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29.09.15, 12:33

Die Fed in der Falle oder ZIRP4EVA

Der geldpolitische Kommentar

Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt HSH Nordbank

Die US-Notenbank hatte die Märkte auf eine Zinserhöhung ausreichend vorbereitet – um dann schließlich doch noch einen Rückzieher zu machen. Warum nur?

Kennen Sie das noch von früher? Ihr Mathelehrer kündigt mehrere Wochen im Voraus eine Klausur an, Sie bereiten sich sorgfältig darauf vor und freuen sich auf den Moment, wo die Prüfung dann endlich hinter Ihnen liegt – und dann verschiebt Ihr Lehrer die Arbeit aus irgendwelchen Gründen. So ähnlich ist es vielen Investoren nach der US-Notenbank Zinssitzung vom 17. September gegangen. Mehrere Monate waren die Anleger auf diesen Moment vorbereitet worden. Der Arbeitsmarkt müsse sich noch etwas erholen, in Bezug auf die Inflation wolle man ausreichend zuversichtlich sein und insgesamt müsse das Wachstumsbild stimmen. Eine gewisse Ruhe an den Finanzmärkten sei ebenfalls erforderlich. Eine Woche vor dem Sitzungsbeginn waren all diese Bedingungen erfüllt. Die Arbeitslosenrate war auf sensationelle 5,1% gefallen, im zweiten Quartal lag das BIP-Wachstum bei 3,9% und der Aufschwung zeigte eine ungewöhnliche Breite. Zudem äußerte sich Fed-Vizechef Stanley Fischer optimistisch, dass die Inflation bald schon wieder im Zielbereich von 2% liegen würde. Auch an den Aktienmärkten war Ruhe eingetreten, nachdem in den Wochen zuvor China für Turbulenzen gesorgt hatte. Dann kam der 17. September und nichts geschah.

Warum agierte die Fed nicht? Nun, wenn man es darauf anlegte, dann könnte man immer einen Grund finden, nicht an der Zinsschraube zu drehen. Natürlich war die Entwicklung im Industriesektor etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben und der erneut gefallene Ölpreis hat die Inflationserwartungen gedrückt. Aber: Dem Industriesektor mit einem Anteil von etwa 12% am BIP steht ein derzeit boomender Dienstleistungssektor mit über 70% des BIP gegenüber. Und die niedrigen Ölpreise sind ein Konjunkturprogramm, das allein den Konsumenten 110 Milliarden USD in 12 Monaten in die Kassen spült, wenn man als Referenz den durchschnittlichen Ölpreis vom letzten Jahr wählt.

Das Problem ist: Die Gefahr, dass es nunmehr bei einer tatsächlichen Zinserhöhung doch noch zu Turbulenzen kommt, ist deutlich gestiegen. Denn die Anleger wissen jetzt nicht mehr, wie sie überhaupt die Kommunikation der Fed deuten sollen. An Wirtschaftsindikatoren wie Arbeitslosenrate und Wachstum kann man sich anscheinend nicht zuverlässig orientieren. Wenn die US-Notenbank weder im Oktober noch im Dezember aktiv wird, dann wird der Zeitpunkt kommen, an dem Frau Yellen, aus Furcht zu früh zu agieren, in der Falle sitzt: Würde sie den Leitzins anheben, bedeutete dies Turbulenzen an den Finanzmärkten, die wiederum eine Zinssenkung erforderlich machen. Also dürfte man nicht handeln. Das würde ZIRP4EVA (Zero interest rate policy forever) bedeuten, verbunden mit der wachsenden Gefahr von Blasenbildungen, die durch die herumwabernde Zentralbankgeldmenge provoziert würden. Die Fed kann ein derartiges Szenario vermutlich noch verhindern – wenn sie noch in diesem Jahr handelt.

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