Der Ölpreis (Brent) hat in den vergangenen Tagen weiter nachgegeben und ist kurzfristig sogar unter ein Niveau von 40 US-Dollar/Fass gefallen. Damit müssen aktuell niedrigere Preise für Brent bezahlt werden als auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise 2008, als die Weltwirtschaft und entsprechend die Ölnachfrage einbrach. Das ist erstaunlich vor dem Hintergrund, dass wir uns derzeit nicht in einem solchen Krisenszenario befinden. Zwar ist eine konjunkturelle Abschwächung in den Schwellenländern – insbesondere in China – zu beobachten, die stärker als erwartet ausfällt und den Wachstumspfad der Weltwirtschaft sowie die Ölnachfrage hemmt. Gleichzeitig ist ein reichhaltiges Ölangebot mit hohen Lagerbeständen zu verzeichnen, was zusammen die Preise drückt. Nichtsdestotrotz ist die Gesamtsituation weit weniger dramatisch als während der Finanzmarktkrise.
Die Probleme auf dem Ölmarkt werden verschärft durch das Verhalten der OPEC-Länder. Deren Strategie ist es, über tiefere Ölpreise Marktanteile zu halten bzw. zurückzuerobern und den Ölboom in den USA zu stoppen. Der fortgesetzte Ölpreisrückgang in den letzten Monaten hat die OPEC zwar zum Nachdenken gebracht, doch letztlich hat das Kartell auf seinem Treffen am 4. Dezember keine Drosselung der Fördermenge beschlossen, um sich dem Preisverfall entgegenzustemmen. Ganz im Gegenteil, in der Presseerklärung des Treffens wurde die bisher gültige OPEC-Fördergrenze von 30 Mio. Fass pro Tag nicht mehr erwähnt. Das deutet darauf hin, dass sich das Kartell nicht mehr an diese Grenze gebunden fühlt.
Die OPEC präsentiert sich tief gespalten, was eine einheitliche Ölförderpolitik zunehmend erschwert. Die niedrigen Ölpreise lassen insbesondere die kleinen und mittleren Förderländer, wie zum Beispiel Venezuela, nach einer Fördermengenreduzierung rufen. Für diese sind die Ölpreise auf Niveaus angekommen, mit denen sie ihren Haushalt nicht mehr finanzieren können. Große Förderländer wie Saudi-Arabien haben mehr finanziellen Spielraum und können die niedrigen Preise länger durchhalten, um Marktanteile zurückzugewinnen. Aber bei den derzeitigen Ölpreisen sollte auch Saudi-Arabien so langsam die Puste ausgehen. Noch votiert das Land jedoch strikt gegen eine Fördermengenkürzung. Auf der gleichen Seite stehen Länder wie der Iran oder Irak, die unbedingt zukünftig mehr Öl produzieren und sich nicht vorschreiben lassen wollen, wie viel Öl sie fördern dürfen.
Der Ölmarkt scheint im Umbruch begriffen zu sein, wo die hohen Investitionen der Vergangenheit zu einer Ölschwemme geführt haben, mit denen die Ölnachfrage nicht Schritt halten kann. Das bedeutet, die Ölpreise werden vorerst auf niedrigen Niveaus verharren, auch wenn die anziehende Weltwirtschaft zumindest leichte Preissteigerungen möglich machen sollte. Theoretisch könnte die Strategie der OPEC aufgehen, mit den niedrigen Preisen die kostenintensive US-Schieferölproduktion sukzessive aus dem Markt zu drängen. Denn die veröffentlichten Zahlen belegen, dass die Investitionstätigkeit in den USA zurückgeht, was zukünftig eine niedrigere Produktion bedeuten würde. Vor allem Saudi-Arabien kann aufgrund seiner geringen Produktionskosten die gesunkenen Ölpreise überstehen, doch längerfristig kann auch das Land an seine finanzielle Belastungsgrenze geführt werden. Es wäre gut, rechtzeitig die Strategie zu ändern, denn der Markt scheint in eine Art Abwärtsspirale gekommen zu sein.
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