Wachstum präsentiert sich unerwartet stark. Dessen ungeachtet signalisiert die EZB weiter Handlungsbereitschaft.
Nach einer ersten Schnellschätzung ist das BIP in der Eurozone zum Jahresauftakt 2016 überraschend stark um 0,6% im Vergleich zum Vorquartal gewachsen. Damit hat sich die Dynamik der Konjunkturerholung spürbar erhöht. Dieses Ergebnis ist erstaunlich vor dem Hintergrund, dass die Abwärtsrisiken für die Währungsunion zuletzt stets als gestiegen wahrgenommen worden sind. Denn die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten zu Jahresbeginn sowie die globale Konjunkturschwäche hatten für Verunsicherung gesorgt. Dazu kamen höhere politische Risiken – die Schwierigkeiten mit der Bewältigung der Flüchtlingskrise, der drohende Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) und die damit verbundenen Folgen sowie die politischen Hängepartien in der Euro-Peripherie (Portugal, Spanien). Doch anscheinend sind die daraus resultierenden Abwärtsrisiken für die Eurozone als zu hoch eingeschätzt worden oder aber sie manifestieren sich erst zu einem späteren Zeitpunkt. Wir heben daher unsere BIP-Prognose für 2016 leicht auf 1,4% an. Ungeachtet der guten Konjunkturentwicklung signalisiert die EZB vor dem Hintergrund der niedrigen Inflationsraten – im April lag die Jahresteuerung bei -0,2% – unverändert Handlungsbereitschaft.
Wachstum zum Jahresauftakt überraschend stark
Nach einer ersten Schnellschätzung hat das BIP in der Eurozone zu Jahresbeginn preis-, kalender- und saisonbereinigt mit einem Wachstum von 0,6% gegenüber dem Vorquartal unerwartet deutlich zugenommen. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich das BIP um 1,6%. Im Vergleich zu den Vorquartalen hat sich die Konjunktur damit spürbar dynamischer erholt – in den vergangenen beiden Quartalen lag die Wachstumsrate bei 0,3%. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Daten auf einer Schnellschätzung nach neuem System beruhen. Eurostat veröffentlicht ab diesem Quartal eine erste Schätzung zum BIP bereits jeweils 30 Tage nach Quartalsende. Revisionen bei späteren Veröffentlichungsterminen sind mit der neuen (schnelleren) Methode etwas wahrscheinlicher geworden, da ein größerer Teil relevanter Informationen noch nicht vorhanden ist und geschätzt werden muss. Nach Angaben von Eurostat sollten sich die Revisionen aber in Grenzen halten.
Überraschend ist das gute BIP-Ergebnis für das erste Quartal vor allem vor dem Hintergrund der zu beobachtenden Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten sowie der sich schwächer als erwartet entwickelnden globalen Konjunktur. Möglicherweise sind die damit verbundenen Abwärtsrisiken für die Eurozone im Folgenden jedoch überzeichnet worden, so dass unsere Wachstumsprognose für 2016 von 1,2% etwas zu pessimistisch erscheint. Wir heben diese daher auf 1,4% an. Aufgrund der neuen Methode liefert Eurostat bei der ersten Schnellschätzung keine Aufteilung des Ergebnisses auf die einzelnen Länder der Eurozone. Dies erfolgt am 13. Mai (45 Tage nach Quartalsende). Die tiefergehenden Einzelheiten zu den Komponenten des BIP werden sogar erst am 7. Juni veröffentlicht. Von den nationalen Statistikämtern liegen bereits die Ergebnisse zum Q1-BIP für Spanien und Frankreich vor, wobei die Wirtschaft insbesondere in Frankreich mit einem Zuwachs von 0,5% gegenüber dem Vorquartal überraschend stark expandiert ist. Spanien konnte mit einem Plus von 0,8% seine Wachstumsdynamik aufrechterhalten, was weniger überraschend, aber nichtsdestotrotz eine gute Neuigkeit war.
EZB signalisiert weiterhin Handlungsbereitschaft, dürfte aber zunächst die Wirkung ihrer Maßnahmen abwarten wollen.
Wie erwartet hat die EZB auf ihrer Zinssitzung am 21. April keine neuen geldpolitischen Maßnahmen beschlossen. Damit liegen die Leitzinsen sowie der Zinssatz für die Einlage- und Spitzenrefinanzierungsfazilität unverändert auf ihren Niveaus bei 0%, -0,40% und 0,25%. EZB-Präsident Mario Draghi betonte erneut, dass die Leitzinsen auch weit nach dem Ablauf des Anleiheankaufprogramms – derzeit terminiert auf Ende März 2017 – auf dem aktuell niedrigen Niveau oder tiefer liegen könnten. Die Handlungsbereitschaft der EZB ist weiterhin hoch. Die Notenbank ist, falls nötig, bereit, alle erdenklichen geldpolitischen Instrumente einzusetzen, damit sich die aktuell sehr niedrigen Inflationsraten in der Eurozone nicht verfestigen. In diesem Zusammenhang wurde erneut Helikopter-Geld als interessantes Konzept erwähnt, aber auch darauf hingewiesen, dass dieses nicht näher im EZB-Rat diskutiert worden ist. Wir gehen davon aus, dass die EZB zunächst keine neue Lockerung der Geldpolitik beschließen dürfte. Zwar sollten die Inflationsraten in der Eurozone niedrig bleiben und sich erst zum Jahresende etwas erhöhen. Nichtsdestotrotz dürften die Notenbanker die Wirkung ihrer bereits beschlossenen Maßnahmen auf die Kreditvergabe und die Konjunktur in der Eurozone abwarten bzw. bewerten wollen. Daher rechnen wir mit keinen weiteren Lockerungsschritten vor der zweiten Jahreshälfte 2016, zumal die Instrumente der Notenbank zunehmend ausgeschöpft sind. Sollten weitere Schritte aus Sicht der EZB notwendig sein, könnte das eine erneute Absenkung des Einlagezinssatzes und/oder eine Verlängerung des Anleiheankaufprogramms über den März 2017 hinaus sein.
Außerdem wurden die Details des im März beschlossenen Kaufprogramms von Unternehmensanleihen veröffentlicht. Die Käufe sollen sich auf in Euro denominierte Papiere von Unternehmen beziehen, die ein Investment Grade-Rating haben und in der Eurozone beheimatet sind, und ab Juni starten. Gekauft werden können auch Titel von Versicherungen, aber nicht von Banken. Möglich sind Käufe am Primär- und Sekundärmarkt. Kauffähig sind Papiere mit einer Restlaufzeit von sechs Monaten bis zu dreißig Jahren, wobei maximal 70% des Emissionsvolumens erworben werden dürfen. Damit kommen Unternehmensanleihen im Volumen von rund 700 Mrd. Euro für die Ankäufe in Frage.
Bund-Renditen: Abwärtstrend verlassen?
Die Bund-Renditen haben ihren Abwärtstrend durchbrochen und konnten zuletzt einen moderaten Anstieg verzeichnen – insbesondere die langfristigen Renditen. Während die 2jährigen Bundesanleihen leicht höher bei rund -0,50% rentieren, sind die 10jährigen immerhin auf über 0,20% gestiegen und haben damit wieder Abstand zu ihrem Tiefststand nahe der Nulllinie gewinnen können. Zurückzuführen ist der Zinsanstieg auf die bessere Stimmung an den internationalen Finanzmärkten. So werden die Risiken für die globale Konjunkturentwicklung als weniger gravierend eingeschätzt, was die Aktienmärkte beflügelt hat. Gleichzeitig hat der Ölpreis in den vergangenen Wochen spürbar angezogen, womit steigende Inflationsraten in Aussicht gestellt werden. Das könnte die EZB zu einer weniger expansiven Geldpolitik verleiten und hat entsprechend zu Kursverlusten an den Rentenmärkten geführt.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung halten wir unverändert an unserer Zinsprognose fest, die zunächst eine Seitwärtsbewegung und in der zweiten Jahreshälfte einen moderaten Anstieg der Renditen beinhaltet. Dieser Zinsanstieg dürfte sich dann im kommenden Jahr leicht beschleunigen. Für höhere Renditen sprechen die weitere Konjunkturerholung in der Eurozone, die noch stärker an Fahrt aufnehmen sollte, die Leitzinsanhebungen in den USA, von denen sich hierzulande nicht komplett abgekoppelt werden kann, sowie die abnehmenden globalen Risiken, die Bundesanleihen als sicheren Hafen weniger gesucht sein lassen. Nichtsdestotrotz sorgt die ultralockere Geldpolitik der EZB, bei der auch weitere Lockerungsschritte nicht ausgeschlossen sind, unverändert für ein Niedrigzinsumfeld, bei dem die Rendite der 10jährigen Bundesanleihen bis Ende Juni 2017 nicht einmal 1% erreichen sollte.
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