EUR/USD: Zinsspekulationen schwächen den Greenback
Das EUR/USD-Wechselkurspaar zeigte sich in der Berichtsperiode per Saldo wenig verändert. Aktuell liegt der Kurs bei 1,135 und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie unmittelbar nach der Verschiebung der US-Zinswende Ende September. Aufgrund der trüben Perspektiven für die weltwirtschaftliche Entwicklung vor allem durch die Lage der Schwellenländer hatte die Fed ihre Entscheidung auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Termin der Zinserhöhung bleibt unsicher, dürfte aber unseres Erachtens eher im ersten Quartal des neuen Jahres als noch vor dem Jahresende 2015 liegen. Zu dieser Erwartung tragen auch die aktuellen Inflationsdaten bei. Zwar stieg die Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) im September von 1,8 auf 1,9% yoy. Die Preisentwicklung kommt aber vor allem durch den Energiesektor noch immer nicht in Schwung.
Seitens der Konjunkturdaten haben sich in der Berichtsperiode die Zeichen verdichtet, dass mit dem September der vorerst günstigste Zeitpunkt für den Beginn einer geldpolitischen Normalisierung verpasst wurde. So kam es nach einer zuvor sehr stetigen Aufwärtsbewegung auf dem US-Arbeitsmarkt im September unerwartet zu einer Verlangsamung. Anstelle der erwarteten 200.000 Stellen waren im September nur 142.000 Arbeitsplätze neu geschaffen worden. Die Stundenlöhne stagnierten im gleichen Zeitraum. Außerdem kam es im August zu einem Rückgang der Industrieproduktion um 0,4%. Der Ausblick für das Verarbeitende Gewerbe trübte sich mit einem von 51,1 auf 50,2 gesunkenen ISMIndex ein und ließ ebenso wie die schwachen Auftragseingänge stagnierende Produktionsniveaus erwarten.
Für die weitere Entwicklung des EUR/USD wird auch die Rhetorik der EZB, die derzeit auf eine Ausweitung des QE-Programms zusteuert, entscheidend sein. Zwar reagierte der derzeit relativ starke Euro bislang nicht wie erwartet auf die Andeutungen möglicher, zusätzlicher Anleihekäufe. Bei einer endgültigen Entscheidung für derartige Maßnahmen halten wir einen Kursverfall aber für unvermeidlich und erwarten deshalb gegen Ende des Jahres Kurse im Bereich von 1,12 USD und weitere bis 1,08 USD.
USD/JPY: Kuroda erwägt erneute Lockerung
USD/JPY hat in der ersten Oktoberhälfte kräftig verloren und bei 119,7 geschlossen. Die japanische Wirtschaft zeigte sich zuletzt auf Schlingerkurs. Die Industrieproduktion fiel zum zweiten Mal in Folge um 0,5% und auch die so wichtigen Auftragseingänge im Maschinenbau gingen um 5,7% zurück. Der Tankan-Bericht zum Geschäftsklima präsentierte für den Monat Oktober ein differenziertes Bild. Das produzierende Gewerbe der Großindustrie bestätigt den negativen Ausblick: Der Indikator ging von 15 auf 12 zurück. Kleinere Unternehmen konnten Ihre Position halten, während mittlere Unternehmen sich sogar verbessern konnten. Die Großindustrie erwartet für die kommenden Monate eine weitere Abkühlung ihres Geschäftsklimas. Überraschend positiv entwickelte sich der Subindex des Nicht-Produzierenden Gewerbes von 23 auf 25 – dem bisher höchsten gemessenen Wert in Japan – dank einer kauffreudigen Bevölkerung. Besonders stark expandierte hier der Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen mit einem Zuwachs von 11 Punkten.
Der Präsident der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, hielt an der Einschätzung der Notenbank einer „anhaltenden langsamen Erholung“ fest, wenngleich die Indikatoren am aktuellen Rand einen zunehmend gegenläufigen Trend zeigen. Im Falle einer Abweichung der konjunkturellen Entwicklung von den Erwartungen der Zentralbank, so Kuroda, ist auch eine Ausweitung des Ankaufprogramms der Bank of Japan nicht ausgeschlossen. An den Märkten nimmt die Spekulation auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zu. Derzeit gebe es aber keinen Anlass zur Diskussion derartiger Schritte, so Kuroda. Derartige Äußerungen dürften den Yen nichtsdestoweniger schwächen. Wir sehen den USD/JPY-Wechselkurs daher in den nächsten Wochen wieder über 120 und bis Jahresende bei 123.
EUR/GBP: Schwaches Pfund und zögerliche Notenbank
Das EUR/GBP-Währungspaar verzeichnete im Berichtsmonat unterm Strich einen leichten Zugewinn und rangiert aktuell bei 0,733. Der Kurs wurde zu Periodenbeginn nachhaltig unter Druck gesetzt, nachdem die Fed die Verschiebung der lange erwarteten Zinswende bekannt gegeben hatte. Die Entscheidung der US-Notenbank macht es auch der Bank of England leichter, zugunsten eines späteren Termins ihres ersten Zinsschritte zu argumentieren. Zudem bleiben die Preise in Großbritannien weiterhin unter Druck. Nachdem es im August bereits zur Stagnation der Verbraucherpreise gekommen war, sackten diese im September um 0,1% yoy ab. Die Kernrate verharrte bei 1,0%. Daher blieb es unter den Mitgliedern des Offenmarktausschusses bei der jüngsten Zinsentscheidung erneut bei der deutlichen Mehrheit gegen eine geldpolitische Straffung. Dabei ist der konjunkturelle Ausblick weiterhin stabil. Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich ein leichter Beschäftigungszuwachs mit einer um 0,1% gesunkenen Arbeitslosenquote und zuletzt 140.000 neu geschaffenen Stellen. Besonders überraschen konnten die Zahlen zur Industrieproduktion mit 1,0% Zuwachs im August (Konsens 0,3%). Die Stimmungsindikatoren lassen hier eine weiterhin stabile Entwicklung erwarten. Der Einkaufsmanagerindex des Verarbeitenden Gewerbes hielt sich im September bei 51,5 Punkten und signalisiert damit eine Fortsetzung des bisherigen Wachstumstrends.
Der jüngste Höhenflug des EUR/GBP-Wechselkurses dürfte rasch an seine Grenzen stoßen. Angesichts solider Wirtschaftsdaten aus dem Vereinigten Königreich und den sich zuspitzenden Diskussionen um eine Ausweitung von QE in der Eurozone besteht kein Grund zu Annahme, dass der Euro seine Stärke gegenüber dem Pfund nachhaltig behaupten wird. Neben dem Einfluss der Fundamentaldaten wird es in erster Linie an den Ankündigungen der Notenbanken hängen, wie stark der Euro bis zum Ende des Jahres nachgibt. Wir rechnen Ende Dezember mit einem Kurs von 0,73.
EUR/CHF: Franken bleibt stark
EUR/CHF löste sich erst in den letzten Tagen aus seiner Seitwärtsbewegung und schloss mit leichten Verlusten bei 1,083. mit einer Schwankungsspannweite von 1,098 bis 1,078. Anlass zur Sorge für die SNB dürfte die niedrige Inflation geben: Entgegen der vorläufigen Prognose der SNB mit -1,1% gab das Preisniveau in der Schweiz auf Jahressicht bereits um 1,4% zum Vorjahr nach und auch der Ausblick auf das nächste Jahr lässt einen weiteren Rückgang von -0.5% erwarten. Das KOF-Konjunkturbarometer verschlechterte sich im letzten Monat von 100,7 auf 100,4 Zähler und rangiert nur noch knapp im Wachstumsbereich. Gleichwohl bekam der Franken Unterstützung vom Außenhandel, da ein kräftiger Rückgang der Importe zu einer Ausweitung des Handelsbilanzüberschusses sorgte. Wir erwarten am 31. Dezember 2015, aufgrund einer wahrscheinlicher werdenden Ausweitung des QE-Programms der EZB eine Kurskorrektur des EUR/CHF in Richtung der Marke von 1,06.
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