Ein „Nein“ zum Sparen, ein „Ja“ zum Euro
Griechenland hat bei dem Referendum am 05.07. „nein“ gesagt. Praktisch ist man damit keinen Schritt weiter: Dass die Griechen
im Euro bleiben wollen, ohne sich zu weiteren Reformprogrammen zu verpflichten, war schon lange klar. Die dadurch erhoffte
Stärkung der Verhandlungsposition der Regierung Tsipras wird kaum dazu führen, nun bessere Konditionen herauszuholen, als
sie beim Verhandlungsabbruch auf dem Tisch lagen. Das Signal an die übrigen Mitgliedsländer wäre verheerend, wenn man
künftig per Volksabstimmung über Schuldenerleichterungen abstimmen könnte. Wahrscheinlich ist, dass die griechische Regierung
den Verhandlungspartnern beim Sondergipfel am Dienstag Vorschläge zu einem Neustart der Verhandlungen vorlegen wird,
und für die Zwischenzeit eine Brückenfinanzierung einfordert. Ein solcher Neustart kann eigentlich nur gelingen, wenn ein grundsätzlich neuer Ansatz gewählt wird, der beide Positionen zusammen bringen kann, etwa ein konditionierter Schuldenschnitt, in
dem nach einem fest definierten Plan Schuldenerleichterungen gegen umgesetzte Reformschritte gewährt werden. Die Startposition
für neue Verhandlungen und damit Zwischenfinanzierungen ist jedoch schlechter geworden: Griechenland hat bereits
eine Rückzahlung versäumt, das bisherige Hilfsprogramm ist verfallen, die Banken sind geschlossen. Daher müssten jetzt schnell
überraschend starke Signale gesendet werden, damit es zu einer Einigung kommen kann. Der Rücktritt des Finanzministers
Varoufakis ist zumindest ein erstes starkes Signal, da hier das Vertrauensverhältnis besonders nachhaltig gestört war.
Kommt jetzt der Grexit?
Allein schon aufgrund der knapper werdenden Zeit schätzen wir die Grexit-Wahrscheinlichkeit nun zum ersten Mal etwas höher
ein als den dauerhaften Verbleib Griechenlands im Euro. Zunächst wird die EZB die Finanzierung der griechischen Banken noch
nicht vollständig stoppen, eine Wiedereröffnung der Banken sehen wir allerdings nicht so bald. Der bisherige Zeitvorteil der griechischen Regierung kehrt sich nun um. Hatte sie bislang alle Zeit der Welt, um die Verhandlungspartner unter Druck zu setzen, so
steigt mit jedem Tag, an dem die Banken geschlossen sind, der Druck im eigenen Land. Mit dem Versäumen weiterer Zahlungen
in den kommenden beiden Wochen könnte das Land in wesentlichen weiteren Dimensionen als zahlungsunfähig eingestuft werden.
Allerdings sind die Austrittshürden aus der Währungsunion weiterhin hoch! Griechenland wird so lange wie möglich versuchen,
im Euro zu bleiben. Einen Austritt kann die griechische Regierung nur nach längeren erfolglosen Verhandlungsversuchen
rechtfertigen. Die Bundeskanzlerin wird mit dem französischen Präsidenten heute vermutlich noch einmal ausloten, was möglich
ist. Mittlerweile steigt die Gefahr einer Eigendynamik: Die Lage der griechischen Wirtschaft wird in den kommenden Wochen immer
prekärer. Das kann trotz des Referendum-Erfolgs schnell in Proteste gegen die Regierung umschlagen und zu einer größeren
Kompromissbereitschaft der Regierung oder zu Neuwahlen führen. In diesem Fall würden die Verhandlungspartner wahrscheinlich
stillhalten, bis der politische Weg Griechenlands wieder etwas klarer geworden ist. Falls dies nicht geschieht, keine weiteren
Verhandlungsfortschritte erzielt werden und die EZB daraufhin in absehbarer Zeit die Finanzierung der Banken stoppt, bleibt kein
anderer Ausweg als dass die griechische Regierung ein neues Zahlungsmittel einführt, was faktisch den Austritt Griechenlands
aus dem Euro bedeutet (Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios: 55 %).
Folgen für Finanzmärkte und für Geldanlagen in Wertpapieren
Die Marktreaktionen hatten in den vergangenen Tagen einen relativ gelassenen Umgang der Finanzmärkte mit einem möglichen
Grexit angezeigt. Dies setzte sich in den ersten Handelsstunden nach dem Referendum fort. Die Risikowahrnehmung bei den Finanzmarktteilnehmern ist zwar vorhanden, die Reaktionen sind jedoch moderat, da die negativen Konsequenzen eines Grexit
eher mittelfristige Auswirkungen hätten. Die Kurse deutscher Bundesanleihen sind gestiegen, deren Renditen gesunken. Zugleich
haben die Aktienmärkte nachgegeben. Die Zinsdifferenzen für Staatsanleihen der Euroland-Peripherie gegenüber Bundesanleihen
haben sich ausgeweitet. Dies kann nun durchaus etwas weiter gehen. Indes sollte in absehbarer Zeit eine Gegenbewegung einsetzen, wenn die Gewissheit steigt, dass die Turbulenzen um Griechenland zu keinem systemischen Risiko für Euroland als Ganzes werden. Griechenland ist ein Einzelfall, und das dürfte auch am Markt so gesehen werden. Die Sicherungsmechanismen im
Euroraum („Schutzschirme“ ESM und EFSF) sowie die EZB-Anleihekaufprogramme (die im März 2015 begonnene quantitative
Lockerung QE sowie das im September 2012 beschlossene OMT-Programm) werden greifen. Die Anleger müssen sich jedoch
noch eine Weile auf erhöhte Schwankungen an den Finanzmärkten einstellen. Erst im weiteren Jahresverlauf werden sich die
Märkte beruhigen. Dann nehmen die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend wieder auf. Für die Rentenmärkte erwarten wir nur
leichte Renditeanstiege. Ein breit gestreutes und gut diversifiziertes Portfolio sollte nur kurzzeitig negativ betroffen sein. Somit
bleiben wir weiterhin bei unserer Einschätzung, dass keine Neuausrichtung der privaten Anlegerportfolios erforderlich ist.
Hier finden Sie auch oft gestellte Fragen und unsere Antworten zum Thema Griechenland.
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