Schlechte Stimmung an den Öl- und Aktienmärkten schickt US-Renditen in den Keller und sorgt für stagnierende Bunds.
Der fortgesetzte Absturz des Ölpreises (siehe S. 1) sowie die Terroranschläge in Istanbul und Jakarta haben die Stimmung an den Aktienmärkten belastet, zumal auch die Unternehmensergebnisse im Rahmen der anlaufenden US-Berichtssaison nicht überzeugen konnten. In China gab der Shanghai Composite Index überdurchschnittlich nach und das gleiche gilt für Rohstoffe wie Kupfer und Kohle. Die US-Renditen sind in diesem Umfeld gefallen, während bei den Bunds im Berichtszeitraum eine Seitwärtsbewegung zu beobachten war. Die ordentlichen deutschen BIP-Zahlen für das Jahr 2015 (1,7%) vermochten daran nichts zu ändern.
Die wenig veränderten Renditen bei den Bunds sind etwas überraschend, da der erneute Rückgang des Ölpreises bereits breite Diskussionen über den Handlungsbedarf der EZB in der kommenden Woche ausgelöst hat. Äußerungen von Peter Praet, dem Chefvolkswirt der EZB, weisen denn auch in diese Richtung: „Wenn man genug Geld druckt, dann bekommt man immer Inflation. Immer“. Das erinnert stark an den früheren Fed-Präsident Bernanke, der in einer berühmt gewordenen Rede im Jahr 2002 genau diese Worte verwendete. Er hat diese Sicht in den Krisenjahren in Form von QE1 bis QE3 konsequent umgesetzt. Jetzt wird aber verstärkt über die Risiken dieser Politik debattiert. Die Mehrheit der EZB dürfte diese Debatte ignorieren und von daher wird der fallende Ölpreis wahrscheinlich dazu führen, dass Notenbankpräsident Mario Draghi in der kommenden Woche eine weitere Lockerung der Geldpolitik rhetorisch vorbereitet. Eventuell kommt es bereits zu einer Senkung des Einlagenzinssatzes von -0,3% auf -0,4%.
Eine andere Entwicklung hat ebenfalls das Potenzial, die Bund-Renditen tiefer in den Keller zu schicken: In Spanien ist noch nicht absehbar, welche Parteien sich auf eine Regierungskoalition einigen können. Die Sozialistische Partei PSOE lehnt den Vorschlag von Ministerpräsident Mariano Rajoy ab, eine Koalition mit dessen konservativer Partei PP sowie der liberal gesinnten Partei Ciudadanos zu bilden. Theoretisch wäre ein Bündnis von PSOE, Podemos und Ciudadanos eine Alternative, die Differenzen scheinen aber zu groß zu sein. Spätestens in zwei Monaten muss eine Regierung stehen, ansonsten käme es zu Neuwahlen. Die Probleme des griechischen Ministerpräsidenten sind in ihrer Substanz vielleicht noch gravierender. So muss die Regierung u.a. eine Rentenreform durchführen, die für viele Berufsgruppen große Einschnitte nach sich zieht. Angesichts einer Mehrheit von nur drei Stimmen ist es fraglich, ob die Abstimmung im Parlament (23.1. bis 25.1.) für Tsipras erfolgreich verlaufen wird. Neue Spannungen mit der Eurogruppe (Treffen am 14.1. und 11.2. in Brüssel) könnten die Märkte zusätzlich nervös machen.
Insgesamt gibt es kaum Hinweise auf einen kurzfristigen Anstieg der Staatsanleiherenditen. Sollte der Ölpreis weiter fallen, könnten die Renditen folgen. Nur eine kräftige Erholung der Aktienmärkte würde den Renditen Auftrieb geben.
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