EUR/USD: Dollar leidet unter verschobener Zinswende
Das Währungspaar EUR/USD legte gegenüber Anfang August deutlich zu und übersprang kurzzeitig sogar die Marke von 1,16. Nach der Entscheidung der US-Notenbank, den Leitzins unverändert zu lassen, wertete der USD ab. EUR/USD liegt derzeit bei 1,14.
Das beherrschende Thema der vergangenen Wochen waren die Turbulenzen an den Aktienmärkten Chinas sowie die Befürchtung, es werde, ausgelöst durch das Reich der Mitte, zu einer allgemeinen Wachstumsverlangsamung der Weltwirtschaft kommen.
Üblicherweise profitiert der USD von einem derartigen Umfeld, da der USD als sicherer Hafen gesucht wird. Dieses Mal war das Reaktionsmuster am Devisenmarkt jedoch anders: Viele Marktteilnehmer waren der Meinung, durch die schlechten Nachrichten aus China werde die eigentlich für den 17. September erwartete Zinsanhebung durch die US-Notenbank verschoben. Die Fed-Präsidentin Yellen werde nicht riskieren, einen fragilen Finanzmarkt durch die erste Zinsanhebung seit 2006 zu belasten. Andere Marktbeobachter argumentierten eher fundamental und verwiesen auf die Eintrübung der Weltwirtschaft, die nicht spurlos an der US-Wirtschaft vorbeigehen könne. Im Übrigen sei auch die Inflationsrate zu niedrig, um bereits jetzt den Straffungszyklus einzuleiten.
Mit der EZB-Sitzung Anfang September bot sich für Präsident Mario Draghi die Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf die Handlungsmöglichkeiten der europäischen Geldpolitik zu lenken und damit auch deutlich zu machen, dass der China-Effekt keineswegs nur die US-Geldpolitik beeinflusse. Draghi verwies mehrfach auf das verlangsamte Wachstumstempo in den Schwellenländern, das uns noch lange begleiten werde. Mit der Ankündigung die Ankaufobergrenzen für einzelne Wertpapiere nach oben anzupassen, öffnete er die Tür für eine Verlängerung des QE-Programms über September 2016 hinaus. Die niedrige Inflationsrate, die in der Eurozone mittlerweile auf 0,1% gesunken ist, bot weitere Munition für die Befürworter einer langanhaltenden Nullzinspolitik. Der Effekt auf den Euro war spürbar, aber nur von einer relativ kurzen Dauer. Dies hing auch damit zusammen, dass die jüngsten Wirtschaftsindikatoren aus der Eurozone dem von der EZB verbreiteten Konjunkturpessimismus widersprachen. Insofern sind viele Analysten - auch wir gehören dazu - der Meinung, dass Draghi letztlich auf eine Verlängerung des QE-Programms verzichten wird.
In den vergangenen Tagen hat der China-Effekt auf die Devisenmärkte stark nachgelassen. Während der Shanghai-Index an einigen Tagen kräftig nachgab, zeigte sich das EUR/USD unberührt. Allerdings dürfte der deutliche Hinweis der Fed-Präsidentin Yellen auf China als der Faktor, der zu einem Verzicht auf eine Straffung der Geldpolitik geführt hat, das Augenmerk der Marktteilnehmer stärker auf die dortigen Entwicklungen lenken.
Die Wahlen in Griechenland am 20. September haben vermutlich keinen nachhaltigen Effekt auf den Euro, da die mit den Geldgebern vereinbarten Reformen - unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen - nicht mehr torpediert werden sollten.
Insgesamt rechnen wir nunmehr mit einer Straffung der US-Geldpolitik im Dezember und über das kommende Jahr, die den Euro schwächen und den USD stärken wird. Der behutsame Zinserhöhungspfad, den Frau Yellen vermutlich gehen wird, verbunden mit relativ soliden Wachstumszahlen aus der Eurozone dürften jedoch einen freien Fall der Gemeinschaftswährung verhindern. Vielmehr rechnen wir mit einer Abwertung des EUR gegenüber dem USD auf 1,08 per Ende März 2016 und danach eine leichte Aufwertung auf 1,12 per Jahresende 2016.
USD/JPY: Yen profitiert China-Sorgen stärken den Yen
Die Sorgen um die chinesische Konjunktur und die Abwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar schickten USD/JPY in den Keller. Vom Tiefststand bei 117,2 erholte sich der Kurs zwar wieder, aber er notiert aktuell mit 119 deutlich unter dem Höchststand von Mitte August (126).
Obwohl Japan unter schwächeren Exporten in Richtung China leidet, ist der Yen als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten nach wie vor gefragt. Dabei lieferte die japanische Wirtschaft sehr durchwachsene Konjunkturdaten und keine Argumente für den Yen. Zwar wurde der BIP-Rückgang des zweiten Quartals von -0,4 auf -0,3% aufwärtsrevidiert, aber die Industrieproduktion enttäuschte im Juli mit einem deutlichen Minus von 0,8% mom. Deshalb ist der Optimismus der Bank of Japan (BoJ) nur schwer nachvollziehbar. Das von den Notenbankern erwartete BIP-Wachstum von 1,7% im Fiskaljahr 2015/16 ist aus unserer Sicht nicht erreichbar. Auch die Inflation liegt mit 0,2% noch weit unter dem Ziel der BoJ von 2,0%. Ebenfalls kritisch beurteilt die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) die Lage in Japan. Sie bezweifelt den Erfolg der Wirtschaftspolitik der Regierung Abe und hat die Kreditwürdigkeit des Landes von AA- auf A+ heruntergestuft. Damit regiert S&P auf die Rückgang der japanischen Wirtschaftsleistung und den wenig konkreten Haushaltsplan der Regierung. S&P bemängelt zudem die ungelöste Schuldenfrage (Staatsschuldenquote nach S&P rund 250% vom BIP), die anhaltende Deflation und die alternde Bevölkerung.
Wegen der schwachen Konjunktur und der niedrigen Inflation rechnen wir damit, dass schon bald die Spekulationen auf eine weitere Lockerung der japanischen Geldpolitik wiederaufleben werden. Das dürfte dem Währungspaar USD/JPY – zusammen mit der erwarteten Straffung der US-Geldpolitik im Dezember – Potenzial nach oben eröffnen. Wir sehen das Währungspaar zum Jahresende bei 126.
EUR/GBP: Defensive Notenbanker bremsen den Sterling
EUR/GBP hat in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt und rangiert derzeit bei 0,73. Neben der Beilegung der griechischen Schuldenkrise ist das Hauptargument gegen den Sterling die defensive Haltung der Bank of England (BoE) in Sachen Leitzinsanhebung. So stimmten die Notenbanker auf ihren letzten Sitzungen konsequent mit einem Verhältnis von 8:1 gegen einen Zinsschritt. Im jüngsten Sitzungsprotokoll hieß es dazu, „die globalen Entwicklungen erscheinen noch nicht ausreichend, um den Ausblick materiell zu verändern.“ Die Wachstumsrisiken seien eher gestiegen. Damit scheint eine baldige Wende in der Geldpolitik unwahrscheinlich, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Fed die Zinswende voraussichtlich erst im Dezember einleiten wird. Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung der BoE ist auch das stagnierende Preisniveau. Die Inflation kommt nicht in Schwung. Im August sank sie gar auf 0,0% und auch die Kerninflationsrate fiel auf 0,9%. Dennoch spricht die gute britische Konjunktur, die ein solideres Bild abgibt das die der Eurozone, für ein stärkeres Pfund. Im zweiten Quartal legte das BIP um 0,7% qoq zu. Für das dritte Quartal gab es positive Impulse vom Außenhandel. So stiegen die Exporte im August um 3,9% mom.
Wir gehen nicht davon aus, dass sich der Aufwärtstrend beim Währungspaar EUR/GBP fortsetzt. Abgesehen von der Inflation ist der Sterling gegenüber dem Euro fundamental im Vorteil. Zudem dürften in den nächsten Wochen die Wahlen in Ländern wie Griechenland, Portugal und Spanien für Unruhe in der Eurozone sorgen. Deshalb sehen wir den EUR/GBP-Kurs zum 31.12. bei 0,72.
EUR/CHF: Euro auf der Überholspur
EUR/CHF hat in den letzten Wochen kräftig zugelegt und notiert aktuell bei 1,09. Außer der Beilegung der Griechenlandkrise gibt es für diesen Kursanstieg kaum eine Begründung. Aus fundamentaler Sicht überraschte die Schweiz sogar, denn die erwartete Rezession konnte vermieden werden. Nach einem BIP-Rückgang im ersten Quartal (-0,2% qoq) legte die Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,2% qoq zu. Grund zur Freude bot auch der KOF-Index. Er stieg im August von 99,8 auf 100,7 Punkte. Deshalb dürfte das BIP dieses Jahr um 0,8 bis 1,0% zulegen.
Ein Problem für die Schweizerische Notenbank (SNB) ist die Preisentwicklung. Für das laufende Jahr haben die Notenbanker ihre Inflationsprognose von -0,1 auf -1,1% gesenkt und rechnen auch 2016 mit einem Minus von 0,5%. Da bleibt laut Notenbankchef Jordan auf absehbare Zeit kein Spielraum für eine Anhebung des Leitzinses, den 3-Monats-Libor, dessen Zielband die SNB auf -1,25 bis -0,25 festgelegt hat. Er sagte kürzlich, dass „in der Schweiz noch eine gewisse Zeit mit den negativen Zinsen“ zu leben sein wird.
Wir halten den jüngsten Anstieg von EUR/CHF für überzogen und rechnen mit einer Korrektur, die den Kurs bis zum Jahresende in Richtung 1,05 drücken dürfte.
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