Der Countdown läuft.
Die Zeit ist extrem knapp, die Nerven liegen blank. Am 18. Juni ist das Treffen der Eurogruppe erwartungsgemäß daran gescheitert,
eine Lösung im Griechenlandkonflikt herbeizuzaubern. Das Augenmerk – aber weniger die Hoffnung – richtet sich nun auf
den 22. Juni, für den ein Sondergipfel der Chefs der Euroländer anberaumt ist. Eine Lösung muss her, und zwar bis zum 30. Juni,
sonst ist Griechenland zahlungsunfähig. Zum einen muss das Land am 30. Juni die für den Monat gebündelten, aufgeschobenen
Rückzahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 1,5 Mrd. Euro leisten. Einen weiteren Aufschub bekommt
Griechenland laut IWF nicht. Zum anderen läuft Ende Juni das zweite Hilfsprogramm der Geldgeber aus. Auf ein Drittes
ist Griechenland absolut angewiesen, die Verhandlungsbasis hierfür ist allerdings kaum gegeben. Auch im Juli stehen weitere
Zahlungsverpflichtungen an, vor allem 3,5 Mrd. Euro an die Europäische Zentralbank, denen Griechenland ohne Finanzhilfe von
außen nicht nachkommen kann. Es steht eine politische Entscheidung an, deren Ausgang ungewiss ist.
Unser Hauptszenario: Es gibt eine Lösung, aber auf Umwegen.
Vermutlich wird erst der europäische Gipfel am Wochenende 27./28. Juni feststehen, ob es zu einem „Deal“ kommt oder nicht.
Zwar könnte es theoretisch selbst danach noch einer Einigung kommen, aber zur Zeit sieht es danach aus, als ob die griechische
Regierung dem Willen des eigenen Volkes, im Euro zu bleiben, Tribut zollte und eine etwas stärkere Reformbereitschaft an den
Tag legt. Bei einer Einigung können kurzfristig die ausstehenden gut 7 Mrd. Euro aus dem zweiten Hilfspaket freigegeben
werden und damit Griechenland für wenige Wochen wieder Luft zum Atmenverschafft werden. In der nächsten Stufe der
Verhandlungen, also für das anschließende dritte Hilfspaket, könnte etwa ein „gestreckter Schuldenschnitt“ in Betracht kommen,
bei dem weitere Schuldenerleichterungen auf eine Periode von ein oder zwei Jahrzehnten mit bestimmten Reformzielen und
einer neuen Form der Kontrolle verbunden würden. Für jede Menge Dramatik in den kommen Tagen ist also gesorgt. Bereits in
dieser Phase können spürbare Marktreaktionen auftreten: rückläufige Aktienkurse, sinkende Bundrenditen, schwacher Euro-Kurs,
aber auch kräftige Markterholungen, wenn weißer Rauch aufsteigt.
Unser Risikoszenario: Griechenland verlässt die Währungsunion – Marktturbulenzen zu befürchten.
Sollte es bei einer Kompromiss-Unfähigkeit beider Verhandlungspartner nach der Einführung der Kapitalverkehrskontrollen keine
Einigung mit den Geldgebern geben, könnten sich die Griechen für einen Austritt aus der Währungsunion (Grexit) entscheiden.
Dies würde noch heftigere Marktreaktionen nach sich ziehen. Denn das hieße, dass der Euro doch nicht „alternativlos“ ist, also
unter allen Umständen so bleibt, wie er jetzt ist. Zwar würden zunächst die übrigen Staaten noch weiter diszipliniert werden,
aber überall, wo mittelfristig die Bürger einen Kurs ausgeglichener Haushalte nicht mehr in Wahlen anerkennen würden, wäre ein
Euro-Austritt in den Augen der Finanzmärkte möglich. Fast jede europäische Wahl könnte dann Marktschwankungen hervorrufen.
Daher würden schon auf einen Austritt Griechenlands hin die Risikoprämien von Anleihen einiger schwächerer Euro-
Staaten steigen. Griechische Anleihen würden zu einem Bruchteil des heutigen Kurses notieren. Auch an den Aktienmärkten
würde es vorübergehend zu noch stärkeren Kursverlusten kommen. Die meisten dieser Reaktionen würden sich jedoch bald
wieder zurückbilden, weil ein Dominoeffekt ausbleibt. Für Griechenland selbst hätte ein Euro-Austritt dagegen einen
dramatischen wirtschaftlichen Einbruch zur Folge.
Keine Änderung der strategischen Ausrichtung der Geldanlagen erforderlich.
Ernsthafte unmittelbare Gefahren für das europäische Finanzsystem erwarten wir jedoch aus keinem der beiden oben skizzierten
Szenarien. Ein Austritt Griechenlands hätte vorwiegend politische Konsequenzen, die die Finanzmärkte eher unter bestimmten
Bedingungen, wie einer ähnlichen Konstellation in anderen Ländern, treffen könnten. Eine existenzielle Frage für die europäische
Währungsunion ist damit aber nicht verbunden. Mögliche Marktverwerfungen sollten sich binnen weniger Wochen wieder
zurückbilden. Somit ist die strategische Ausrichtung der Portfolios nicht zu ändern. In großem Stil auf Direktanlagen in
Griechenland-Anleihen zu setzen, war und bleibt sehr riskant, politische Börsen sind kaum planbar. Die Anleger müssen sich
jedoch vorübergehend auf erhöhte Schwankungen an den Finanzmärkten einstellen, erst im späteren Jahresverlauf werden sich
die Märkte beruhigen. Dann nehmen die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend wieder auf. Für die Rentenmärkte erwarten wir nur
leichte Renditeanstiege. Ein breit gestreutes und gut diversifiziertes Portfolio sollte nur kurzzeitig betroffen sein.
Weitere Informationen zur Griechenland-Schuldenkrise finden Sie in unserer Volkswirtschaft Kurzinformation: Griechenland-Schuldenkrise: Fragen und Antworten.
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