Die Enttäuschung über die EZB-Entscheidung vom 3.12. prägte das Marktgeschehen. Statt das Anleiheankaufvolumen aufzustocken und den Einlagenzins kräftig zu senken, kündigte Notenbankpräsident Mario Draghi lediglich eine Verlängerung des QE-Programms bis März 2017 sowie eine Reduktion des Einlagenzinssatzes um 10 bp auf -0,3%.
Die weiteren Maßnahmen (Ausweitung des Anleihespektrums auf Kommunal- und Bundesländeranleihen, Verlängerung der Vollzuteilung) waren erwartet worden. Die Entscheidung, die Fälligkeiten von Anleihen wieder zu reinvestieren, wird zunächst so gut wie keine Auswirkungen haben, da in den nächsten beiden Jahren kaum Anleihen aus dem EZB-Portfolio fällig werden. Insgesamt haben die Währungshüter einige Investoren offensichtlich kalt erwischt, wie aus dem sprunghaften Anstieg der kurz- und langfristigen Bund-Renditen um rund 30 bp sowie der dramatischen Aufwertung des Euros abzulesen war.
Die Tatsache, dass Draghis Ankündigungen unter den Erwartungen geblieben sind, regte zu Spekulationen an, dass der EZB-Präsident in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkter ist als bisher. Das hätte wichtige Konsequenzen für die Rentenmärkte: Wenn die Möglichkeit, den Rentenmarkt über eine Aufstockung des QE-Programms gegebenenfalls stärker zu stützen, entfällt, dann wird es für die europäische Notenbank noch schwieriger, sich dem Zinsanstieg aus den USA zu entziehen. Dort wird voraussichtlich am 16.12. die Zinswende eingeleitet. Die US-Notenbank wird gemäß unserer Erwartung die Bandbreite des Leitzinses von derzeit 0 – 0,25% auf 0,15 – 0,35% anheben. Gegner einer Zinsanhebung verweisen auf die Schwäche im Verarbeitenden Gewerbe, das durch den Rückgang des entsprechenden ISM-Indizes auf unter 50 Punkte bestätigt wird.
Die Arbeitsmarktdaten sprechen für die Gesamtwirtschaft jedoch eine andere Sprache: Die Beschäftigung ist im November um 211.000 Personen gestiegen, der Vormonatswert kräftig nach oben revidiert worden und die Arbeitslosenrate bei einer gleichzeitig leicht steigenden Partizipationsrate bei 5,0% geblieben. Fazit: Nur ein Finanzmarktschock wird Fed-Chefin Janet Yellen von einer Zinsanhebung abhalten, während die Konjunkturindikatoren der kommenden Tage (Bausektor, Industrieproduktion, Inflation) keine Kursänderung herbeiführen dürften.
In der Pressekonferenz wird man dann lauschen müssen, wie sich Yellen den Zinsanhebungszyklus bezüglich Tempo und Schrittgröße vorstellt. Wir gehen von 20 bp pro Quartal aus, so dass der Leitzins per Ende 2016 bei 0,95 – 1,25% liegen dürfte. In der Eurozone stehen der ZEW- und der Ifo-Index auf der Agenda. Letzterer war zuletzt überraschenderweise gestiegen, was sich in diesem Monat angesichts der zuletzt gestiegenen Auftragseingänge sogar wiederholen könnte. Die Stimmung in der Eurozone könnte jedoch durch die Politik eingetrübt werden: Bei der zweiten Runde der Kommunalwahlen in Frankreich deutet sich ein Erfolg des rechtsradikalen Front National an, womit die Einheit Europas noch stärker in Frage gestellt werden könnte.
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