Der Euro nach dem EZB-Zinsentscheid - geschüttelt oder gerührt?
Vor dem Hintergrund einer deutlichen Abwärtsrevision ihrer Inflationsprognosen (2016: 0,1 %, bisher 0,5 %; 2017: 1,3 %, bisher 1,6%) hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik beim Zinsentscheid am 10. März weiter gelockert. Die Devisenmärkte haben recht gelassen auf die Ausweitung der geldpolitischen Lockerung reagiert, obwohl die EZB mehr Maßnahmen als erwartet angekündigt hat.
Dies sind: 1. Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes von 0,05 % auf 0,00 %. 2. Senkung des Spitzenrefinanzierungssatzes von 0,30 % auf 0,25 %. 3. Senkung des Einlagenzinssatzes von -0,30 % auf -0,40 %. 4. Erhöhung der monatlichen Anleiheankäufe von 60. Mrd. Euro auf 80 Mrd. Euro ab April. 5. Start eines Ankaufprogramms von Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors. 6. Vier zielgerichtete Langfristtender mit einer Laufzeit von vier Jahren. Der erste Langfristtender startet im Juni. Als Untergrenze für die Kreditkonditionen der Tender hat die EZB den Einlagensatz festgelegt.
Nach anfänglicher Abwertung mit der Bekanntgabe der neuen EZB-Maßnahmen hat sich der Euro während der EZB-Pressekonferenz zum Zinsentscheid bereits wieder gefestigt und konnte im Tagesverlauf gegenüber den wichtigen Währungen der Weltwirtwirtschaft wie dem US-Dollar, chinesischen Renminbi-Yuan, japanischen Yen und britischen Pfund zulegen. Dabei hat der Euro aber nur einen Teil der Wertverluste gegenüber dem US-Dollar, dem Yen und der chinesischen Währung aus den vorangegangenen Wochen wieder aufholen können.
Ob die Geldpolitik der EZB den Euro nachhaltig weiter schwächen kann, hängt nun vor allem von der Reaktion der Zentralbanken der jeweiligen Währungspartner ab. Für den Euro-US-Dollar-Wechselkurs rechnen wir nach wie vor mit dem Erreichen der Parität in 2017. Diese Prognose beinhaltet allerdings auch eine US-Notenbank, die den Leitzins bis Ende 2017 auf
2,00 % anhebt, während wir für die EZB noch bis Mitte 2019 von einem Hauptrefinanzierungssatz von 0,00 % ausgehen.
EZB-Präsident Draghi hat auf der Pressekonferenz zum Zinsentscheid am 10. März mit Nachdruck betont, dass die EZB sich mit den jüngsten Maßnahmen nicht an einem Abwertungswettlauf beteiligt. Wäre dies ihre Absicht gewesen, so hätte sie direkt auf Auslandswährungen laufende Wertpapiere angekauft.
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