Mit dieser Marktreaktion auf die Beschlüsse der Zinssitzung vom 3. Dezember hatte die EZB wohl kaum gerechnet: Die Renditen der Bundesanleihen sind spürbar gestiegen – die 10jährigen Bund-Renditen sind von knapp 0,50% auf über 0,70% geklettert –, der Dax hat um 600 Punkte nachgegeben und der Euro gegenüber dem US-Dollar von rund 1,05 auf über 1,09 aufgewertet! Das ist nicht zu glauben, denn die Notenbank hat zu einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik ausgeholt und ein Ende der Lockerungspolitik ist nicht in Sicht. Zudem steht die Marktreaktion ganz im Gegensatz zu dem, was die EZB erreichen will: Niedrige Zinsen, um die Kreditvergabe zu stimulieren und die Investitionstätigkeit anzukurbeln, eine Schwächung des Euros zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und eine zunehmende Vermögensbildung der Privaten Haushalte über steigende Aktienkurse und Immobilienpreise.
Die Währungshüter haben fünf Maßnahmen beschlossen, um sich den niedriger als erwartet ausfallenden Inflationsraten und dem sich damit nach unten verschiebenden mittelfristigen Inflationsausblick entgegenzustemmen. Der Einlagensatz wurde um 10 bp auf -0,30% reduziert, und das Anleiheankaufprogramm von Ende September 2016 bis mindestens Ende März 2017 verlängert. Letzteres bedeutet, dass die Notenbanker sechs Monate länger Anleihen an den unterschiedlichen Märkten erwerben, so dass sich das Gesamtvolumen um 360 Mrd. Euro auf 1500 Mrd. Euro summiert. Darüber hinaus hat die EZB entschieden, anstehende Fälligkeiten gekaufter Anleihen so lange wie nötig wieder am Markt zu reinvestieren, womit die Liquidität nicht abgeschöpft wird und sich die Bilanzsumme der Notenbank nicht reduziert. Allerdings dürfte das frühestens 2017 zum Tragen kommen, denn dann werden die ersten gekauften Anleihen fällig. Des Weiteren hat die EZB ihr anzukaufendes Anleihespektrum auf Anleihen von Kommunen und Bundesländer erweitert und die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und 3-Monats-Tender sollen als fest verzinsliche Tender mit Vollzuteilung bis Ende 2017 durchgeführt werden. Dagegen werden die gezielten Langfristtender (TLTROs), die im Juni 2016 auslaufen, nicht verlängert.
Das ist ein ganzes Maßnahmenbündel, doch den Marktteilnehmern gingen die Beschlüsse nicht weit genug, so dass sie entsprechend enttäuscht auf diese reagierten. Anscheinend waren die Erwartungen sehr hoch hinausgeschossen, weil EZB-Präsident Draghi auf der Zinssitzung im Oktober explizit keine geldpolitische Maßnahme ausgeschlossen hatte, um das Inflationsziel zu erreichen. So standen auch eine Erhöhung der monatlichen Ankaufvolumina um 10 bis 30 Mrd. Euro auf 70 bis 90 Mrd. Euro sowie eine stärkere Reduzierung des Einlagenzinssatzes im Raum. Doch der Lockerungskurs der EZB muss nicht beendet sein. Falls die Inflationsentwicklung weiter abwärts gerichtet sein sollte, wird die EZB nicht zögern zu handeln. In Bezug auf das Erwartungsmanagement des Marktes ist aber zukünftig mehr Fingerspitzengefühl angesagt. Vor allem sollte die Notenbank sich mit Äußerungen zurückhalten, die ihre Handlungsbereitschaft nach dem Motto von „whatever it takes“ signalisieren, denen sie dann aber angesichts eines fehlenden Konsens innerhalb des EZB-Rates keine Taten folgen lassen kann. Damit wären neue Enttäuschungen und eine Marktreaktion, die den Zielen der EZB zuwiderläuft, vorprogrammiert.
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