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25.03.16, 11:39

Devisen monthly: Das Brexit-Risiko prägt den Wert des Pfundes

EUR/GBP legte im Vergleich zu Ende Januar von 0,76 auf 0,78 zu, was einer Abwertung des Pfundes von 2,6% entspricht. Grund hierfür sind vor allem die an Fahrt zunehmende Brexit-Debatte und die damit verbundenen Unsicherheiten für die britische Wirtschaft, die das Pfund belasten (Referendum am 23. Juni).

Die konjunkturelle Stimmung in Großbritannien sendet eher schwache Signale und kann somit keine monetäre Straffung durch die Bank of England begründen: Zwar stieg das BIP im 4. Quartal 2015 um 1,9% (yoy), jedoch nahm die Industrieproduktion im Januar im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,2% zu und das Output des produzierenden Gewerbes sank auf Jahressicht um 0,1%. Außerdem enttäuschte der PMI im Dienstleistungssektor, der von 55,6 im Januar auf 52,7 im Februar fiel und auch der PMI-Gesamtindex fiel um 3,3 Punkte auf 52,8 im Februar. Die momentane Inflationsrate lässt nicht auf eine baldige Leitzinsanhebung durch die BoE schließen: Die CPI-„Headline“ stieg im Januar nur um 0,3% (yoy) und die Kerninflationsrate im gleichen Zeitraum um 1,2% (yoy). Somit belässt die britische Zentralbank auf ihrer Sitzung am 17. März den Leitzins auf seinem derzeitigen Niveau von 0,5%. Sie betont vor allem das mögliche Ausscheiden Großbritanniens aus der EU und die wirtschaftliche Schwäche der Emerging Markets als entscheidende Risiken für die britische Wirtschaft.

Die Brexit-Debatte lässt das Pfund trotz des von Premierminister David Cameron ausgehandelten Deals mit der EU auf dem Gipfel am 19. Februar abwerten, der ein ausgeweitetes Mitspracherecht Großbritanniens in der Eurozone, eine Begrenzung der politischen Integrität sowie eine Kürzung von Sozialleistungen an ausländische EU-Bürger beinhaltet. Cameron erhofft sich mit diesem Deal das „In“-Lager in seinem Land vergrößern zu können, dem er selbst angehört und den Gegnern der EU die Argumentationsgrundlage zu entziehen. Auch in seiner eigenen Regierung und Partei stellen sich einige Personen offen gegen die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens: Zum einen gibt es dort Michael Grove, den britischen Justizminister und zum anderen, noch viel wichtiger, Boris Johnson, den Bürgermeister von London, der selbst auf den Posten Camerons schielt, sollte dieser mit dem Referendum scheitern und zurücktreten. Aktuellen Umfragen zufolge liegen beide Lager gleichauf.

Sollte es tatsächlich zu einem Brexit kommen, würde dies nach Meinung des britischen Zentralbankchefs Mark Carney die Finanzmarkstabilität gefährden, insbesondere vor dem Hintergrund der starken Konzentration von Finanzinstituten in der City of London, die im Falle eines Ausstiegs aus der EU in andere Länder abwandern könnten. Außerdem rechnet die BoE mit sinkenden (Auslands-)Investitionen und einem geringeren Konsum. Damit positioniert sich der Chef der britischen Notenbank klar gegen den Brexit. Martin Weale, Mitglied der britischen Notenbank, vertritt die Auffassung, dass Raum für monetäre Lockerungen bestehe, sollte die Inflation nicht wie erhofft anziehen. Außerdem glaubt er, dass eine Abwertung des Pfundes zu einer steigenden Wettbewerbsfähigkeit der international ausgerichteten britischen Wirtschaft führen könnte. Ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union würde das ohnehin angeschlagene Staatenbündnis weiter schwächen: Andere EU-Länder dürften mit ähnlichen politischen Maßnahmen drohen, sollten sie nicht auch ein stärkeres Mitspracherecht bekommen. Diese Risiken dürften den Euro zunehmend unter Druck setzen.

Auf Grund der Brexit-Debatte, dessen Ausgang erst mit dem Referendum am 23. Juni feststehen wird und den damit verbundenen Unsicherheiten, erwarten wir einen weiterhin volatilen EUR/GBP Wechselkurs. Wir gehen davon aus, dass Großbritannien in der EU verbleibt und das Pfund bis zum Juli auf 0,74 und bis Ende 2016 auf 0,72 zulegen wird.


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