Eine ganz mühsame Einigung.
Nach einem übermenschlichen 17-stündigen Verhandlungsmarathon konnte im griechischen Schuldenstreit bei den Grundsatzfragen soweit eine Annäherung vollzogen werden, dass ein drittes Hilfsprogramm in den kommenden Wochen ausverhandelt werden kann. Die griechische Seite hatte im Vorfeld mit einigem Maßnahmen wie dem Auswechseln des Finanzministers Vertrauen aufbauen wollen. Das reichte den Kreditgebern allerdings bei weitem nicht aus. Schließlich ging es nicht mehr nur um Abschluss oder Verlängerung eines laufenden Hilfsprogramms, sondern um die kommenden drei Jahre, und damit um eine ungleich größere Summe an neuen Krediten von bis zu 90 Mrd. Euro (für Zins- und Tilgungszahlungen in den kommenden drei Jahren sowie für die Rekapitalisierung der angeschlagenen Banken). Dafür verlangten die übrigen europäischen Regierungen zusätzlich zu den bisher immer wieder verhandelten Punkten Steuer-, Renten- und Verwaltungsreformen nun Sicherheiten für die Umsetzung. So soll das griechische Parlament bereits am Mittwoch erste Umsetzungen beschließen. Aus dem Treuhandfonds von 50 Mrd. EUR, der eine zügigere Privatisierung ermöglichen soll, kann wohl auch ein Viertel der Erlöse für Investitionen in Griechenland zur konjunkturellen Stimulierung eingesetzt werden. Überdies bleibt die strenge Aufsicht über die griechische Wirtschafts- und Finanzpolitik durch EZB, EU und IWF bestehen. Den Gläubigerforderungen war dadurch erheblicher Nachdruck verliehen worden, dass das deutschen Finanzministerium den Vorschlag „Grexit auf Zeit“ in die Verhandlungen eingebracht hatte, der nichts weiter ausdrückt, als dass die deutsche Regierung sich – wie mittlerweile viele andere Regierungen – auch mit einem Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro abfinden könnte.
Kommt jetzt der Grexit?
Das Grexit-Szenario ist nach dieser Grundsatzvereinbarung etwas unwahrscheinlicher geworden. Aus unserer Sicht ist es wieder unter die 50 %-Marke gefallen. Allerdings sind die Würfel insbesondere in Griechenland eben noch nicht gefallen. Es zeichnet sich ab, dass die Regierung Tsipras über diese Vereinbarungen fallen könnte – was ihr von Anfang an vorausgesagt worden war angesichts der Unvereinbarkeit ihrer Wahlversprechen mit der Realität in der Währungsunion. Die unmittelbaren Hürden sind die Blitzreformen, die bereits in dieser Woche verabschiedet werden müssen. Sollten die Griechen bereits an dieser Hürde scheitern und Neuwahlen ausrufen, geht das Verhandlungsdrama in die nächste Verlängerung. Für diesen Fall erwarten wir die Einsetzung einer Übergangsregierung, die die Weichen in Richtung Reformen stellt, und ein Stillhalten der Gläubiger, bis es wieder eine gewählte Regierung in Athen gibt.
Folgen für Finanzmärkte und für Geldanlagen in Wertpapieren.
Die Marktreaktionen haben bereits in der Verhandlungsnacht ein positives Ergebnis des Super-Gipfels vorweggenommen. Die asiatischen Märkte schlossen freundlich. Am europäischen Rentenmarkt kam es am Morgen auf die Nachricht vom Abschluss der Gespräche zu einem starken Renditenanstieg. Das deutet darauf hin, dass der Markt sich zumindest vorübergehend den lange vernachlässigten anderen Themen zuwendet. Dies ist insbesondere die sich anbahnende Zinswende in den USA. Diese Entwicklungen sind ein Teil der von uns erwarteten Gegenbewegung, die wir für den Fall gesehen haben, dass die Turbulenzen um Griechenland zu keinem systemischen Risiko für Euroland als Ganzes werden würden. Es bleibt allerdings dabei: Die Anleger müssen sich noch eine Weile auf erhöhte Schwankungen an den Finanzmärkten einstellen. Erst im weiteren Jahresverlauf werden sich die Märkte beruhigen. Dann nehmen die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend wieder auf. Für die Rentenmärkte erwarten wir leichte Renditeanstiege. Ein breit gestreutes und gut diversifiziertes Portfolio sollte nur kurzzeitig negativ betroffen sein. Somit bleiben wir weiterhin bei unserer Einschätzung, dass keine Neuausrichtung der privaten Anlegerportfolios erforderlich ist.
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