EUR/USD: Zinswende im Dezember schickt Euro in den Keller
Das EUR/USD-Währungspaar hat in der Berichtsperiode kräftig nachgegeben. Zur Zeit liegt der Kurs bei knapp 1,07 und steht damit im Vergleich zum Vormonat etwa 6% niedriger. Grund für die Aufwertung des Dollars ist die Veränderung der Kommunikationsstrategie der Fed, nachdem die Zinswende im September überraschend ausblieb. In der Oktober-Sitzung des FOMC wurden die im September geäußerten Bedenken bezüglich des weltwirtschaftlichen Umfeldes aber weitestgehend ausgeräumt und der Ausblick auf die US-Konjunktur wieder positiver dargestellt. Daraufhin stieg die aus den Fed-Funds-Futures abgeleitete Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung im Dezember auf zuletzt 66 Prozent.
Von konjunktureller Seite her spricht derzeit einiges dafür, dass der offenbar anvisierte Termin zur Zinswende im Dezember günstig ist. Insbesondere der für die Inflationsprognose entscheidende Arbeitsmarkt zeigt sich nach den jüngsten Daten in sehr guter Verfassung. Die Arbeitslosenquote sank auf nun 5,0% und kommt damit dem geschätzten Vollbeschäftigungsniveau von 4,9% immer näher. Mit einer Jahresrate von 2,5% stiegen auch die Löhne im Oktober kräftig an, was sowohl den privaten Konsum stützt als auch den Preisdruck erhöht. Unter den Schwierigkeiten in China leidet vor allem die Industrie, wo der ISM mit einem Niveau von 50,1 und die Auftragseingänge mit einer Wachstumsrate von -1,0% mom weiterhin schwach bleiben. Der Konsum- und Dienstleistungssektor hingegen ist weiterhin stark; so stieg etwa der ISM im Dienstleistungssektor von knapp 57 auf 59 Punkte. Das BIP im dritten Quartal fiel mit 1,5% yoy im Vergleich zum starken letzten Wert wie erwartet eher schwach aus, da das zweite Quartal den schwachen Winter kompensierte.
In der nächsten Zeit wird es für die Entwicklung von EUR/USD darauf ankommen, ob der jeweils eingeschlagene geldpolitische Pfad zu Ende gegangen wird. Die Anzeichen dafür, dass im Dezember sowohl die Zinswende in den USA als auch eine Ankündigung über die Ausweitung des QE-Programms in der Eurozone stattfindet, haben sich aus unserer Sicht verdichtet. Dieses Auseinanderlaufen der Geldpolitik in den beiden Währungsräumen wird den Euro weiter unter Druck setzen. Wir erwarten daher ein weiteres Nachgeben von EUR/USD zum Beginn des nächsten Jahres auf 1,05.
USD/JPY: Japan in der Rezession, BoJ-Kurs unklar
USD/JPY konnte in der Berichtsperiode unterm Strich zulegen und notierte zuletzt bei etwas über 123 im Vergleich zu 120 im Vormonat. Ähnlich wie bei EUR/USD spiegelt die Abwertungsbewegung des Yen im Wesentlichen die Signale der Fed-Politik wider. Im schwächelnden Japan wird weiterhin über eine noch stärkere quantitative Lockerung der Geldpolitik und expansive Fiskalpolitik diskutiert. Zuletzt erhielten diese Spekulationen weiteres Futter, als die japanische Wirtschaft – zum zweiten Mal in der Amtszeit von Shinzo Abe – im dritten Quartal in eine Rezession rutschte.
Die japanische Wirtschaft wurde im Laufe des Jahres schwer von der Abkühlung in China getroffen. Nachdem das BIP im dritten Quartal um annualisierte 0,8% nachgab – erwartet wurde nur ein Rückgang um 0,2 % – befindet sich die Inflationsrate mit -0,1 % weiterhin an der Schwelle zur Deflation. Ob die Bank of Japan (BoJ) tatsächlich die letzten Entwicklungen zum Anlass für weitere Interventionen nehmen wird, ist allerdings unklar, da sie schon bei ihrer letzten Sitzung eine ähnlich schwache Konjunktur vorgefunden und nicht reagiert hatte.
Eine Überraschung war allerdings die Expansion der Industrieproduktion im September um 1,1 % mom, was dafür spricht, dass zum Ende des dritten Quartals bereits eine Erholung stattgefunden hat. Darüber hinaus deutet es sich an, dass die chinesische Konjunktur stabiler ist als zeitweise erwartet. Wir gehen davon aus, dass Japan die Rezession im vierten Quartal wieder verlassen wird. Während eine erneute geldpolitische Reaktion in Japan alles andere als ausgemacht ist, rechnen wir damit, dass die Zinswende in den USA den Yen weiterhin unter Druck setzen wird. Wir erwarten daher nach der Zinswende in den USA eine Tendenz des USD/JPY in Richtung 125.
EUR/GBP: BoE und Fed entkoppelt, Pfund aber weiter stark
EUR/GBP liegt aktuell bei 0,70 und hat damit im Monatsvergleich per Saldo um knapp 5% nachgegeben. Zu Beginn der Berichtsperiode machten sich die durch die EZB geweckten Erwartungen auf eine Ausweitung der unkonventionellen Maßnahmen bemerkbar und das Pfund wertete – analog zum Dollar – gegenüber dem Euro stark auf. In der November-Sitzung der Bank of England sprach sich das geldpolitische Komitee mit 8 zu 1 Stimmen überraschend deutlich gegen eine Zinserhöhung aus. Der am darauf folgenden Tag veröffentliche Inflation- Report korrigierte die Prognose der Inflationsrate und des BIP-Wachstums für 2016 nach unten. Als Reaktion darauf erwarten die Märkte eine Anhebung der Bank-Rate nun nicht mehr vor Dezember 2016. Die Vorstellung, die Bank of England würde der Fed in ihren künftigen Schritten mit kurzer Verzögerung folgen, ist damit vom Tisch.
Aus konjunktureller Sicht steht die britische Wirtschaft noch immer gut da. Auch in Großbritannien sinkt die Arbeitslosenquote und befindet sich nun mit 5,3% in etwa wieder auf Vorkrisenniveau. Das BIP-Wachstum lag im dritten Quartal mit 2,3% yoy (nach 2,4% in Q2) leicht unter den erwarteten 2,4%, die Industrieproduktion enttäuschte mit einer Rate von -0,2 mom (erwartet wurden -0,1%) ebenfalls etwas. Doch trotz der Schwierigkeiten besteht auch im Industriesektor Hoffnung auf Besserung: Der PMI im verarbeitenden Gewerbe stieg im Oktober mit 55,5 auf seinen höchsten Wert seit Juni 2014. Zwar ergibt sich damit im dritten Quartal ein leichter Dämpfer, die britische Konjunktur kann aber weiterhin als robust bezeichnet werden. Mit 3,1% yoy stiegen auch die Löhne im September kräftig an. Das Lohnwachstum liegt allerdings deutlich unter den Vorkrisenraten. Der Umstand, dass der nahezu geräumte Arbeitsmarkt sich nicht in deutlich höheren Löhnen bemerkbar macht und der dahin siechende Ölpreis können als Hauptgrund für die historisch niedrige Inflationsrate von - 0,1% yoy ausgemacht werden. Damit verfehlt die Bank of England ihr Inflationsziel von 2,0% so stark nach unten wie noch nie seit ihrer Unabhängigkeit.
Mit der Aufschiebung der Zinswende in Großbritannien verlagert sich der Fokus auf die europäische Geldpolitik und die EZB-Entscheidung im Dezember. Die BIP-Daten für die Eurozone zeigen, genau wie in Großbritannien, im dritten Quartal einen kleinen Dämpfer. Die zusätzlichen Maßnahmen der EZB werden EUR/GBP wenig Spielraum nach oben lassen. Deshalb sehen wir das Wechselkurspaar zum Jahresende und in den darauf folgenden Monaten weiter in einer Spanne zwischen 0,70 und 0,72.
EUR/CHF: Franken noch immer beliebt
EUR/CHF hat sich in der Berichtsperiode per Saldo kaum verändert und notiert derzeit bei 1,09. Der Kurs von EUR/CHF trotzte den zunehmenden Erwartungen über eine Ausweitung des QE-Programms in der Eurozone. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in ihrer September-Sitzung bekräftigt, sie sei ständig zur Intervention an den Devisenmärkten bereit. Die Fremdwährungsposition auf der Notenbankbilanz liegt allerdings mit 550,9 Milliarden Schweizer Franken schon jetzt auf einem Rekordniveau und ist damit erheblichen Risiken aus Wechselkursschwankungen ausgesetzt.
Die schweizerische Konjunktur verläuft eher schleppend. Die Inflationsrate lag im Oktober mit -1,4% auf unverändert niedrigem Niveau und der KOF-Index gab erneut nach. BIP-Zahlen für das dritte Quartal werden erst im Dezember veröffentlicht. Angesichts der Erwartungen über eine Ausweitung des QE-Programms der EZB dürfte die SNB trotz ihrer unkonventionellen Geldpolitik und der schwachen makroökonomischen Entwicklung in der Schweiz mit erneutem Aufwertungsdruck des Franken konfrontiert werden. Interventionen der SNB werden allerdings nur stattfinden, wenn der Franken erheblich aufwertet und sich die Konjunktur noch stärker eintrübt. Davon gehen wir allerdings nicht aus und sehen EUR/CHF daher zum Jahresende etwas niedriger, bei etwa 1,06.
Bei den hier dargestellten Inhalten handelt es sich um fremde Inhalte. Für diese fremden Inhalte ist ausschließlich der jeweilige Eingeber verantwortlich. Eine inhaltliche, redaktionelle Überprüfung durch die DZB Media GmbH erfolgt ausdrücklich nicht. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang ergänzend den Haftungsausschluss unter https://www.zertifikateberater.de/impressum.
Sollte ein hier durch einen Eingeber distribuierter Inhalt aus Ihrer Sicht gegen geltendes Recht verstoßen, schicken Sie bitte eine Email an nc. Der gemeldete Inhalt wird umgehend überprüft und ggf. gesperrt.