seite der Medaille. Anlass zur Sorge gibt die Tatsache, dass das Wachstum maßgeblich auf eine erneut deutlich gesteigerte Verschuldung zurückzuführen ist. Im März lag die Neukreditvergabe der Banken mit umgerechnet rd. 210 Mrd. USD knapp doppelt so hoch wie im Vormonat. Besonders stark wuchsen die Kredite an private Haushalte, die im März US$ 98 Mrd. erreichten, 164% über dem Vorjahresniveau bzw. 141% über dem Vormonatsniveau. Unternehmen nahmen zwar im März bei Banken weniger Kredite auf (125 Mrd. USD, -8% yoy, -17% mom), begaben dafür jedoch deutlich mehr Anleihen (März: 107 Mrd. USD, Februar: US$ 13 Mrd., März 2015: 22 Mrd.). Insgesamt zeichnet sich ein Bild, in dem die gegenwärtige Wachstumsdynamik erneut auf Pump finanziert wird. Angesichts der bereits sehr hohen Gesamtverschuldung des Landes - innerhalb von nur drei Jahren erhöhte sie sich per Ende 2015 um 40 Prozentpunkte auf rd. 225% des BIP – ist diese Entwicklung bedenklich. Sie macht auch deutlich, dass Wirtschaftswachstum im Zweifel doch höher gewichtet wird als der Abbau struktureller Ungleichgewichte. Die notwendige Entschuldung Chinas wird, ebenso wie der Abbau erheblicher Überkapazitäten in vielen Industriezweigen, nur sehr allmählich voranschreiten.

Debt-equity soll Entlastung bringen

Trotz der offiziell weiterhin niedrigen NPL-Quote von 1,7% ist es offensichtlich, dass von den überschuldeten und unter Überkapazitäten leidenden Unternehmen Risiken für das Bankensystem ausgehen. Um diese Gefahr zu mindern und trotzdem die Kreditversorgung auch maroder Unternehmen zu sichern (die Alternative umfangreicher Entlassungen kommt kaum in Betracht), plant die Regierung ein Debt-Equity Programm im geschätzten Umfang von umgerechnet 154 Mrd. USD aufzulegen. Für die Banken würde dies (verkraftbare) Abschreibungen von rd. 62 Mrd. USD bedeuten. Die Bankbilanzen würden von den notleidenden Krediten entlastet und die im Tausch erworbenen Unternehmensanteile an Verwaltungsgesellschaften ausgegliedert. Ob diese allerdings in der Lage sein werden, Investoren zu finden, die ihnen die Unternehmensbeteiligungen abnehmen, darf bezweifelt werden. Minderheitsanteile an staatlich dominierten, überschuldeten und an Überkapazitäten leidenden Unternehmen dürften schwer verkäuflich sein. De facto handelt es sich bei diesem angestrebten Program eher um eine Auslagerung in eine „bad bank“, denn um einen Debt-Equity-Swap.

Wohnungsverkäufe ziehen an

Die oben erwähnte deutliche Kreditaufnahme der privaten Haushalte wurde größtenteils für den Immobilienerwerb genutzt. Hier zeigten die in den vergangen Monaten erlassenen regulatorischer Erleichterungen beim Kauf von Immobilien Wirkung, so dass die Wohnungsverkäufe im ersten Quartal nominal um 54% bzw. real um 33% zulegten. Spurlos ging diese anspringende Nachfrage natürlich an den Anbietern nicht vorbei. Zumindest blieb die Zunahme an Neubauten (Jan bis Feb: +13,7%) aber hinter dem Anstieg der Verkäufe zurück. Tendenziell hat sich die Immobilienblase damit weiter abgebaut. Allerdings erreicht das Gesamtvolumen der Neubauvorhaben, auch nach einem Rückgang um 14,0% in 2015, immer noch knapp das Fünffache der Verkäufe in 2015.

Devisenabfluss ebbt ab

In der Erwartung, dass der Renminbi stärker als in der Vergangenheit abwerten dürfte, kam es von Oktober bis Januar zu verstärkten Bemühungen chinesischer Unternehmen, ihre USD-Schulden abzubauen. In der Folge nahmen die Devisenreserven deutlich ab. Angesichts der Restriktionen beim Kapitalverkehr wurde der „Transfer“ der Devisen vielfach durch Überfakturierungen chinesischer Importe bewerkstelligt. Nachdem sich seit Jahresanfang die Einschätzung durchgesetzt hat, dass es in 2016 zu keiner erheblichen Abwertung des Renminbi kommen wird und die Schlupflöcher der Überfakturierung vermutlich weitgehend geschlossen wurden, zeichnet sich gegenwärtig ein Abebben des Devisenschwundes ab. So ist der Devisenbestand von November bis Januar pro Monat zwar um rd. 100 Mrd. USD geschrumpft. Jedoch lag der Rückgang im Februar nur noch bei 28,6 Mrd. USD und im März erhöhten sich die Reserven sogar um 10,3 Mrd. USD Bereinigt um Bewertungseffekte (schwächerer USD) i.H.v. rd. 35 Mrd. USD ergibt sich jedoch für März eine ähnliche Abnahme wie im Vormonat.


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