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04.02.16, 15:15

EZB-Kommentar: Nicht vorschnell urteilen

Eines fernen Tages wird man auf die aktuelle Geldpolitik der EZB schauen, sie Revue passieren lassen und – nicht ganz unwichtig – ihren Erfolg anhand der von der EZB ausgegebenen Ziele überprüfen. Die Notenbank zielt mit ihrer expansiven Geldpolitik erstens auf die Gewährleistung von Preisniveaustabilität in der Eurozone ab, die sie bei Inflationsraten von knapp 2% als gegeben ansieht. Zweitens möchten die Währungshüter die Kreditvergabe der Banken an Haushalte und vor allem Unternehmen ankurbeln, um darüber die Investitionstätigkeit und schlussendlich die Konjunktur zu stimulieren. Letzteres erhöht die Kapazitätsauslastung, was die Preissetzungsmacht der Unternehmen stärken und auf diese Weise die Preise wieder nach oben klettern lassen sollte. Um die Kreditvergabe anzuheizen, muss die EZB einerseits die Finanzierungsbedingungen vergünstigen und damit attraktiver machen und andererseits Anreize für Banken schaffen, ihre Kreditvergabe auszuweiten, möglicherweise auch über eine Lockerung der Kreditvergabestandards. Schon jetzt gibt die EZB Jubelmeldungen heraus, in denen sie den Erfolg ihrer geldpolitischen Maßnahmen – insbesondere die positive Kreditentwicklung – sehr offensiv betont.

Es ist jedoch nicht alles Gold, was glänzt. Was die Preisentwicklung in der Eurozone anbelangt, ist derzeit wenig Besserung in Sicht. Trotz der geldpolitischen Lockerungen der Notenbank kommen die Inflationsraten nicht hoch; im Gegenteil, der Inflationsausblick verschiebt sich immer stärker nach unten. Das liegt hauptsächlich am zuletzt entgegen den Erwartungen weiter eingebrochenen Ölpreis, den die EZB mit ihrer Politik nicht beeinflussen kann. Zuerst muss sich dieser wieder stabilisieren bzw. erhöhen, damit die Inflationsraten nach oben tendieren können. Längerfristig dürfte die Teuerung mit einem aller Wahrscheinlichkeit nach steigenden Ölpreis anziehen – wie schnell aber das Preisziel der EZB bei knapp 2% erreicht wird, hängt maßgeblich von der Konjunkturdynamik ab. Diese können die Währungshüter versuchen über ihre Geldpolitik kurzfristig zu stimulieren, ein nachhaltiger Effekt ergibt sich aber erst durch strukturelle Reformen der Euro-Länder.

Die Kreditvergabe läuft auch noch nicht rund. Zwar konnten zuletzt positive Veränderungsraten verzeichnet werden, nachdem diese über einen längeren Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft waren. Zum Jahresende musste allerdings ein Rückschlag hingenommen werden, was die bisherigen Aussagen der EZB relativiert.

So expandierte die Geldmenge M3 mit 4,7% weniger stark als noch im Vormonat (5,0%). Verantwortlich für das enttäuschende M3-Ergebnis war vor allem ein überraschend deutlicher Rückgang des Kreditvolumens an den Privatsektor um 42 Mrd. Euro im Vergleich zu November. Das hat die Jahresrate von 1,2% auf 0,6% halbiert. Die Detaildaten zur Kreditvergabe ergeben, dass die Kredite an die Haushalte (bereinigt um Kreditverkäufe und -verbriefungen) unverändert einen Zuwachs von 1,4% gegenüber dem Vorjahr (+2 Mrd. Euro im Vergleich zum November), die Kredite an Nichtfinanz-Unternehmen jedoch nur noch ein Plus von 0,3% (-21 Mrd. Euro im Vergleich zum November) ausweisen.

Das zeigt, dass die Entwicklung im Bereich der Kredite an die privaten Haushalte vergleichsweise stabil und moderat aufwärts gerichtet ist. Im Gegensatz dazu scheint die Situation bei den Unternehmenskrediten weiterhin recht fragil zu sein. Festzuhalten ist, dass die EZB sich zurückhaltender in ihren Aussagen geben und ihre Geldpolitik nicht vorschnell rühmen sollte. Doch angesichts der umfangreichen Risiken, die mit ihrer Lockerungspolitik einhergehen – u.a. Asset-Preis-Blasen, Sparer durch Niedrigzinsumfeld ­unter Druck –, sieht sich die Notenbank anscheinend genötigt, schon jetzt Teilerfolge ihrer Geldpolitik zu vermelden.

 

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